Ladenburg

Ladenburg Bei Automobilia-Auktion mehr als 4000 Lose

„Da franst einem fast der Mund aus“

„Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!“ Der Hammer in der Hand von Marcel Seidel saust herab. Der Auktionator nennt Geldsumme und Bieternummer. Das nächste Sammlerstück erscheint auf der Leinwand. So geht das im Viertelminutentakt. Pro Stunde kommen bis zu 250 Positionen zum Aufruf. An zwei Tagen dreht sich alles um insgesamt über 4000 Lose. „Da franst einem fast der Mund aus“, weiß Winfried A. Seidel. Er ist der Vater sowohl des genannten Auktionators als auch des Ladenburger Auktionshausbesitzers Götz C. Seidel.

Im Gegensatz zu seinem Halbbruder, der in Sachen altes Spielzeug weltweit bekannt ist, hat sich Marcel vor 18 Jahren auf die Versteigerung von Automobilia konzentriert. „Mein Vater hatte wesentlichen Anteil an dieser Idee“, erinnert sich der Jüngere. Für die Anregung, nicht nur Auto- und Technikteile anzubieten, ist er dem Senior bis heute dankbar. Dieser ist als Chef des Ladenburger Automuseums Dr. Carl Benz und der Oldtimer-Messe „Veterama“ auch selbst noch immer auf der Jagd. „Aber lediglich Kleinigkeiten, denn ich habe mir geschworen, nur noch etwas zu kaufen, wenn ich weiß, wo ich es hintue“, erklärt Sammler Seidel. So hofft er, einen silbernen Brieföffner von Fritz Held zu ergattern, einem der ersten Mitarbeiter von Carl Benz in Mannheim. Außerdem interessiert er sich für „sehr alte“ Tachometer einer Berliner Firma.

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„Raritäten nahezu sämtlicher Fabrikate“ hat Marcel Seidel zusammengetragen. Seit Auflösung ihrer Firma Anfang dieses Jahres machen er und der ehemalige Mitgesellschafter jeweils auf eigene Rechnung weiter. Bei der jüngsten Auktion kamen nach Auskunft von Seidel „zahlreiche Highlights“ zum Aufruf. Unter anderem widmete sich ein Teil des Katalogs der Rennfahrerkarrieren von Dieter Schornstein und Alberto Ascari. Außerdem wurden unter anderem ein Fotoalbum von Laura Ferrari, der Ehefrau von Fahrer und Autobauer Enzo Ferrari, sowie Fotos, Ersatzteile, Fahreranzüge von Derek Bell, Hans Joachim Stuck, Timo Bernhard und weiteren Motorsportgrößen versteigert.

Solche Schätze weckten Interesse – national und international: Ein Wiederverkäufer aus dem Ruhrgebiet ist auf der Suche nach seltenen Plaketten, Pokalen und Trophäen für große Messen und „bestimmt schon zum 20. Mal in Ladenburg, weil hier die Qualität stimmt“. Man müsse nämlich aufpassen: In diesem Bereich gebe es viele Kopien. Wer nicht anreisen konnte, bot über Telefon oder Internet aus der ganzen Welt mit.

Zu den Mitarbeitern an den Apparaten zählt seit zwölf Jahren Kristin Bosk. Die studierte Dolmetscherin benötigte am Wochenende sechs von sieben Sprachen, die sie beherrscht. Die Bilanz der Veranstalter fällt hochzufrieden aus: „Super. Wir haben bereits eine Verkaufsquote von 80 Prozent erzielt, und ab sofort läuft ja noch der Freiverkauf. Dazu kommt, dass wir sehr viele Neukunden begrüßen durften.“ pj