Ladenburg

Ladenburg Trotz Regens Rundgang auf den Spuren jüdischen Lebens zu Stolpersteinen in der Stadt

„Erinnerungskultur weiter hochhalten“

Sogar der Himmel schien beim verregneten Rundgang zu den Stolpersteinen in Ladenburg zu weinen. Es ist traurig und erschreckend, was die in Gehwegen eingelassenen Erinnerungstafeln aus Messing ausdrücken. Insgesamt 37 solcher Miniaturdenkmäler hat der Kölner Künstler Gunter Demnig bisher allein für Ladenburg angefertigt. Sie erinnern an frühere Mitbürger, die wegen ihres jüdischen Glaubens ausgegrenzt, bedroht und schließlich in Todeslager verschleppt wurden.

„Das fällt auf, die Leute gucken sich das an: Die Idee der Stolpersteine finde ich toll“, sagte Margit Neureuther aus Seckenheim als Teilnehmerin. Um die Pflege der kleinen Tafeln kümmern sich inzwischen Heike Pfisterer, Julia Bouwhuis und Linda Selig regelmäßig, nachdem es Sunhild Buchinger vier Jahre lang gemacht hatte. „Vergessen ist nur der, dessen Name vergessen ist.“ Dies sei das Motto jenes Berliner Künstlers, erklärte Ingrid Wagner vom Arbeitskreis Jüdische Ladenburger. Kenntnisreich verdeutlichte sie anhand von Biographien, die hinter den Stolpersteinen stehen, wie unfassbar das Geschehene bis heute ist. Nichts war dem Wüten heilig: In der Nacht auf den 10. November 1938 wurde sogar die ehemalige Synagoge in der Hauptstraße 46 zerstört.

„Wir leben in einer Zeit, in der man provoziert wird, an die Geschichte zu erinnern“, betonte Bürgermeister Stefan Schmutz vor dem Hintergrund um sich greifender Judenfeindlichkeit und fügte hinzu: „Wir haben in Ladenburg eine Erinnerungskultur, die wir auch in Zukunft hochhalten wollen.“ Nur wenige andere Städte hätten ihre Geschichte jüdischer Mitbürger schon so lange aufbereitet. Er könne die Lektüre der Broschüre „Spuren jüdischen Lebens“ nur empfehlen. Da die Erstauflage nahezu vergriffen sei, werde sie die Stadt zusammen mit dem Autor Jürgen Zieher neuauflegen und zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am Montag, 27. Januar 2020, präsentieren.

Was nicht nur vielen Ladenburger Familien zur Zeit der Naziherrschaft widerfahren ist, hat die 59-jährige Seckenheimerin Margit Neureuther als Kind eindrücklich erfahren. Ihre Großtante war nämlich einst bei einer jüdischen Familie in Mannheim angestellt. „Was sie erzählte, fand ich schlimm und bewegte mich so, dass ich nach Israel auswandern wollte“, berichtet die Historikerin, die dann als junge Frau in einem Kibbuz (israelische Kollektivsiedlung) mitarbeitete.

Aus Israel, dem einzigen Staat der Welt mit mehrheitlich jüdischer Bevölkerung, stammte der Vater von Tamara Fischer. „Deshalb ist mir das Thema dieses Rundgangs sehr nahe“, sagte die junge Ladenburgerin. Sie fand es „auf jeden Fall wichtig, dass das Bewusstsein für Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufrechterhalten wird“. Genau aus diesem Grund hatte Wiebke Hünermann-Neuert von „Wir gegen rechts“ zum diesjährigen Gedenken der Opfer des Novemberpogroms von 1938 eingeladen. Das überparteiliche Bündnis hatte sich 2006 nach einem Aufmarsch von Neonazis in Ladenburg gebildet.

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