Ladenburg

Ladenburg Pia Fast-Seidel versteigert im Auktionshaus begehrte Designerstücke alter Kollektionen

„Handtaschen und Schuhe kann ich nie genug haben“

Säugling Lucia schläft an diesem Nachmittag ausgiebig. Der dreijährige Bruder Lionel ebenso. So hat deren Mutter Pia Fast-Seidel noch etwas mehr Luft für ein Gespräch. Denn ihr Vater Götz C. Seidel löst sie gleich am Hammer ab. Beinahe reibungslos läuft die Versteigerung weiter. „Darauf bin ich stolz, dass in unserem Familienbetrieb mit zumeist langjährigen Mitarbeitern alles so gut klappt“, freut sich die Juniorchefin im Ladenburger Auktionshaus. Bereits 2008 hat die heute erst 29-Jährige ihre Lizenz erworben.

Damals war die frischgebackene Auktionatorin gerade aus New York zurückgekehrt, wo sie in einem Konkurrenzunternehmen für deutsche Kundschaft zuständig war. Erfahrungen in dieser Branche sammelt Fast-Seidel bereits seit ihrer Kindheit. 2019 feiert die Spielzeugauktion Seidel 30. Jubiläum. „Viele unserer Kunden kennen mich von klein auf“, weiß die junge Frau, die mit der Familie direkt nebenan wohnt. „Arbeit und Privates sind eins“, sagt sie. Für ihren Mann Eduard, der seit vier Jahren ebenfalls Auktionator ist, sei das anfangs schwierig gewesen. „Aber ich kenne es nicht anders“. Wie oft nahm der Vater nächtliche Telefonate an, weil ein Anrufer aus den USA den Zeitunterschied verpeilte. „Aber jeder Anruf könnte der Anruf mit der Riesensammlung sein, und da will man eben der Erste sein“, weiß Pia Seidel.

Heute reist ihr Mann mit seinem Schwiegervater um die halbe Welt, um Ware zu besichtigen. Dieses Jahr waren sie schon auf Börsen in London und Japan. Der russische Markt ist interessant geworden, da Fast die Landessprache beherrscht. So ist das Auktionshaus im Jubiläumsjahr auch auf einem Antiquitätenmarkt in Russland vertreten. Außerdem laufen Vorbereitungen für eine große Biedermeier-Spielzeugauktion 2019 in Ladenburg.

Lampenfieber vor Veranstaltung

„Ich bin die Expertin für Vintage-Mode“, sagt Pia Seidel. Sie findet es faszinierend, wie gefragt Schuhe, Handtaschen und Kleider aus älteren Kollektionen begehrter Designer sind. Sie hofft, damit rechtzeitig, ein jüngeres Publikum heranzuziehen – auch für ihren Traum, dass die Kinder das Haus einmal weiterführen.

„Man muss ein bisschen der Showmaster sein und über Charisma verfügen, aber Lampenfieber habe ich immer noch vor jeder Auktion gerade im Vintage-Bereich, weil der mir am Herz liegt“, erklärt Seidel. Allein während des vergangenen Wochenendes kommen täglich bis zu 400 Leute. Jeweils 200 bis 300 der weltweit mehr als 16 000 Kunden bieten zudem im Internet oder telefonisch mit. Tagesumsätze von bis zu 300 000 Euro sind keine Seltenheit. Ein bedeutender Moment vor der Versteigerung: die Vorbesichtigung im „Café Antique“. „Es kommt immer auf den Zustand der Sachen an“, erklärt Petra Schiffl. Die Ilvesheimerin kommt jedes Jahr zur Vintage-Auktion. „Handtaschen und Schuhe kann ich nie genug haben“, stellt die Frau fest. „Was interessant ist, schreibe ich mir auf und biete dann mit“, schildert Schiffl ihre Vorgehensweise.

„Bei mir hat gestern jemand hartnäckig mitgeboten“, erinnert sich Stefanie Bauer an die Schmuckauktion. „Gott sei Dank hat er zu einem für mich gerade noch guten Zeitpunkt aufgehört“, freut sich die Viernheimerin Bauer, dass sie ihren Wunschring ersteigern konnte. Zuvor hatte sie sich das Schmuckstück von Fachleuten der „Goldschmiede Ladenburg“ zeigen lassen. „Es gibt so viel Plagiate im Internet, aber hier habe ich hundertprozentig Vertrauen“, sagt die Frau. Auch ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein, das antike Puppen sammelt, weiß Expertise zu schätzen: Es kommt seit den 90ern regelmäßig nach Ladenburg und übernachtet auch diesmal wieder in einem Hotel in der Stadt. „Er macht das richtig toll“, sagt die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, über Auktionator Seidel. Oft bieten die beiden Norddeutschen auch von Zuhause aus schriftlich mit. „Doch vor Ort kann man natürlich besser reagieren“, weiß auch ihr Mann genau, dass es sich lohnt, immer wieder persönlich ins Auktionshaus nach Ladenburg zu kommen.