Ladenburg

Ladenburg Jazz-Duo Armani begeistert bei Amnesty im Domhof

Glasklare Stimme und geniales Gitarrenspiel

Archivartikel

Oft sind Bravo-Rufe zu hören. Zuhörer erheben sich beim Applaudieren sogar von ihren Plätzen. Ja, das Ladenburger Jazz-Ehepaar Katrin und Marcus Armani versteht es, die Musik zusammen mit den Geschichten seines Lieblingsgenres spannend darzubieten. Damit hat das Duo zunehmend Erfolg. Noch im Herbst 2013 hatte das großartig gelungene Programm „Pannonica: Die Jazzbaroness und die Musik von Thelonious Monk“ nur rund 50 Zuhörer erfreut. Mehr als dreimal so viele zeigten sich jetzt an Ort und Stelle im diesmal jedoch voll besetzten Domhofsaal begeistert von einer ganz anderen thematischen Auswahl.

Deutlich zeigte sich da auch: Ladenburg ist stolz auf die beim städtischen Neujahrsempfang ausgezeichneten Künstler. „Refugee-Music“, also Flüchtlingsmusik, lautete der Titel dieses Konzerts, das sich der Musik sowie – freilich streiflichtartig – den Biografien von Verfolgten widmete. „Dieses Programm zeigt uns, dass auch die Freiheit der Kunst nicht selbstverständlich ist, sondern immer verteidigt werden muss“, erklärte Bärbel Luppe.

Die Sprecherin der Ladenburg-Schriesheimer Ortsgruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die Idee zu diesem Abend. Die Geschichte habe gezeigt, wie aus Nationalismus Brutalität entstehe. Gegen diesen „wieder um sich greifenden Bazillus“ gelte es Mittel zu finden. Dafür hörte Luppe beinahe ebenso viel Beifall wie die gefeierten Musiker.

„Wir wollen nicht nur verfolgte Künstler vorstellen, sondern auch auf die großartige Arbeit von Amnesty aufmerksam machen“, sagte Gitarrist Armani. „Wir sind selbst Mitglieder“, erklärte seine Frau. Abwechselnd erinnerten sie beispielsweise daran, wie der legendäre Sinti-Jazzgitarrist Django Reinhardt dank eines Fans im besetzten Paris der 40er Jahre überlebte. Oder wie der jüdische Dreigroschenoper-Komponist Kurt Weill erst nach der Flucht vor den Nazis aus Berlin sein Glück in den USA wiederfand. Dazu gab es wunderbare Stücke, unter anderem auch von Bebop-Miterfinder Charlie Parker und Bluesgröße Leroy Carr, die in Amerika unter Rassismus litten. In all diese Schicksale tauchte Sängerin Armani mit glasklarer Stimme tief ein. Hinreißende stimmliche Kunststücke fanden in Armanis virtuosem Gitarrenspiel kongeniale Entsprechung.

Auch Publikum einbezogen

Zu Höhepunkten zählte das bewegende Gesangssolo „Por Que Lorrax“ (Warum weinst Du, kleines Mädchen“) in spanisch-jiddischer Sprache. Ebenso ein Gänsehautmoment: Die deutsche Version von Jacques Brels „Ne Me Quitte Pas“, was beim Film- und Chanson-Star Marlene Dietrich „Bitte geh nicht fort“ hieß. Das Stück wurde ausgewählt, weil Dietrich „zu denen gehörte, die es wagten, sich gegen Hitler auszusprechen“, so Armani. Auch das Publikum wurde einbezogen: Für Miriam Makebas „Khawuzela“ kamen 13 Freunde, Schüler und Freiwillige zum Mitsingen nach vorn.

„Das ist sehr schön, und die Armanis haben sich zu Recht einen guten Ruf erarbeitet“, fand Besucher Jürgen Schwarz in der Pause. „Tolle Musik, die sind klasse“, sagte Altbürgermeister Rainer Ziegler. „Wir freuen uns ganz doll, dass so viele gekommen sind und begeistert heimgehen“, zeigt sich auch Sprecherin Luppe sehr zufrieden. Wer mehr Armani möchte: Einen musikalischen Abend des Duos mit Gästen wie Saxofonistin Alexandra Lehmler gibt’s am Dienstag, 12. Februar, im Mannheimer Jazzclub „Ella & Louis“ (Tickets: montags und mittwochs, 11 bis 14 Uhr: 0621 / 1 56 83 17). pj

Info: Internet: www.amnesty-ladenburg-schriesheim.de