Ladenburg

Ladenburg Mitglieder der BUND-Ortsgruppe sammeln an zwei Sonntagen große Mengen an Müll ein / Zehn 120-Liter-Säcke mit Unrat gefüllt

Einsätze mit Greifzangen lohnen sich

Archivartikel

„Die Stadt braucht mehr Papierkörbe.“ Zu dieser Auffassung ist Karin Luthringhausen von der Ladenburger Ortsgruppe des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) gekommen – bei einer Müllsammelaktion an den vergangenen beiden Sonntagen. Viele Spaziergänger lobten die zwölf Aktiven mit ihren Signalwesten, Greifzangen und großen „Mach mit“-Abfalltüten der Stadt. Jeweils alleine oder in Zweiergruppen aus einem Haushalt, also Corona-regelkonform, durchkämmten die Landschaftsschützer als „neuralgisch“ geltende Grünflächen im Zentrum und drumherum.

„Wir wollen mit einer guten Sache die BUND-Ortsgruppe wiederbeleben und unseren rund 150 Mitgliedern signalisieren, dass es uns noch gibt“, erklärt Luthringhausen ein weiteres Ziel der Aktion. „Die tollen Rückmeldungen waren ermutigend, und viele haben sich ebenso wie wir verwundert gezeigt, dass es so wenig Papierkörbe gibt“, sieht sie sich bestärkt. Sorge doch die Corona-Pandemie auch bei niedrigeren Temperaturen für eine erhöhte Anzahl von Menschen im Freien – und damit auch für mehr Müll in Stadt und Flur. Das bestätigt Luthringhausens Partner Hans-Hermann Wahl: „Unsere sechs Kleinstgruppen haben insgesamt zehn bis zwölf große 120-Liter-Säcke gefüllt“, berichtet er.

Vor allem in den Bereichen An der Bleiche, Jahnhalle und Hexenturm sowie rund um das Einkaufszentrum Wallstadter Straße fielen medizinische Mund-Nasenmasken und gefüllte Hundekotbeutel in großer Zahl an, aber auch auf „nicht unbeträchtliche Mengen“ an leeren Schnaps- und Weinflaschen sowie gebrauchten Kondome sei man gestoßen. „Da scheinen sich viele ganz unbeobachtet zu fühlen“, schüttelt Karin Luthringhausen den Kopf. Doch es gab auch Ausnahmen: „Die Strecke entlang des Neckars ist nicht so sehr zugemüllt wie andere Bereiche“, sagt BUND-Vorstandsmitglied Peter Petersen. Dagegen sei am Bahndamm „extrem viel“ an Unrat aufgelesen worden. Warum tut man sich das an? „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass jeder über seinen eigenen Tellerrand hinausschaut und etwas für die Gemeinschaft macht“, findet Petersen. Jeder könne sich mal bücken und etwas aufheben. „Da möchte ich für meine Kinder und Enkelkinder Vorbild sein“, sagt er. Obendrein gehe es darum, den städtischen Bauhof zu entlasten. Auch deshalb werde diese Aktion „sicher das eine oder andere Mal fortgesetzt“. Die örtlichen Landwirte habe man dafür sensibilisiert, Bescheid zu geben, wenn irgendwo Müll in der Landschaft gelandet sei. „Wir arbeiten mit den Bauern zusammen“, betont Petersen.

Kooperation mit Landwirten

Als jüngstes Beispiel dafür gilt ihm ein Einsatz mit den Landwirten Wolf und Betz nahe der „Biberwiese“ an der Heidelberger Straße. Zwischen Bachstation und Neubotzheim habe man eine verwilderte Streuobstwiese auf Vordermann gebracht. Dort entstehe nun, nach der Ablagerung von Ästen, eine nach ihrem „Erfinder“ benannte Benjeshecke durch Samenflug und wild aufgehende Pflanzen. Darüber freut sich Hans-Hermann Wahl als tatendurstiger Aktiver: „Wir haben einen grandiosen Bestand an 150 Mitgliedern: Das verlangt nach mehr Aktivitäten.“

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