Ladenburg

Ladenburg Bei der 13. Kriminacht auf dem Obsthof zeigt sich Max Annas aus Berlin begeistert vom Lesungsort

Eis erfrischt nach Polit-Grusel

Zwar stand da „Gift“ auf einem undurchsichtigen Gefäß zu lesen. Und am Fuß des Tisches steckten Messer und Hackbeil in einem Holzstück. Doch trotz des Gruselzubehörs kann man den Verkaufsraum auf dem Obsthof Schuhmann mitten im Grünen getrost als lauschigen Leseplatz bezeichnen. Dort gab es bei der 13. Kriminacht sogar einen kleinen Vorgeschmack auf die Ladenburger Literaturtage am ersten Juliwochenende. Nahezu alle rund 100 Stühle waren besetzt, die Zuhörer warteten gespannt auf einen preisgekrönten Autor.

Mit Max Annas aus Berlin hatten die Macherinnen der beliebten Kriminachtreihe einen „Meister des politischen Kriminalromans“ eingeladen. „Ich bin zum ersten Mal in Ladenburg und beeindruckt“, sagte Annas. Mit das Schönste an seinem Beruf seien Lesereisen, bei denen man Orte kennenlerne, die man sonst wahrscheinlich nicht sehen würde.

Langjähriger Lokaljournalist

„Jetzt sitze ich mitten in wunderschöner Landschaft vor so vielen Leuten, die Spaß dran haben, dass gleich eine Lesung stattfindet“, erklärte der langjährige Lokaljournalist auch des Kölner „Stadtrevue“-Magazins im Gespräch mit dem „MM“-Reporter. Zwischenzeitlich arbeitete Annas in Südafrika an einem Forschungsprojekt der Universität von Fort Hare über den dortigen Jazz mit. Keine Atmosphäre zum Wohlfühlen herrscht in „Finsterwalde“. So lauten Titel und Schauplatz seiner in der Zukunft spielenden Erzählung, in der Rechte an der Regierung sind und es die Europäische Union (EU) nicht mehr gibt. „Ich bin überzeugt, ohne diese Union würde es Krieg geben“, merkte Annas in einem Kommentar zu seiner beklemmenden Zukunftsvision an.

„Hervorragend“ klappte seine Anreise mit dem Zug. Sigrid Platsch, Inhaberin von „Seitenweise Bücher am Markt“, holte den Deutschen Krimipreisträger vom Bahnhof ab. Es folgte eine Tour durch Ladenburg und ein Rundgang über den Obsthof. Annas fand es „großartig“: Im Juli, wenn bereits sein neues Buch „Morduntersuchungskommission“ erscheint, soll es hier erste Aprikosen und Pfirsiche geben, wie Tina und Hans-Peter Schuhmann als Gastgeber bestätigten. Sie zeigten sich ebenso hochzufrieden mit dem Abend wie Annette Weber-Wermke von der Stadtbibliothek als Mitorganisatorin neben Buchhändlerin Platsch. Ihr diesmaliger Gast las routiniert mehr als eine Stunde lang aus dem 2018 erschienen Roman „Finsterwalde“. Nachdem sich in der Pause viele mit einem Trinkeis aus reinem Apfelsaft erfrischt hatten, sattelte Annas noch drei Kapitel aus „Morduntersuchungskommission“ darauf: Es sei „der erste große Kriminalroman, der in der früheren DDR spielt“.