Ladenburg

Rock at Church Veranstaltung trotz großer Konkurrenz in Mannheim erfolgreich / Ausgewählte Akteure zeigen sich begeistert

„Die Toten Hosen haben einen Fehler gemacht“

Archivartikel

Das Benefizfestival „Rock at Church“ (RaC) war wieder eine runde Sache: An zwei Tagen traten im evangelischen Kirchengarten zwölf Bands auf. Unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt und für gute Zwecke: Der Erlös kommt der eigenen Jugendarbeit, der UNO-Flüchtlingshilfe im Jemen und einer Schule in Peru zugute. Wir sprachen mit verschiedenen Akteuren.

Für Pfarrer David Reichert war es das erste Mal – und er zeigte sich begeistert von dem mitunter lautstarken Geschehen. „Mehrere Tage lang habe ich zig junge Leute auf unglaubliche Weise selbstständig beim Aufbauen, Organisieren, Regeln und Machen beobachtet und gesehen, mit welcher Begeisterung sie sich einbringen, um dieses Festival aus dem Boden zu stampfen“, sagt Reichert, der seit Ende 2017 in der Römerstadt wirkt und mit Frau und Kindern im Pfarrhaus an der Bühne wohnt. Man habe ihn und seine Familie im Vorfeld vor der lauten Musik gewarnt, „aber wir freuen uns mit und fühlen uns wohl“. Allein aus Rücksicht auf die Nachtruhe der schulpflichtigen Kinder sei man am Sonntagabend in ein ruhigeres Quartier ausgewichen.

Erlös für Hilfsprojekte

„Der Pfarrer ist mit Feuer und Flamme dabei“, sagt Jan Gerstenberger im Namen des RaC-Teams. Die beiden Hauptgruppen Dawedda und Dirty Deeds hätten diesmal ein besonders rockiges Grundgerüst gebildet. Auch mit örtlichen Bands wie Lenner und Papperlapapp sei man „extrem gut aufgestellt“ gewesen. So habe man den Hof oft füllen können. Der Erlös komme gesamtumfänglich Hilfsprojekten zugute.

„Dabei mussten wir starker Konkurrenz trotzen“, spielt Gerstenberger auf ein Konzert in der Mannheimer SAP-Arena an, das erst nach den RaC-Planungen bekanntgeworden war. „Ich denke, die Toten Hosen haben da einen Fehler gemacht“, scherzt Gerstenberger selbstbewusst.

„Sehr cool“ fand – hier stellvertretend für alle Musiker – die Indie-Rockband Arcadien aus der Eifel, die bald im Kölner „Blue Shell“ aufspielt, ihren ersten Auftritt bei RaC. Man habe Spaß am Auftreten mit eigenem Material, bewerbe das neue Album „Storm Off Stage“ und freue sich über den Benefizcharakter dieses Festivals. Außerdem seien Bühne und Sound super, wirkten die Techniker entspannt.

„Mit eigenen Stücken entfalten wir unsere Kreativität, und es ist etwas anderes, wenn das Publikum auf eigene Songs reagiert und nicht auf Covers“, sagt Frontmann Andre auch im Namen seiner Kollegen Konstantin, Jan und Johann.

„Die Atmosphäre ist ganz toll: Super, wie mehrere Generation zusammenwirken und Bands ohne Gage auftreten, um zu helfen“, sagt Margit Walz de Crisanto aus Heidelberg und findet es „irre, das die Gemeinde das stemmt und so viele Jugendliche aktiv sind.“ Sie engagiert sich mit ihrem Mann, der aus Peru stammt, für eine Schule im peruanischen Olmos, der ein Teil des Erlöses zukommt. Pfarrer Reichert kenne das Hilfsprojekt bereits aus seiner früheren Gemeinde.

Die 35-jährige Besucherin Indra ist schon lange RaC-Fan: „Ich habe in meiner Konfirmationszeit hier gearbeitet und kenne deshalb die frühen Jahre: Es ist seitdem gewachsen, und es ist super“, findet die Ladenburgerin, die beruflich im Controlling-Bereich tätig ist. „Bands bekommen eine Chance, sich zu präsentieren und genauso zu wachsen wie Rock at Church“, erklärt sie beim umjubelten Auftritt der Lokalmatadoren von Papperlapapp. „Ich kenne die Band gut, und solche großartigen Eigengewächse muss man fördern.“