Ladenburg

Ladenburg Stadt will „Grilltourismus“ deutlich einschränken und kündigt Konzept an / Ausschussmehrheit grundsätzlich dafür

Immer mehr Müll verdrängt Spaß

Wird es im kommenden Sommer nur noch eine begrenzte Zahl von festen Grillstellen an der Ladenburger Fährwiese geben? Und ansonsten keine Erlaubnis mehr für das beliebte Wurst- und Gemüsebrutzeln unter freiem Himmel? Es sah bei der jüngsten Beratung im Technischen Ausschuss (TA) des Ladenburger Gemeinderats ganz danach aus. Auch eine kautions- oder sogar gebührenpflichtige Anmeldung wird voraussichtlich kommen. Aber: „Wir wollen keine voreilige Entscheidung treffen, sondern erst ein Konzept entwerfen“, sagte Bürgermeister Stefan Schmutz.

Der Grund: die kontinuierlich wachsende Menge an Müll und der Aufwand für dessen Entsorgung erscheint der Mehrheit der Kommunalpolitiker nicht länger tragbar. „Wir haben die Situation intensiv beobachtet und begleitet“, fasste Schmutz zusammen. Um der ausufernden Müllsituation Herr zu werden, waren Einweggrills bereits verboten worden. Zur Vorbeugung eines auf Antrag der CDU schon 2018 drohenden Grillverbots hatten außerdem zunächst Jugendgemeinderäte zusammen mit dem Türkisch-Islamischen Kulturverein nach besonders heiklen Wochenenden immer wieder auf der Fährwiese am Freibadparkplatz aufgeräumt, was sich aber nach einer Weile totlief.

Schließlich wurde an Wochenenden und Feiertagen ein Sicherheitsdienst beauftragt. Dieser sei, so Schmutz, 2019 rund 120 Stunden im Einsatz gewesen. Die Kosten beliefen sich auf 2500 Euro. „Es blieb auch bei der Ansprache von größeren Gruppen, sie mögen ihren Müll wieder mitnehmen, und Hinweisen auf das Verbot von Einweggrills“, räumte Schmutz ein. Er legte weitere Zahlen vor: Der städtische Bauhof habe an 22 Wochenenden, also an 44 Tagen, durchschnittlich je drei Stunden mit zwei Mitarbeitern rund 80 Kubikmeter Abfall entsorgt. „Der Spitzenwert an nur einem Wochenende belief sich auf 20 Kubikmeter, was einem großen Container entspricht“, sagte Schmutz. Die Personalkosten schlügen einschließlich Fahrzeug und Entsorgungskosten im Jahr 2019 mit rund 12 500 Euro zu Buche: So seien der Allgemeinheit insgesamt Kosten in Höhe von 15 000 Euro entstanden.

„Kaution und Kontrollen“

„Das sind Dimensionen, die wir nicht außen vor lassen können, und dieses Bild passt auch nicht zu Ladenburg“, sagte Schmutz: Es sei ein „regelrechter Grilltourismus“ nach Ladenburg entstanden. Auch dass es sich in den meisten Fällen nicht um Ladenburger handele, sei mit Blick auf die Kosten nicht mehr tragbar: „Wir wollen das Grillen deshalb einschränken und Geld für die Installation fester Grillstellen in den Entwurf des städtischen Haushalts 2020 einstellen.“ Das befürwortete die TA-Mehrheit grundsätzlich. Für ein kategorisches Grillverbot plädierte allein Günter Bläß (CDU) erneut: „Sonst bekommen wir das nicht in den Griff.“

Dass sich das Müllproblem allein durch Begrenzung der Grillplätze nicht lösen lasse, meinte Heiko Freund (Freie Wähler). Zumindest „Kaution und Kontrollen“ forderten Jennifer Zimmermann (Grüne) und Christian Vögele (CDU), um Streits zu vermeiden. „Öffentliche Freizeitflächen für Menschen ohne eigenen Garten zu bieten, ist uns wichtig“, sagte Steffen Salinger (SPD). Sein Vorschlag, die Grillstellen ausschließlich Ladenburgern vorzubehalten, hält Alexander Spangenberg (Grüne) für „juristisch bedenklich“.

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