Ladenburg

Ladenburg Pfarrer David Reichert kümmert sich um „abgestürzten“ Greifvogel

Falke wieder in Freiheit

Auch das ist gelebte Ökumene: Ein Wanderfalkenmädchen stürzt bei einem der ersten Flugversuche vom katholischen Kirchturm ab, landet unsanft im benachbarten evangelischen Kirchengarten ab und wird dort gerettet. Seit Mittwoch ist es gesund und wieder in Freiheit. Und das kam so: „Vor wenigen Wochen hörte ich im Garten ein sonderbares Geräusch“, berichtet der evangelische Pfarrer David Reichert. In einer Ecke des angrenzenden Schuppens sah er einen Vogel, der unerwarteterweise nicht erschreckt aufflog, als sich Reichert näherte.

Art steht unter Natuschutz

Humanmediziner Michael Preusch, ein Freund Reicherts aus Heidelberg, der ehrenamtlich als Naturschutzwart tätig ist, stellte vor Ort fest, dass es sich um ein Weibchen handelt. Ihre Art stehe unter Naturschutz. Das in diesem Jahr geborene Jungtier müsse abgestürzt und hart aufgetroffen sein. Seit 2018 brüten Wanderfalken deutlich hör- und sichtbar im Nistkasten auf einem der St. Gallus-Kirchtürme. Die tiermedizinische Untersuchung ergab, dass sich der Jungvogel einen Bluterguss in einem Flügel zugezogen hatte.

Deshalb übergab Preusch den verletzten Falken der Pflegestation für Greifvögel in Bad Friedrichshall. Dort verbrachte das Jungtier die vergangenen Wochen. Am Mittwoch entließ Preusch den Greifvogel wieder in die Freiheit.

Diesen besonderen Moment erlebten Mädchen und Jungen aus dem Anne-Frank-Kindergarten mit. Ein unvergessliches Erlebnis, als das Falkenmädchen mit kräftigen Flügelschlägen davonflog und auf einem benachbarten Hausdach eine Pause einlegte.

„Die Mutter wird über die Rückkehr ihrer Tochter sicherlich glücklich sein, denn sie schrie schon seit Wochen auffallend laut“, sagte Reichert. Für ihn, die Kinder und ihre Erzieherinnen war es „ein nicht alltägliches Erlebnis“. Dem davonfliegenden Falken sandten alle ihre guten Wünsche hinterher. Preusch meinte: „Es ist wahrscheinlich, dass er wieder zu seiner Familie zurückfindet, doch könnte er durchaus auch von einer anderen adoptiert werden.“ Laut Naturschutzbund war der Wanderfalke 1971 der erste „Vogel des Jahres“. Er gilt als schnellster Vogel der Welt und erreicht im Sturzflug auf Beute oft weit mehr als 200 Stundenkilometer an Tempo. pj