Ladenburg

Ladenburg Neun Rätinnen und Räte gegen geschlechterneutrale Sprache der Verwaltung

Grüne bedauern Ablehnung

Archivartikel

Wenn es nach den mittlerweile sechs Grünen im Ladenburger Gemeinderat gegangen wäre, hieße es künftig in städtischen Dokumenten, Satzungen und Vorlagen sowie bei Reden am Ratstisch beispielsweise nur noch „Stadträtinnen und Stadträte“. Oder es wäre, ganz neutral, von Mitgliedern des Gemeinderats die Rede. Gleichwohl sollte die Sprache verständlich und gut lesbar bleiben. Doch konnte die Fraktion um Max Keller ihren Antrag auf geschlechtsneutrale Sprache nicht durchsetzen.

Bei drei Tagesordnungspunkten scheiterte – wenn auch nur knapp – das Vorhaben, auch eine sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu erzielen. „In dieser Hinsicht stellt die Stadt Ladenburg kein Vorbild dar“, monierte Marius Steigerwald (B 90/Grüne). Er trat dafür ein, die neue Geschäftsordnung (GO) des Gemeinderats geschlechterneutral zu formulieren, also nicht nur etwa die maskuline Form „Stadtrat“ oder „Redner“ zu nennen. Beide SPD-Rätinnen, Angelika Gelle und Uta Blänsdorf-Zahner, schlossen sich an dieser Stelle den Grünen an.

Doch mit ebenso vielen Nein-Stimmen aus den Fraktionen CDU und Freie Wähler sowie von Steffen Salinger (SPD) entstand ein Unentschieden. Das heißt nach den gültigen Regeln: Antrag abgelehnt. Dazu sei gesagt, dass insgesamt sieben Stadträte von CDU, FDP und SPD fehlten. Das gleiche Abstimmungsergebnis kam auch bei der nachfolgenden Anpassung der Hauptsatzung der Stadt zum Tragen. Ein Gegenargument lieferte Bürgermeister Stefan Schmutz, als er Hinweise in beiden Text betonte, wonach stets beide Geschlechter angesprochen seien.

Bevor es zum Ende der Sitzung ein drittes Mal und diesmal grundsätzlicher Art zum Schwur kam, schlug Schmutz vor, den Antrag in den Verwaltungsausschuss zu verweisen. „Wir klären dort alle Folgen und stimmen nach gründlicher Vorbereitung im Rat darüber ab.“ Das fand allein Christian Vögele (CDU) vernünftig. Salinger (SPD) sah ebenso wie Gudrun Ruster (Freie Wähler) dafür „keine Notwendigkeit“. Der Antrag auf Vertagung des Antrags fand keine Mehrheit.

So kam es zur Diskussion. Dass das herkömmliche „Mitgemeintsein“ von Frauen zu deren Benachteiligung führe, weil die Art des sprachlichen Ausdrucks Einfluss auf das Denken und das Erzeugen von Bildern im Kopf habe, warf Grünen-Rätin Jennifer Zimmermann in die Waagschale. Sie schlug einen von Studierenden, Dozentinnen und Dozenten der Universität entwickelten Leitfaden der Stadt Tübingen als Orientierung vor.

Demnach sei die Nennung von Frauen und Männern („Stadträtinnen und Stadträte“) am besten geeignet, um weibliche und männliche Geschlechterklischees aufzubrechen. Weil darunter die Lesbarkeit leide, seien geschlechterneutrale Formulierungen besser, wo dies möglich sei (zum Beispiel Studierende statt Studentinnen und Studenten).

„Die Diskussion ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig“, sagte Günter Bläß (CDU). „In den Satzungen könnte ich mir das ja vorstellen, aber wenn ich mir vor Augen halte, wie Rathausmitarbeiter künftig alle ihre Texte auf Gendergerechtigkeit überprüfen sollen, sehe ich da andere Prioritäten“, erklärte Gelle (SPD). Sie fühle sich als Frau nicht diskriminiert, weil die Gesellschaft in der Sprache männlich geprägt sei. Mit sieben zu neun Stimmen unterlagen die enttäuschten Grünen erneut: „Wir bedauern das sehr“, sagte Zimmermann.

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