Ladenburg

Ladenburg Kristina Heinrichs stellt „KunstFenster“ aus

Grafische Form für schwer greifbaren Inhalt

Archivartikel

„Der künstlerische Ansatz ist fantastisch, und die Werke sind wunderschön“, findet Ellen Kaminski vom Kunstverein Ladenburg (KVL) lobende Worte angesichts der Zeichnungen von Kristina Heinrichs. Die in Seckenheim aufgewachsene Konzeptkünstlerin und Grafikerin aus Berlin zeigt bis 21. Juli aktuelle Werke unter dem Titel „Zeichen/ Schere/ Papier“ im frisch renovierten KVL-„KunstFenster“ in der Hauptstraße 77.

Bei der Vernissage standen die meisten der rund 50 Besucher dicht an dicht in dem kleinen Raum. Dass die Veranstaltung auf so große Resonanz stieß, hatte Gründe: Fördert doch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg diese faszinierende Schau mit einem vierstelligen Betrag (wir berichteten). „Dass das geklappt hat, ist dem guten Konzept und der guten Künstlerin geschuldet“, erklärte die KVL-Vorsitzende Wiebke Hünermann-Neuert in Gegenwart der Landtagsabgeordneten Julia Philippi (CDU). Die Dossenheimer Galeristin hatte als kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion im März mitgeteilt, dass mit dieser Projektförderung die „maßgebliche Rolle der Kunstvereine bei der Vermittlung von Gegenwartskunst gewürdigt“ werde.

Mit „wunderbarer Musik“, so Hünermann-Neuert erfreut, stimmte die Heidelberger Cellistin Julia Vardigans auf die Ausstellung ein. Der Mannheimer Performancekünstler, Maler und Zeichner Wolfgang Sautermeister vom Verein „ZeitRaumExit“ führte in die Kunst von Heinrichs ein. Er zitierte zunächst aus „Das Sein des Nichts“, einer Weisheit des altchinesischen Philosophen Laotse. Ihm zufolge bilde das Sichtbare zwar die Form eines Werkes, das Nicht-Sichtbare mache aber erst seinen Wert aus. Darum geht’s auch bei der 1984 in Heidelberg geborenen Künstlerin, die ihr Abitur 2003 am Carl-Benz-Gymnasium in Ladenburg abgelegt hatte.

Die preisgekrönte und international tätige Künstlerin zeigt Zeichnungen ihrer Serie „spacial periods“. Darin setzt sie sich mit dem Sichtbarmachen bewegten Geschehens nach einem eigens entwickelten Verfahren grafisch auseinander. Für eine ihrer ungegenständlichen Zeichnungen spürte sie vom Alten Rathaus aus „Rhythmus, Tempo und Swing“ des Ladenburger Marktplatzes nach. Die Nähe zur Minimalmusik eines Steve Reich sei eindeutig zu spüren, so Sautermeister: „Sie sehen keine Fachwerkhäuser und Menschen, aber gerade weil etwas nicht da ist, was Sie erwarten, ist es berührend.“ Ebenso zeigt die gelernte Buchbinderin, die in Halle an der Saale Buchkunst studiert hat, experimentelle Radierungen, eine Serie an Papierarbeiten mit dem Titel „Re-Kompositionen“ und das Buchobjekt „Begegnung mit der Schwarzen Kunst“.