Ladenburg

Ladenburg „Marktschwärmer“-Station eröffnet am 13. Dezember im Stadtteil Neuzeilsheim / Bestellungen ab sofort im Internet möglich

Eva Büttner setzt ganz auf Produkte aus der Region

Eva Büttner liebt Märkte. Die Qualität frischer Produkte aus der Umgebung und der persönliche Kontakt zu deren Erzeugern: Diese Atmosphäre schätzt die junge Gartenbauwissenschaftlerin aus Ladenburg sehr. Doch oft stellt sie fest, dass etliche Berufstätige wegen ihrer Arbeitszeiten solche Angebote kaum nutzen können. Noch etwas fällt der 25-Jährigen immer wieder auf: „Ich finde es schlimm, dass viele nicht wissen, was bei uns in der Region wächst.“ Jetzt ist sie eine „Schwärmerin“ geworden, um beiden Mängeln abzuhelfen.

Dahinter steckt eine Idee aus Frankreich: Kunden bestellen im Internet und kommen einmal wöchentlich für eineinhalb Abendstunden in der „Schwärmerei“ vor Ort zusammen, um die Bestellungen abzuholen. Unter dem Namen „La Ruche Qui Dit Oui” (Der Bienenkorb, der Ja sagt) sind im Ursprungsland seit 2011 bereits über 800 solcher „Schwärmereien“ entstanden. In Deutschland startete das moderne Erzeugernetzwerk ohne Zwischenhändler 2014 unter der Bezeichnung „Marktschwärmer“, die dem Bienenleben im Schwarm entlehnt ist. So ist Büttner die bienenfleißige erste Gastgeberin im Lesergebiet. Das verdankt sie auch Direktvermarktern aus der Umgebung und sozialen Netzwerken. Denn um eine „Schwärmerei“ mit inzwischen bereits 237 Produkten zu eröffnen, galt es nicht nur ein Wocheneinkauf-Sortiment von Brot bis Wurst zu komponieren, sondern auch genügend Startmitglieder zu werben.

„Über die Ladenburg-Gruppe wurden meine Facebook-Einträge fleißig geteilt“, erzählt Büttner, wie es ihr gelang „ruckzuck fast 100 Interessenten unverbindlich zu gewinnen“. Auch die Kürze der Zeit, in der alles gelang, hat die Marktschwärmer-Zentrale in Berlin überzeugt. Deshalb erhielt Büttner die Startgenehmigung früher als sonst üblich. „Eva hat klasse Ideen und kriegt das toll hin“, freut sich ihr Großvater Heinz Jäger, der Spross des Gründers der Traditionsbaumschule im Stadtteil Neuzeilsheim. Da Büttners Freund Steffen Walter aus einer Odenwälder Metzgermeisterfamilie stammt, war die Frage des Fleischanbieters kein Thema. „Schwieriger war es dagegen, zum Beispiel einen Bäcker zu finden, der noch selbst produziert und Kapazitäten frei hat, aber es ist gelungen“, berichtet Büttner, die nach Studienabschluss zwei Promotionsangebote bekommen hatte.

Ladenburg ein guter Standort

Während ihres Masterstudiums der Gartenbauwissenschaft an der Hochschule Geisenheim hatte sich Büttner mit neuen Formen der landwirtschaftlichen Direktvermarktung beschäftigt. Vieles davon versucht sie nach ihrem Einstieg in die Leitung des elterlichen Betriebs umzusetzen. Dort kümmert sie sich hauptsächlich um die Vermarktung und Produktion von Obstgehölzen. Erste „Schwarm“-Erfahrungen sammelte sie in der Station in Bensheim-Auerbach. Zum dortigen Sortiment steuerte „Jägers Baumschule“ Selbstproduziertes aus Ladenburg bei.

„Bald fand ich heraus, dass Ladenburg ein guter Standort sein könnte“, sagt Büttner. „Aus Liebe zu unseren Früchten und der Begeisterung für die geschmackliche Vielfalt in der Region“ will sie nun Erzeuger und Kunden in ihrer Heimatstadt zusammenbringen. Das anfangs skeptische Argument der Zentrale in Berlin, dass sich die Schwärmerei nicht im Stadtkern befinde, entkräftete sie erfolgreich: „Ich bin ja früher auch immer mit dem Fahrrad in gut fünf Minuten zur Schule ins Zentrum gefahren.“

Im „Marktschwärmer“-Mutterland Frankreich besichtigte sie eine ähnliche Station. „Dann ging alles ganz schnell“, so Büttner. Neben Brot und Biofleisch gibt es nun Pralinen, Speiseöle, Seifen, Eier, Müsli, Marmelade, Wein und ein Getränk namens „No Limo“. Büttner hat auch bei örtlichen Anbietern angefragt. Eine Käserei sucht sie noch. Doch „so mancher traut dem neuen Konzept vielleicht noch nicht.“ Zum Kennenlernen und Kosten für alle dient die Eröffnung am Donnerstag, 13. Dezember, von 18 bis 19.30 Uhr in Neuzeilsheim 7 (Zufahrt über Ladenburg-Ost und Weinheimer Straße).