Ladenburg

Ladenburg Jennifer Zimmermann zog 2014 mit ihrem Mann an die Bergstraße / Engagiert in zahlreichen Vereinen

„Ich will der Stadt etwas zurückgeben“

Man hört schon an ihrem Dialekt, dass Jennifer Zimmermann nicht von der Bergstraße stammt. „Richtig“, bestätigt die 29-Jährige, „ich bin aus Schwäbisch Gmünd.“ Dort wuchs sie auf und machte 2009 Abitur. Später studierte sie an der Hochschule Stuttgart Wirtschaftsingenieurwesen und schloss mit dem Bachelor ab.

2014 zog die jetzt frisch gewählte Grünen-Stadträtin nach Ladenburg; ihr Mann Lucas fand Arbeit in der Region, und das Paar fand eine Wohnung in der Färbergasse: Ein neuer Lebensabschnitt, in dem sich viel veränderte. Doch schon in Schwäbisch Gmünd war Jennifer Zimmermann aktiv in der katholischen Gemeinde und später in kirchlichen Verbänden.

Ihr Interesse an der Kommunalpolitik wurde im Elternhaus geweckt: Die Mutter und der Großvater waren in Böbingen an der Rems im Gemeinderat. Allerdings nicht bei den Grünen, sondern für die CDU. Dort wurde zunächst auch die Tochter und Enkelin Mitglied – bis 2015.

Irgendwann habe sie aber gemerkt, dass die Union und ihr Programm nicht mehr zu ihr passten, sagt sie heute: „Das C im Namen wurde nicht wirklich umgesetzt.“ Und dann fehlten ihr noch der soziale und der Umweltaspekt.

Am Ende gab ihre neue Heimatgemeinde den Anstoß zum Richtungswechsel: Hier erlebte die Schwäbin eine Offenheit und Gastfreundschaft, die ihr gut gefielen. „Leben und Lebenlassen“, das mochte sie: „Hier haben die Menschen mehr Spaß, man trifft sich auch unter der Woche mal zu einem Glas Wein.“ Und auch zum Diskutieren über Politik.

Sie trat dem Heimatbund bei, dem Kleingartenverein, trainiert im LSV regelmäßig für den Triathlon. Und sie wurde Mitglied bei den Grünen. Hier gefielen ihr die vielfältigen Beteiligungsmöglichkeiten, von Online-Abstimmungen über Webkonferenzen und Workshops.

Nach der Singstunde beim Gesangverein Liederkranz wurde sie von Hanne Zuber angesprochen. Die Grünen-Stadträtin wollte wissen, ob sich die junge Parteifreundin auch eine Kandidatur bei der Kommunalwahl vorstellen könne.

Zimmermann konnte. Und war begeistert, dass ihre Mitstreiter gerade junge Bewerber förderten und ihnen Plätze ganz vorn auf der Liste anboten. Sie griff zu und kandidierte gleich auf Platz eins. Dass sie aus dem Stand mehr als 2800 Stimmen bekam, überraschte sie am Ende doch: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so positiv ausfällt.“

Ein verbindendes Projekt

Wenn sie über kommunalpolitische Ziele nachdenkt, dann fällt ihr das Ladenburger Grünprojekt ein: „Ich habe das Gefühl, eine Stadt braucht so etwas alle paar Jahre: Eine Aktion, die man gemeinsam umsetzt. Etwas in der Art wäre auch gut, um die Neubürger zu integrieren, die bald nach Ladenburg ziehen werden.“

Daneben könne man das Profil Ladenburgs schärfen in Richtung Touristik oder „grüne Stadt“ und sich auch stärker mit den Nachbargemeinden vernetzen – das sind Zimmermanns politische Ideen für die nächsten Jahre.

Bis ins Rathaus hat sie es übrigens nicht weit: 2018 kaufte das Paar ein 1840 erbautes Haus in der Mühlstraße, das sie mit ihrem Mann renoviert. Von der Küche blickt man direkt auf den kleinen Sitzungssaal. „Der Bürgermeister hat schon gesagt, dass wir schöne Möbel haben“, grinst sie: „Um das zu sehen, muss er nicht mal zu uns kommen.“

Zur Arbeit hat sie es weiter, täglich pendelt die Angestellte mit dem Zug nach Stuttgart. Doch Wegziehen kommt nicht infrage, Zimmermanns fühlen sich hier schon lange Zuhause.

Deshalb hat sie auch einen persönlichen Grund für ihr Engagement: „Ich will der Stadt, in der ich so freundlich aufgenommen wurde, etwas zurückgeben.“

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