Ladenburg

Ladenburg Freitags ist sie nie da – Fanta Vier-Kartengewinnerin macht Hitze zu schaffen

Enkel denkt bei „Die da“ an Oma Ingrid

„Es war ein super Konzert!“ Rachid Wagner aus Ladenburg ist mit seinen 21 Jahren freilich kein ausgesprochener Fan der „Fantastischen Vier“. Doch die dynamische und mitreißende Show der um die 50-jährigen Deutschrapper am Freitagabend auf der Festwiese am Wasserturm der Römerstadt hat auch den jungen Mann schwer beeindruckt: „Am besten gefiel mir das Stück ’Es Könnte So Einfach Sein’.“ Das ging anderen ebenso: Den zweiten Teil des Refrains, nämlich „Isses aber nich’“, sangen zum ersten Höhepunkt des Auftritts gefühlt alle Besucher aus voller Brust mit.

Dass Rachid mit seiner Freundin Helena und Kumpel Leon auch dabei war, hat er seiner Oma zu verdanken. Ingrid Wagner gewann die Freikarten beim „Mannheimer Morgen“ als Medienpartner der Konzertagentur DeMi-Promotion (wir berichteten). „Meine Oma gewinnt öfter und deshalb wars eigentlich keine Überraschung, aber voll cool ist es trotzdem, Fanta Vier kostenlos vor der Haustür zu erleben“, freute sich Rachid kurz vor Beginn, während „DJ Thomilla“ die Menge aufwärmte. Rachid ist zwar Hiphop-Fan, hört aber lieber die Musik jüngerer Vertreter der Szene wie den US-Rapper „XXXTentacion“ (20). Von den mehr als doppelt so alten Vorreitern aus Stuttgart kannte er vor dem Auftritt nur ein Lied, nämlich deren Hit „Die da?!“, wusste aber: „Fanta Vier haben HipHop in Deutschland groß gemacht.“ Zurzeit leistet Rachid noch drei Monate lang ein Freiwilliges Soziales Jahr ab und möchte danach Soziale Arbeit studieren.

Leidenschaftliche Opernhörerin

Dass seine Oma im letzten Moment doch nicht das Konzertgelände betrat, konnte Rachid verstehen. „Ich hatte solche Beklemmungen von der Masse der Menschen am Eingang und hätte nicht gedacht, dass man so lange in der Hitze stehen muss, bis man überhaupt erst reinkommt“, berichtet Rachids Großmutter tags darauf. Als leidenschaftliche Opernhörerin habe sie vermutlich nichts versäumt und zuhause durch das geöffnete Fenster immer wieder genug von der lauten Musik gehört. Und sie wusste ja als pensionierte Lehrerin und vierfache Oma: „Den jungen Leuten macht das Spaß.“ Damit lag sie goldrichtig: „Es war sehr gut“, fand nämlich auch Rachids gleichaltrige Freundin Helena aus Heidelberg: „Für mich als Portugiesin ist es sehr schön, mit dieser berühmten Gruppe einen Teil der deutschen Popmusikgeschichte live zu erleben“, sagt die angehende Krankenschwester. Sie mag Oldschool-Rap, aber auch neuere Sachen und elektronische Musik.

Deshalb weiß Helena bereits das Vorprogramm mit „DJ Thomilla“, dem Produzent des jüngsten „Fanta Vier“-Albums, zu schätzen. Und erst der Auftritt der „Fanta Vier“ selbst: „Dass hier auch so viele Eltern mit Kindern feiern, ist toll“, sagt Helena. „Ihr geht so ab Leute, großartig“, jubelte auch „Fanta-Vier“-Rapper Thomas D. angesichts Tausender Tanzender und Mitsingender fest: „Die Kids, die Hot Ladies, die Homeboys - sie sind nach fast 30 Jahren alle noch da, hier ist es schön“. So schön wie ein „Tag am Meer“. Der stimmungsvolle 1993er-Titel brachte bei Sonnenuntergang die ganze Festwiese zum Schwelgen. Das war perfekt, doch nur die Ruhe vor der zweiten Halbzeit mit allen Hits der Bandgeschichte. Bei der Zugabe konnte auch Rachid die ihm bislang einzig bekannte „Fanta“-Nummer mitsingen – und dachte vielleicht an seine Oma zuhause, als es hieß: „Ist es die da? Nein, freitags ist sie nie da.“ pj