Ladenburg

Ladenburg SPD-Stadträtin Ilse Schummer verlässt verärgert die Mai-Kundgebung im Glashaus

Geteilte Reaktionen auf Rede von IG-Chef Bernd Schuhmacher

Archivartikel

Bei der Maikundgebung im Ladenburger Glashaus am Reinhold-Schulz-Waldpark sind gestern schon länger schwelende Gegensätze zwischen einzelnen örtlichen Gewerkschaftern und Sozialdemokraten offen zu Tage getreten. Bernd Schuhmacher hat als Chef der gastgebenden IGBCE-Ortsgruppe zunächst das angebliche „Weiter so“ der SPD in der Großen Koalition mehr als nur scharf kritisiert: Er sprach vor rund 100 Zuhörern von „Wortbruch“, bezeichnete SPD-Chefin Andrea Nahles als „rosarote Nebelkerzen werfende Eifel-Fee“ und ihren Stellvertreter Olaf Scholz als „schwarze Null aus Hamburg“. Von ihnen sei kein Politikwechsel im Sinne der Arbeitnehmer und Ärmeren der Gesellschaft zu erwarten.

Im Anschluss brach Bürgermeister Stefan Schmutz als SPD-Mitglied und nach eigener Aussage „Spross einer Gewerkschaftsfamilie“ eine Lanze „für sozialdemokratische Politik ohne absolute Mehrheit“. Er nannte beispielhaft den Mindestlohn der vergangenen Legislaturperiode und sah unter anderem „begrüßenswerte erste Signale für ein künftig kostenloses Angebot der Kinderbetreuung als sozialdemokratische Handschrift der aktuellen Großen Koalition“ an.

Daraufhin ging Schuhmacher erneut ans Mikrofon und nahm Stellung zu Schmutz’ These, man müsse in der Regierung sein, um Gesellschaft zu verändern. Da platzte Ilse Schummer der Kragen: Die SPD-Stadträtin äußerte sich erbost über Schuhmachers Verhalten und SPD-schmähende Reden. Sie verließ die Kundgebung vor der Hauptrede von IBCE-Gewerkschaftssekretärin Marlis Mergenthal hörbar verärgert, aber als einzige der anwesenden Ratskollegen und SPD-Mitglieder.

Hatte Schuhmacher den Bogen überspannt? Neutrale Zuhörer fanden, er habe seine Rolle als Gastgeber für eine unnötige Replik ausgenutzt. Andere meinten, er habe Recht getan: Es werde in der Politik schon genug gekuschelt. Fakt ist: Schuhmachers Reden polarisierten mit ungewöhnlicher Schärfe. Der örtliche IGBCE-Chef, der bis zur Agenda 2010 mit den Hartz-IV-Reformen unter Bundeskanzler Schröder der SPD angehörte und inzwischen bekennendes Linke-Mitglied ist, erntete mehrfach Beifall, aber auch einen Buh-Ruf. So erinnerte Schuhmacher an den diesjährigen 200. Geburtstag des umstrittenen Kommunismus-Theoretikers Karl Marx, lobte die Politik des früheren Bundeskanzlers Willi Brandt und behauptete gewagt: „Die SPD täte gut daran, sich ihrer Wurzeln zu erinnern.“

„Bezahlbarer Wohnraum für alle“

In seinem Grußwort nahm Schmutz Stellung gegen nationalistische Stimmungsmache und „bedenklich steigende Immobilienpreise“. In den Ladenburger Neubaugebieten soll „auf städtischen Flächen bezahlbarer Wohnraum für alle entstehen“. Während sich Schmutz und Schuhmacher lächelnd die Hände schüttelten, erläuterte Gewerkschaftssekretärin Mergenthal das diesjährige 1. Mai-Motto: „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“ seien Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dagegen seien Zukunftssorgen und ein Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit „Keime der gesellschaftlichen Spaltung“. Öffentliche Investitionen unter anderem im Bildungsbereich und in der Pflege sowie die Anhebung des Rentenniveaus seien rasch auf den Weg zu bringen.

Neben den Rednern trugen IGBCE-Förderverein „Solidarität“, Jugendliche vom AWO-„Haus Mirabelle“ und die Folkgruppe „Brothers & Others“ zum Maifest im Waldpark bei. Der Heidelberger Linke-Politiker Edgar Wunder (Initiative „Mehr Demokratie“) rief dazu auf, den „Volksantrags für Bürgerentscheide in Landkreisen“ zu unterschreiben.