Ladenburg

Ladenburg Türkisch-Islamischer Kulturverein feiert Fastenbrechen mit vielen christlichen Gästen

Friedensgebet wird erarbeitet

Archivartikel

„Schön voll ist es“, stellt David Reichert fest. Der evangelische Pfarrer ist erstmals zu Gast bei einem Fastenbrechen des Türkisch-Islamischen Kulturvereins (TIKV) in Ladenburg. „Gestern war es mit 250 Teilnehmern noch voller“, entgegnet Sabit Uzun strahlend. Der TIKV-Vorsitzende freut sich, dass an diesem Freitagabend im Fastenmonat Ramadan neben Reichert und Lehrvikarin Nora Petzold auch drei Kommunalpolitiker von Grünen und Freien Wählern gekommen sind.

„Jeder ist herzlich willkommen“, betont Taner Kayaalp. Wie fast alle hier im Vereinsheim an der Hohen Straße verzichtet auch das TIKV-Vorstandsmitglied seit Anfang Mai bis zum heutigen Montagabend, wenn der Ramadan 2019 endet, tagsüber auf Essen und Trinken. Das gehört zu den Hauptpflichten, die ein Muslim als Gottesdienst durchführt. Ausgenommen sind Kranke, körperlich hart Arbeitende, Schwangere und Kinder. „Für mich war es diesmal nicht schwer zu verzichten, weil ich zum ersten Mal in meinem Leben im Ramadan Urlaub habe“, berichtet Uzun.

„Ich habe jetzt vor allem Durst“, sagt Kayaalp, kurz bevor um halb zehn Uhr die Teller gefüllt werden. Spender ermöglichen das für die Teilnehmer kostenlose Mahl. Koch Osman ist eigens aus der Türkei angereist. Er ist der Bruder von Imam Menaf Sen. Der Vorsteher und Reichert würdigen in kurzen Ansprachen diese Möglichkeit, zusammen zu feiern. „Ich erlebe diese Gemeinde als unheimlich offen und zugewandt“, sagt Reichert. Sen zeige starkes Interesse an einem gemeinsamen Friedensgebet mit der christlichen Gemeinde. Dazu gehöre, dass man sich austausche.

Von den 175 Mitgliedern kommen nach Auskunft von Uzun durchschnittlich 100 zum täglichen Fastenbrechen. „Wir brauchen dringend größere Räume“, sagt der TIKV-Chef im Gespräch nach Linsensuppe, Döner mit Reis, Salat, Nachtisch und Tee. „Es schmeckt sehr gut“, lobt Peter Oechsler die Küche.

Der Polizeirevierleiter sitzt ebenso wie die beiden Feuerwehr-Vizekommandanten Markus Wolf und Pascal Löffelhardt mit Uzun und Kayaalp an einem der vielen Tische auf dem Parkplatz. „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind“, erklärt Oechsler. „Ich bin gerne hier, um das Interkulturelle zu pflegen“, sagt Stadträtin Gudrun Ruster. „Es ist wichtig, in Kontakt zu bleiben – bei allen Diskussionspunkten, die wir haben und über die wir auch reden“, führt Stadtrat Max Keller aus. Man müsse die „kleine und die große Politik auseinander halten“. Die gerade in den Rat gewählte Jennifer Zimmermann sagt: „Ich bin extrem positiv überrascht und finde, man sollte den Kontakt aufrecht erhalten.“ pj