Ladenburg

Ladenburg Kettensäge-Schnitzer Jochen Liebrich schafft Kunst im Friedhof / Anonymität gelüftet

Der Künstler lässt lieber die Objekte für sich sprechen

Mehrere künstlerisch bearbeitete Baumstümpfe sind ein echter Hingucker auf dem Friedhof in Ladenburg. Wer genauer hinschaut, erkennt sofort die Handschrift des bislang anonymen Kettensäge-Schnitzers, über dessen erstaunliche Landschaftskunstwerke der „Mannheimer Morgen“ 2016 erstmals berichtete. Als die frühesten Schildkröten, Krokodile, Biber und andere Tiere aus Baumstümpfen entlang von Spazierwegen auftauchten, bestand der Ladenburger noch strikt darauf, seine Anonymität zu wahren. Es gehe ihm ausschließlich darum, Kindern eine Freude zu bereiten, sagte der geheimnisvolle Künstler, als wir ihn bei der Arbeit am Wasserspielplatz überraschten.

Anfragen von Lesern

Nach dem ersten Artikel erreichten uns Anfragen von entzückten Lesern, die den einen oder anderen Baumstumpf im privaten Garten gerne zur Verfügung stellten. „Herzlichen Dank für Ihre bisherige Wahrung meiner Anonymität, aber damit ist es nun wohl vorbei“, schrieb uns der Künstler jetzt auf erneute Anfrage. Doch will Jochen Liebrich, von dem hier die Rede ist, lieber noch ein Weilchen weiter seine Skulpturen für sich sprechen lassen, als sich bei der Arbeit mit der Säge in Helm und Schutzanzug in der Zeitung zu sehen.

Ob es Gelegenheit gibt, ihn abzulichten, wenn die Baumstümpfe mit der neuangelegten Urnenwiese auf dem Friedhof bald eingeweiht werden? Man wird sehen. Einige kennen Liebrich ja bereits: beispielsweise als Mitglied des Schwimm-Organisationsteams beim Triathlon-Festival und als Aktiven des Geschichtsvereins Heimatbund.

Zurück zu den Baumresten in einer Reihe mit Japanischen Zierkirschen: Schon länger bewundern Friedhofsbesucher die schier umwerfende Ausdruckskraft der herausgesägten Skulptur namens „Trauer“. Ein weiteres Objekt – „Schmerz“, der Baumstamm mit dem roten Sandstein – entstand in Zusammenarbeit mit städtischen Bauhofhandwerkern. Auf Anregung von Rathausmitarbeiterin Nicole Ernst-Karch, die den Kontakt zum Künstler beim „MM“ erfragt und mit dessen Zustimmung erhalten hatte, legte Liebrich dem Gemeinderat zunächst ein künstlerisches Gestaltungskonzept vor. Dieser stimmte zu, da das Totholz nur noch wenig bis gar nicht mehr ausschlug, sodass mit einer erneuten natürlichen Begrünung nicht gerechnet wird.

Die Objekte drücken neben Schmerz und Trauer auch Trost aus. Sie sollen zum Verweilen, Staunen und Überlegen anregen sowie Trauernde auf andere Gedanken bringen.Auf Nachfrage erklärte Liebrich auch sein jüngstes Objekt: Es heißt „Erinnerung“ und verändert sich noch im Lauf der Zeit: „Da der Stumpf eine solch beeindruckend dicke Rinde hat, werde ich die Erinnerungsstücke erst reinschnitzen, wenn er die Borke abgeworfen hat.“ Bis dahin sollen die Betrachter gerne mit den Bleistiften im Stamm Erinnerungen auf die Zettel schreiben. Liebrich: „Vielleicht tauchen diese ja dann später auf.“ pj