Ladenburg

Ladenburg Die Fantastischen Vier und Dieter Thomas Kuhn am Freitag und Samstag zu Gast

Festwiese wird ab morgen zwei Tage zur Partymeile

Archivartikel

Viele haben sie vielleicht schon im vergangenen Juli am Weinheimer Waidsee erlebt. Aber sicher nicht alle. Und jetzt kommen „Die Fantastischen Vier“ ja auch noch mit ihrem nagelneuen und zehnten Album im Gepäck auf die Festwiese nach Ladenburg. „Captain Fantastic“ ist erst im April erschienen und hat für die erfolgsgewohnten Hiphop-Veteranen im Verein mit dem jüngeren Erfurter Rapper und Sänger Clueso als langjährigem Fanta-Schützling schon wieder einen Hit abgeworfen: „Zusammen“ ist sogar der WM-Song des Fernsehsenders ARD. Es lohnt sich also doppelt, den Text schon einmal auswendig zu lernen.

Am Neckarufer noch cooler?

„Nehmt die Flossen hoch/ Und die Tassen auch/ Wir feiern heute bis zum Morgengrauen!“ Diese Textzeile mag zur Motivation und Einstimmung genügen. Falls nicht: Etliche Erfolgstitel des 1989 aus zwei Vorläuferformationen hervorgegangenen Star-Quartetts machen Lust auf Thomas D., And.Ypsilon, Smudo, Michi Beck und ihr „Lauschgift“. Von diesem 1995er-Album stammt der Hit „Sie ist weg“. Da klangen die Deutschrapper schon nachdenklicher als zwei Jahre zuvor, als das Motto noch „Zu geil für diese Welt“ lautete. Das dazu gehörige Album „Die 4. Dimension“ klang für Hiphop-Verhältnisse relativ psychedelisch. Für einen reifen Fan ist das sogar jazzig angehauchte „Tag am Meer“ die Übernummer daraus. Und wetten, dass die bei Sonnenuntergang am Ladenburger Neckarufer noch cooler daher kommt als sonst?

Mit Coolness hat der 53-jährige Dieter Thomas Kuhn nichts am Hut, selbst wenn er ebenso ein Schwabe ist wie die ursprünglich aus Stuttgart stammenden Rapper von „Fanta Vier“. Denn er gilt ja sogar als „Papst des schlechten Geschmacks“. Das ist natürlich ungerecht: Will doch die „singende Föhnwelle“ aus Tübingen bei den Konzerten mit ihrer Band einfach nur „die nettesten und verrücktesten Menschen der Welt zusammenbringen“. Dass jedes Kuhn-Konzert Farbe in die Stadt bringt, weiß man in Ladenburg längst. Verwandelt Kuhn nach 2009, 2012 und 2015 doch schon bereits zum vierten Mal die Festwiese in ein Meer aus bunten 70er Klamotten im Stil der 70er Jahre und gelben Sonnenblumen.

Das Motto der aktuellen Tour lautet „Für immer und Dich“. Doch das ist eigentlich egal. Denn die eingeschworene Gemeinschaft der „Kuhnis“ genannten Fans feiert mit ihren Sonnenblumen, großen Brillen und Schlaghosen sowieso jedes einzelne Lied. Viele haben schon mehr als zehn Konzerte miterlebt. Vor mittlerweile über 25 Jahren starteten Kuhn und Band ihre Karriere in den populärsten Independent-Clubs Deutschlands, darunter auch die Frankfurter Batschkapp. Damit leitete Kuhn das Schlagerrevival der 90er Jahre mit ein. Sicher huldigt Kuhn in Ladenburg auch dem kürzlich verstorbenen Jürgen Marcus („Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“). Und wer noch kein „Kuhni“ ist, wird sich wundern, wie sehr ihm auch die Texte von „Es war Sommer“, „Mendocino“, „Griechischer Wein“ und „Fiesta Mexicana“ noch geläufig sind. Erschreckend oder entzückend? Das ist hier die Frage.