Ladenburg

Ladenburg „Nachtgeflatter“ der BUND-Ortsgruppe fesselt mehr als 20 Gäste auf der Bachstation / Veranstalter erfreut über die Resonanz

Expertin Hubbuch: „Nicht alle Motten sind grau“

Archivartikel

Der „russische Bär“ ist in Ladenburg zuhause. Das ist aber kein Grund, beunruhigt zu sein. Handelt es sich dabei doch keineswegs um ein Raubtier, sondern um einen harmlosen Falter. Was es mit diesem bildschönen Bärenspinner, aber auch mit Pappel- und Weinschwärmer, Rindenspanner, Wurzelbohrer und Ockergelber Escheneule auf sich hat, das erfahren mehr als 20 Besucher von „Nachtgeflatter“. So ist der Abend beim örtlichen Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) auf der Bachstation überschrieben.

Kurz zuvor sind am nahen Stadtrand die Straßenlaternen angegangen. Grillen zirpen. Die Luft über der abkühlenden Wiese wirkt erfrischend im letzten Dämmerschein. Noch ist ein bisschen Geduld gefragt: „Sieht man schon was?“ Auf diese Frage einer Teilnehmerin antwortet die promovierte BUND-Expertin Magdalene Hubbuch scherzend: „Nur uns Nachtschwärmer.“ Im Ernst fügt sie hinzu: „Normalerweise kommen Nachtfalter erst, wenn der Horizont ganz dunkel ist.“ Die örtliche Schmetterlingsspezialistin führt zusammen mit Gisela Krewing-Rambausek aus dem Kraichgau durch den Abend.

Bevor sich an zwei aufgestellten Leuchttürmen und einer für Nachtfalter betörend nach faulenden Früchten duftenden Lockstelle etwas tut, führen die beiden gefragten Fachfrauen anhand mitgebrachter Exemplare in den Lebenszyklus vom Ei über Raupe und Puppe zum Schmetterling ein. Währenddessen fängt ihr junger Helfer Marvin mit einem Schmetterlingsnetz gekonnt „Schöne der Nacht“ ein. Jedoch nur, um sie zu bestimmen, herumzeigen und danach wieder frei zu lassen.

„Ist der süß“, ruft eine Frau aus, als sie zum wohl ersten Mal in ihrem Leben durch das Glas einer Stopfenflasche einen Kleinen Weinschwärmer sieht. Auffallend pink und olivgrün gefärbt, ist das Tierchen für Hubbuch der Beweis dafür: „Nicht alle Motten sind grau.“ Das zeigt sich auch bei der Grünen Meldeneule oder der Gelbflügelraseneule. Mit am schönsten gefärbt ist jener russische Bär, der an schwarzblauen Vorderflügeln mit hellen Streifen zu erkennen und – ganz untypisch – häufiger bei Tageslicht als an Leuchttürmen in der Nacht zu sehen ist. Insgesamt gibt es mehr als 2000 Arten von Nachtfaltern. Zu ihnen zählen 95 Prozent der heimischen Schmetterlingsarten. Sollte sich ein Falter mal ins Haus verirren, so lautet der Rat der Expertinnen: Mit Glas und Karte vorsichtig einfangen und ins Freie entlassen.

„Wir wollten mal aufzeigen, was hier an der naturnahen Bachstation so alles vorkommt“, erklärt der örtliche BUND-Chef Dieter Nährig und zeigt sich erfreut über die Resonanz der Aktion. „Leider sind generell die Zeiten vorbei, als Leuchttürme zum Beobachten schwarz von Faltern waren“, bedauert Krewing-Rambausek. Dennoch genießen Naturfreunde aus Ladenburg und Umgebung die anschauliche Biologiestunde: Die zufriedenen Reaktionen reichen von „spannend“ bis „hochinteressant“. pj

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