Ladenburg

Ladenburg „Kristallfluss“ gibt Standort nach 20 Jahren zugunsten von Neuostheim auf / Bürgermeister Schmutz bedauert strategische Entscheidung

„Herber Schlag“ für Einzelhandel

Seit 1998 lockt der „Kristallfluss“ jede Menge Kunden in die Kirchenstraße 33. Doch nach 20 Jahren ist leider bald Schluss am Standort Ladenburg: Am Donnerstag, 1. März, beginnt der Räumungsverkauf. Im April schließt das Geschäft. „Einen solchen Kundenmagneten zu verlieren“, ist nach Ansicht von Christoph Ehry vom Bund der Selbstständigen (BdS) ein „herber Schlag“ für den Einzelhandel in der Altstadt. In Mannheim-Neuostheim sieht das Familienunternehmen Röser mit der Eröffnung neuer Räume im vergangenen Oktober jrdoch die „Chance, Kapazitäten zu bündeln, um den Internethandel ausbauen und das stationäre Geschäft weiter zu entwickeln“.

„Die Entscheidung, Ladenburg zu verlassen, fällt uns emotional schwer“, erklärt Günter Röser als Geschäftsführer neben Benedikt Röser und Michael Zillekens im Gespräch mit dem „MM“. Er betont: Weder Umsätze noch Parkplatzsituation seien ausschlaggebend gewesen. Auch habe man mit der Stadtverwaltung gut zusammengearbeitet. Doch gehöre es zur Familienphilosophie, die Traditionsfirma alle zehn Jahre weiterzuentwickeln. Deshalb sei man 1998 von Seckenheim nach Ladenburg umgezogen. Damals lag der Schwerpunkt auf Kristallschmuck und Figuren von Swarovski. Dies trug der Firma einen glänzenden Ruf in der internationalen Sammlerwelt ein. 2008 wurde die Scheune umgebaut und das Sortiment um Feinkost, Bekleidung, Schmuck, Accessoires und Dekorationsartikel erweitert.

„Wir wollen und müssen langfristig denken, uns immer neuerfinden, um Kunden emotional abzuholen, und brauchen dafür jetzt neue Impulse“, erklärt Röser. Dauerhaft zweigleisig zu fahren, sei für einen Familienbetrieb aufgrund des Personalaufwands schwierig. Am neuen Standort im ehemaligen Schauraum eines Fliesengeschäftes in der Mannheimer Coblitz-Allee 8 sehe man Ausbaupotenzial. Seit Ende Oktober setzt „Kristallfluss“ dort zusätzlich auf Designmöbel und Interieur zu Sonderpreisen. Der „Weihnachtszauber“ werde aber fortgeführt. Zum künftigen Konzept gehören auch eine Kaffeerösterei mit Café von Bekannten der Familie. Aktuell ist geplant, Scheune und Geschäftsräume in Ladenburg zu verkaufen. Für andere Ideen zeigt sich Röser offen. „Ich bedauere die strategische Entscheidung, das Geschäft in der Kirchenstraße zugunsten eines größeren Standortes in Mannheim aufzugeben“, sagt Bürgermeister Stefan Schmutz. Für den örtlichen Einzelhandel sei dies schmerzhaft: „Der Kristallfluss war für die Altstadt stets ein sehr belebendes Element.“ Bald will Schmutz mit dem Bund der Selbstständigen (BdS) „Folgen analysieren“. Eine schnelle Nachnutzung sei wünschenswert. Eigene konzeptionelle Überlegungen der Stadtverwaltung zur Zukunft des Einzelhandels gebe es derzeit keine. „Es gilt vielmehr eine tragfähige Konzeption gemeinsam mit allen Beteiligten zu entwickeln“, sagt Schmutz. Die Entscheidung der Familie Röser sei verständlich, so BdS-Chef Ehry. Sein Verband suche jetzt das Gespräch mit Schmutz darüber, wie dem Negativtrend entgegenzuwirken und die entstehende Lücke zu schließen sei.