Ladenburg

Ladenburg Günter Bläß ist seit Juli Erster Bürgermeister-Stellvertreter und Fraktionssprecher / Gespräch über Straßenverkehr, Mehrgenerationenhäuser und Neubaugebiete

Ein Parkhaus für die Altstadt

Archivartikel

Die Fenster stehen offen, um etwas frische Luft ins Bürgermeisterbüro zu lassen. Seit gut zwei Wochen tut Günter Bläß hier Dienst, sichtet die Post, macht Termine mit Amtsleitern und besucht Einwohner, die runde Geburtstage feiern oder Paare, die ihre Goldene Hochzeit begehen.

„Es macht Spaß“, kommentiert der CDU-Fraktionssprecher das Amt des stellvertretenden Rathauschefs, will das aber nicht allzu laut sagen und grinst: „Nicht, dass der Bürgermeister künftig länger in Urlaub geht.“ In der konstituierenden Sitzung wurde er zum ersten Stellvertreter gewählt; von 2009 bis 2014 war er bereits zweiter Stellvertreter. Die Tätigkeit bringt ihn wieder zurück ins Berufsleben, dem der Ingenieur vor fünf Jahren den Rücken kehrte.

Zuletzt hat er sich mit den Graffiti-Schmierereien entlang des Neckars befasst, und das führt ihn im „MM“-Gespräch auch gleich zum ersten Thema, das die CDU-Fraktion in der Zeit nach der Sommerpause beschäftigt: Grillen auf der Neckarwiese. Aktuell ist es auf gewisse Bereiche beschränkt, die Union will nun sehen, ob sich das bewährt hat und dann entscheiden, ob die Regelung aufrecht erhalten werden soll.

Ein stark verändertes Gremium

Für einen Erfolg hält er schon jetzt die Einbeziehung des Jugendgemeinderats, der nach herumliegendem Müll sieht. „Das ist besser geworden“, weiß er. Und in der letzten Zeit seien auch keine Beschwerden an ihn herangetragen worden. Davon abgesehen tritt im September ein stark veränderter Gemeinderat zusammen. „Ich habe so etwas in 15 Jahren noch nicht erlebt“, sagt Bläß und meint, dass knapp die Hälfte des Gremiums aus Neulingen besteht.

Acht sind dazu gekommen, dafür hat die CDU-Fraktion, wie er ausdrücklich nicht im Doppelsinn formuliert, „zwei politische Schwergewichte“ eingebüßt. Carola Schuhmann und Karl-Martin Hoffmann verloren nach der Kommunalwahl ihre Mandate; nun müsse man die Aufgaben neu verteilen, sagt er. Christian Vögele ist sein Stellvertreter im Technischen Ausschuss, Neuling Sophian Habel ist zuständig für alle Fragen rund um das Internet und die Jugend.

Überhaupt der Nachwuchs: Bläß ist begeistert von dessen Engagement. „Ich bin zuversichtlich“, erklärt er, „dass von den jungen Gemeinderäten was kommt.“

Finanziell stehe die Stadt gut da, fährt er fort: „Jetzt haben wir die Möglichkeit, den Hallen-Neubau zu realisieren.“ Und auch die Sanierung von Altstadt-Straßen vorzunehmen. Hier stelle sich das Parkplatz-Problem, doch will seine Fraktion einen Vorschlag aus früheren Jahren aus der Schublade holen: „Warum denken wir nicht an eine Tiefgarage?“ Parkplätze in der Innenstadt sollten nicht wegfallen: „Denn wir wollen ja, dass die Leute zu uns kommen.“

Ladenburg müsse den Spagat zwischen den Bedürfnissen der Touristen einerseits und denen der Einwohner andererseits schaffen: „Mit einer klugen Verkehrsführung kriegt man das in den Griff.“ Soweit es Straßenführungen und Tempolimits in den neuen Wohngebieten angeht, will er auch mit dem Kreis als Eigentümer enger zusammenarbeiten.

Was ihn auch umtreibt, ist die Förderung des Ehrenamts: „Die Macher unterstützen“, lautet eine Formel, die ihm zu den vielen Helfern einfällt, mit denen die Vereine Jugendarbeit und anderes stemmen. Hallen und Stadien zur Verfügung stellen, das sei ebenfalls eine Seite der Vereinsförderung.

Daneben ist er der Ansicht, dass das Ensemble von Freibad und Römerstadion gepflegt und erhalten werden müsse, vor Vandalismus geschützt durch den Platzwart, der noch Unterstützung brauche: „Denn er ist ja auch nicht immer vor Ort.“

Nur begrenzt Erbbau-Plätze

In anderen Fraktionen werden immer wieder die hohen Preise beklagt, die für Wohnungen und Häuser in den Neubaugebieten verlangt werden. Als Anwohner und Eigentümer will sich Bläß aus dieser Diskussion heraushalten, betont aber, dass seine Fraktion sich für ein Erbbaurecht aussprach: „Das geht aber nur, soweit Bauplätze vorhanden sind.“

Intern wird dieser Tage noch beraten, ob es Fördermöglichkeiten für Mehrgenerationen-Projekte in der Römerstadt geben soll: „Auch ich kenne das, bei uns daheim haben drei Generationen zusammen gelebt.“ Mehr will Bläß dazu vorerst aber nicht sagen – in dieser Sache soll es ab September weiter gehen.

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