Ladenburg

Ladenburg Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde kritisieren Rats-Entscheidung zum Gemeindehaus-Projekt / Neubau am alten Standort als Alternative

„Das hat für uns ein Geschmäckle“

„Wir fühlen uns von Stadt und Gemeinderat nicht gut behandelt.“ Diese Äußerung von Dieter Groche gibt den Tenor des Gesprächs wieder, an dem auch sein Pfarrgemeinderats-Kollege Arno Folger und Pfarrer David Reichert teilnahmen. Denn die Enttäuschung über die Ablehnung des Gemeindehaus-Projekts im Pfarrgarten zwischen Pfarrhaus und Kirche durch eine Mehrheit des Gemeinderats sitzt nach wie vor tief. Als Grund für das Nein wurde in erster Linie die Bewahrung des Stadtbilds angeführt.

„Im Vorfeld und vor allem in der Ratssitzung sind uns Sachen zu Ohren gekommen, an denen wir nach wie vor knabbern“, fügte der Pfarrer an. Empört zeigte er sich darüber, dass Bauamtsleiter André Rehmsmeier erst in der Sitzung verkündet hatte, die Kirche sei zu einem Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung höhergestuft worden: „Wir waren im Vorfeld nicht informiert. Das hat für uns ein Geschmäckle.“ Die neue Einstufung bringe viel höhere Hürden für eine Bebauung im Umfeld sowie für Veränderungen in und an der Kirche mit sich.

Das sieht auch Dieter Groche so. Dass man erst an dem Abend, an dem die Entscheidung über das Projekt fallen sollte, von der Höherstufung der Kirche erfahre, sei „schon seltsam“. Seine Vermutung: Vielleicht sollte die Hürde für einen Neubau des Gemeindehauses damit höhergesetzt werden. „Da besteht bei uns Klärungsbedarf“, pflichtete ihm der Pfarrer bei.

Gibt schon Präzedenzfälle

Nicht nachvollziehen kann David Reichert auch, dass der Kirchengemeinde in der Sitzung vorgeworfen wurde, das neue Gemeindehaus Vereinen und anderen für Veranstaltungen zur Verfügung stellen zu wollen und damit Verkehr in die Altstadt zu ziehen: „Das finde ich schräg.“ Auch das Argument, eine Genehmigung des Projekts hätte einen Präzedenzfall dargestellt, will Dieter Groche nicht gelten lassen: Präzedenzfälle gebe es bereits. Als Beispiel nannte er das Familienheim-Projekt in der Feuerleitergasse.

Doch wie geht es weiter? „Wir müssen mit der Landeskirche reden, um gemeinsam Schritte auszuloten. Was dann kommt, wissen wir noch nicht“, antwortete Pfarrer Reichert. Klar ist, dass nur noch der Neubau am Standort des alten Gemeindehauses bleibt, allerdings halb so groß. Die Landeskirche schreibe für das Gemeindehaus eine Fläche von maximal 450 Quadratmeter vor, erläuterte Arno Folger. Den dafür nicht benötigten Teil des Grundstücks werde man verkaufen.

Folger fuhr fort: „Es ist für uns extrem wichtig, dass das Gemeindehaus näher an die Kirche ranrückt, damit wir einen behindertengerechten Zugang erhalten.“ Allerdings befürchtet er Diskussionen, weil der Neubau näher an die Stadtmauer heranrückt. Und es gelte, eine Höhendifferenz von 1,50 Meter zwischen Gemeindehaus und Kirche zu überbrücken, fügte Groche an. Auch das betreffe die alte Mauer.

Von der Stadt erwartet das Trio Unterstützung bei der Anlage des barrierefreien Zugangs. Pfarrer Reichert: „Wenn dieser Zugang nicht geklärt ist, können wir nicht planen.“ Es habe ihn irritiert, dass die Verwaltung nach der Ratsentscheidung nicht auf ihn zugekommen sei. Immerhin hat der Pfarrer einen Gesprächstermin mit dem Bürgermeister vereinbart.

Alle drei möchten ein gutes Verhältnis zu Verwaltung und Gemeinderat. Aber, so Groche: „Das gute Verhältnis hat für mich einen Knacks bekommen.“ Und er fragt sich, ob die Kirchengemeinde in 30 Jahren noch genug Mitglieder hat, um das große Areal um die Kirche sowie das separate Gemeindehaus unterhalten zu können.