Ladenburg

Ladenburg Elisabeth Herrmann fesselt bei der 12. Kriminacht ihre 120 Zuhörer durch perfektes Handwerk / Entspannte Atmosphäre

Eine Spur in die eigene Vergangenheit

Ingrid Noll, Bernhard Aichner oder Ursula Poznanski - sie alle waren schon zu Gast bei der Ladenburger Kriminacht im Obsthof Schuhmann. Die fand jetzt bereits zum 12. Mal statt, in diesem Jahr konnte mit Elisabeth Herrmann eine der derzeit erfolgreichsten Krimiautorinnen Deutschlands verpflichtet werden. Seit ein paar Jahren schon stand sie auf der Wunschliste der Veranstalter, endlich hat es geklappt.

In Ladenburg stellte Herrmann mit „Die Stimme der Toten“ ihr zweites Buch um die Tatortreinigerin Judith Kepler vor. Sie wird gerufen, um die Spuren eines Bankers zu beseitigen, der aus großer Höhe in die Tiefe gestürzt ist. Doch hinter dem vermuteten Selbstmord scheint mehr zu stecken, Judith Kepler muss sich der Frage stellen, wie die Ereignisse mit ihrer eigenen Vergangenheit in Zusammenhang stehen.

Kluge Dialoge, durchdachte, gut recherchierte Geschichten, viel Spannung und exakt gezeichnete Protagonisten – Elisabeth Herrmann fesselt ihre Leser durch perfektes Handwerk. Die ehemalige Hörfunk- und Fernsehjournalistin schreibt neben Thrillern historische Romane, Jugendbücher sowie Hör- und Drehbücher – vor allem für die prominent besetzten Verfilmungen ihrer eigenen Bücher: Der erste Band um Judith Kepler wurde nicht nur mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, sondern auch mit Anna Loos verfilmt.

Für die Joachim Vernau-Reihe steht Jan Joseph Liefers aktuell wieder vor der Kamera, in „Schattengrund“, einem Thriller für Jugendliche, spielt Josefine Preuss die Hauptrolle.

Doch die Bücher stehen für Herrmann im Vordergrund, sie liebt es, für ihre Geschichten zu reisen und zu recherchieren. Auch davon erzählte sie in Ladenburg. So ließ sie sich ihre eigene Akte bei der Gauck-Behörde zeigen, denn auch Judith Kepler wird immer wieder mit der Vergangenheit ihrer Familie in der ehemaligen DDR konfrontiert. Herrmann besuchte außerdem die DSEI in London, eine internationale Fachmesse für Verteidigung und Sicherheit, erlebte dort Warlords in Fantasieuniformen, erfuhr das Neueste über Pupillenscans und fand so den perfekten Ort, um „böse Menschen aufeinandertreffen zu lassen.“ Derzeit arbeitet Herrmann am dritten und letzten Band um die engagierte Tatortreinigerin. „Sie ist neben Vernau meine Lieblingsfigur.“

Trotz Nervenkitzel und prominentem Besuch herrscht auf dem Obsthof in der Kriminacht immer eine heitere, entspannte Atmosphäre, es gibt Gelegenheit, mit den Autoren und anderen Krimifreunden ins Gespräch zu kommen. Veranstaltet wird das Event von Anfang an vom Obsthof Schuhmann, der Buchhandlung Seitenweise Bücher am Markt und der Stadtbibliothek Ladenburg – ein bewährtes Team.

Das Konzept geht auf, auch in der 12. Ausgabe war die Lesung mit 120 Besuchern restlos ausverkauft. Bereits in wenigen Monaten beginnt für Antje Kietzmann, Sigrid Platsch und Christine Schuhmann wieder die Suche nach Autoren . Einen weiteren Wunschkandidaten gäbe es da noch. „Frank Schätzing wäre toll“, so Kietzmann. „Wir schauen mal, was machbar ist.“