Ladenburg

Ladenburg Eine Spurensuche nach dem Spirit der Großveranstaltung

Für Wettkampf 8000 Kilometer aus Shanghai angereist

Archivartikel

Man könnte schön schwimmen. Oder in Ruhe Radfahren. Oder locker laufen. Doch Triathleten müssen alle drei Disziplinen hintereinander weg absolvieren. Das fasziniert ungebrochen seit der Premiere des Ladenburger Triathlons: Zur 24. Auflage hatten sich 1650 Teilnehmer angemeldet. Über 440 Helfer stemmten das jüngste Event der Ladenburger Sport-Vereinigung. Wir spürten dem Geheimnis nach, das den spürbaren Spirit (Geist) ausmacht.

Ein Trio, das sich mit gutem Geist auskennt, ist das Staffelteam „Die (H)eiligen Drei“: Erstmals ging der evangelische Pfarrer David Reichert mit Diakon Thomas Pilz und Kirchengemeinderat Dieter Groche an den Start. Man erkannte sie an dem von Mathias Weber gestalteten Logo mit einer witzigen Karikatur der sportlichen Glaubensmänner auf dem Rücken. „Du fragst ja beim Fußball auch nicht, warum die zweite Halbzeit nicht am nächsten Tag ausgetragen wird“, wandte Radfahrer Pilz ein. Dagegen schwärmte Einzelstarter Bernhard Diemer bei seiner insgesamt 20. Teilnahme: „Wenn man auf dem Schiff steht, das einen zum Start auf dem Neckar fährt und die Zuschauer draußen stehen sieht, dann hat man das Gefühl, bei etwas Besonderem dabei zu sein.“ Ulli Kochendöfer begegnet der Triathlon-Spirit in dem „Tunnel, in den du kommst, wenn´s super läuft und du von allem abschalten kannst.“

Mit Steffen Pech schwört ein Festival-Urgestein seit 1996 beim breitensportlichen Fitnesstriathlon seit langem auf die Massage danach. Im Massagezelt ließ sich Nicola Sawinski nach ihrem ersten Start die Muskeln lockern. „Das Geheimnis ist die Kombination: Jede Disziplin einzeln kriegt ja jeder hin“, sagte die Lehramtsstudentin. „Man kriegt schöne Geheimnisse erzählt“, verriet Auszubildende Melanie Ludwig aus Gerolstein, eine der 15 Physiotherapeuten aus Praxen und Schulen. Mit dabei war auch ihr Kollege Sebastian Konold. „Man quält sich ja ganz gerne und schafft etwas, was nicht jeder schafft und man sich nicht kaufen kann“, fand der früher selbst als Triathlet aktive Bensheimer.

„Es ist auf jeden Fall die Atmosphäre, dass es supergut organisiert ist und man so viele Bekannte trifft“, erklärte die Rheinauer Triathletin Anita Weber. „Dass es stets aufs Neue gelingt, so viele Ehrenamtliche zu motivieren, in letzter Zeit vermehrt Jugendliche und Junggebliebene“, machte für LSV-Vizechef Reinhard Scholz das Geheimnis aus. „Man bekommt von den Sportlern viel Anerkennung zurück“,war für Claudia Beedgen Grund genug, seit Jahren als Helferin dabei zu sein.

„Wenn die Leute nach dem Wettkampf bei uns ankommen, sind sie froh und glücklich“, erzählte Angelika Werner bei der Finisher-Verpflegung mit Obst. „Und Kartoffeln gibt’s auch noch“, freute sich Reichert als Läufer der „(H)eiligen Drei“ am Ende über den kultigen Naturalienpreis. Wie fand er den Geist des Festivals? „Gigantisch.“ Für Günter Bläß als Hauptorganisator von Anfang an war ganz klar: „Das Geheimnis liegt in der Teamarbeit, unserem Alleinstellungsmerkmal mit Freibad, Neckar und Stadion so dicht beieinander sowie der vierten Disziplin, also der Finisher-Party mit den Grönemeyer-Musikern aus Heidelberg.“ Es sei aber auch „das tolle Mannschafterlebnis für Sportler und Fans“, wie Doris Trollmann aus Ilvesheim als Zuschauerin anmerkte.

„So schön wie heimkommen“

All das konnte der neue Rekordsieger Florian Angert (Weinheim), der Ladenburg zum vierten Mal in Folge gewann, bestätigen. Er fügte hinzu: „Für mich ist es die Strecke, die mir sehr liegt: Landschaftlich ist das sehr cool.“ Selten sei eine Radstrecke der olympischen Kurzdistanz für Autos gesperrt. Und wo werde man schon mit dem Schiff zum Start gefahren? Dafür war Stefan Bensching mit Ekaterini Alexiadou sogar 8000 Kilometer weit aus Shanghai gekommen, wo das Paar aus beruflichen Gründen lebt: „In Ladenburg habe ich 2013 meinen ersten Triathlon gemacht und es war heute so schön wie heimkommen.“ Fazit: Das Geheimnis dieses Festivals, es scheint aus purem Glück zu bestehen.