Ladenburg

Ladenburg „Markt der Völker“ gastiert erstmals im Gutshof / Veranstalter, Aussteller und Besucher zeigen sich begeistert vom neuen Standort

Eine-Welt-Basar unter Säulengewölbe

Archivartikel

Als „Brücke zwischen Kontinenten und Kulturen“ sieht Carlos Sanchez den „Markt der Völker“ an. Dieser bunte „Weltbasar“ mit Kunsthandwerk, exotischem Essen, Workshops, orientalischem Tanz und Live-Musik aus Afrika fand an drei Tagen erstmals im Gutshof im Ladenburger Stadtteil Rosenhof statt. Der ursprünglich aus Peru stammende Sanchez zählt zu den 25 Ausstellern im Säulengewölbe des historischen Landguts. Kaum zu glauben, dass sich hier einst Stallungen befanden. Für Sanchez ist es heute ein idealer Platz.

„Das ist eine schöne Veranstaltung in attraktiven Räumlichkeiten und mit einem guten Publikum“, sagt der Mann, der wie kein Zweiter für das Verständnis des Begriffs „Eine Welt“ steht: Mit 18 erlangt der Peruaner ein Studienstipendium in Moskau. Der Liebe wegen zieht er fünf Jahre später in die damalige DDR um. „Das war ein halbes Jahr vor dem Mauerfall und deshalb nicht so schlimm“, sagt er schmunzelnd. Heute befindet sich sein Import-Export-Geschäft „Arte Indio“ im thüringischen Meiningen.

Doch ist Sanchez als Lieferant von Eine Welt-Läden häufig in Lateinamerika unterwegs. „Ich liebe es, zwischen den Kulturen zu pendeln“, sagt er. Den Produzenten von Kaffee, Alpaca-Wolle und allerlei Holzgegenständen wie Mini-Panflöten fühle er sich aufgrund seiner Herkunft nahe.

„Wir verhandeln auf Augenhöhe, und meine Firma hat ein Siegel für kontrolliert fairen Handel, das bescheinigt, dass bei der Herstellung der Produkte keiner ausgebeutet wird“, erklärt Sanchez.

Dieser Punkt ist Erika Berg ebenso wichtig. Die Importeurin von handgewebten Tüchern aus dem südostasiatischen Laos gehört dem „Fairband“ als Bundesverband für fairen Handel an. „Das Land ist wunderschön, aber es gibt große Armut“, weiß die Frau aus Königsbach-Stein. Ihr Mann arbeitet im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Asien. Berg kann selbst spinnen und weben. So unterstützt sie mit spürbarer Begeisterung das traditionelle Verfahren des Seidenwebens der Frauen in den Dörfern von Laos. Seit sieben Jahren verschafft sie Frauenkooperativen regelmäßig sichere Einkommen, denn sie zahlt jeweils hälftig bei Bestellung und nach Lieferung. „Pro Stück und fair“, sagt Berg, die ihren Weberinnen ebenso in der Not beisteht, wenn zum Beispiel eine Überschwemmung Existenzen bedroht. Auch Textilschmuck führt sie ein.

„Es ist mein Design, nach dem die Frauen produzieren, weil ich am besten weiß, was meine Kunden wollen“, erklärt Berg. Das laotische Handwerk sei wie ein „Bote aus einer vorindustriellen Zeit“ und der „Markt der Völker“ von Anfang an ihr Forum. „Das ist ein tolles Konzept, das ein hochwertiges und kulturell offenes Publikum anzieht“, freut sich Berg und fügt hinzu: „Ich bin sehr glücklich mit der neuen Location.“

Fantastisches Ambiente

Vor 21 Jahren vom Vater des Veranstalters Jens Ochmann in Stuttgart gegründet, gab es das international bestückte Programm ab 2016 auch zweimal in Heidelberg, wo der Diplomkaufmann wohnt. Nach einer „kreativen Pause“ war er auf der Suche nach einem neuen Zuhause für den „Markt der Völker“ in Ladenburg fündig geworden. „Das ist ein sehr schöner Auftakt: Das fantastische Ambiente im Gutshof wird von Tausenden von Besuchern sehr gut angenommen“, sagt Ochmann. Nur am Freitag sei es ruhig gewesen.

„Es ist total schön hier, auch weil es ein Kulturprogramm und exotisches Essen aus Ghana und Mexiko gibt“, schwärmt eine Besucherin von der Bergstraße, die zuvor zweimal in Heidelberg den Markt der Völker besucht habe. Im „Café El Oriente“ werden Getränke serviert. „Wir finden es ganz toll, weil wir gerne weit weg reisen, und fühlen uns hier sehr wohl“, sagt Lena Müller nach ihrem Rundgang mit Verena Hofmann.

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