Ladenburg

Ladenburg Ferienspiel beim Heimatbund dreht sich um altrömische Religionsbräuche

Fruchtteller als Opfergabe für Kochschul-Geister

War es vielleicht die Hitze dieses Tages? Oder wirkten da womöglich übernatürliche Kräfte? Immerhin waren ja römische Götter- und Opferaltäre Thema beim Ferienspiel des Geschichtsvereins Heimatbund in Ladenburg. Woran es auch immer gelegen haben mag: Auf jeden Fall nahm Alexander Kühnhold als einziger teil. Der elfjährige Römerstädter verfügt jetzt über einen selbstbemalten Hausaltar, wie er ganz ähnlich auch im römischen Ladenburg vor rund 2000 Jahren gang und gäbe war.

„Es hat mir gut gefallen“, sagte der angehende Sechstklässler des Carl-Benz-Gymnasiums (CBG) und Nachwuchskicker vom örtlichen Fußball-Verein 03 am Ende der ebenso lehrreichen wie kreativen Stunde. „Das heiße Wetter macht mir weniger aus als Langeweile“, erklärte der historisch interessierte Alexander, warum er trotz der hohen Temperaturen den Weg in die Alte Kochschule gefunden hatte. Das Heimatbund-Domizil befindet sich nur einen Steinwurf vom Lobdengau-Museum entfernt. „Dort haben wir uns als erstes römische Götter- und Opferaltäre im Original angeschaut“, berichtete Alexander, der schon gespannt darauf ist, nach den Sommerferien Latein, die Sprache der alten Römer, als neues Schulfach zu bekommen.

Angeleitet von den Heimatbund-Aktiven Gudrun Nicklaus und Beate Bläß, ging es ans Bemalen eines Rohlings. Zwar kam dabei moderne Acrylfarbe zum Einsatz. „Die antiken Naturfarben kamen aber ebenso knallbunt heraus“, wusste Nicklaus. Sie und Blaeß sorgten auch für frisches Obst zur Erfrischung.

Abschluss im Eiscafé

Die Fruchtschnitze auf dem Teller sollten zugleich an essbare Opfergaben erinnern, mit denen man einst die Laren, also die Schutzgeister bestimmter Orte in der altrömischen Religion, gnädig stimmen wollte. Damit verband sich damals die uralte Vorstellung von herumgeisternden Vorfahren-Seelen.

Auch die Penaten, die Hausgötter der Vorräte der alten Römer, galt es zu besänftigen, erst recht in der Alten Kochschule. Das alles erinnerte Nicklaus durchaus an die noch im Mittelalter bestehende Ladenburger Tradition, den Heiligen Antonius als Schutzpatron der Haustiere und der Stadt zu verehren. Nach ihm ist der städtische Neujahrsempfang bis heute benannt.

Und noch in unserer Zeit bringt so mancher Autofahrer eine St. Christophorus-Plakette in seinem Fahrzeug an und beschwört damit den Schutzheiligen aller, die unterwegs sind. Alexander machte sich mit den Heimatbund-Frauen auf den Weg ins Eiscafé, während die Farbe an seinem Hausaltar trocknete. Möge ihm der Kultgegenstand beim Lateinlernen hilfreich sein. pj