Ladenburg

Ladenburg Ein Fest für Flüchtlinge und Nachbarn im evangelischen Gemeindehaus / Paten gesucht

„Integration braucht Zeit und Begleitung“

Wie gelingt Integration? „Sie braucht Zeit und Begleitung“, sagt Sabine Weil, eine der Sprecherinnen im „Arbeitskreis (AK) Flüchtlinge und Hilfsbedürftige“. Der Unterstützerkreis der Flüchtlingshilfe aus Ehrenamtlichen, Vereinen, Kirchen und Unternehmen versteht seine Arbeit als ein Zeichen der Solidarität. Zum „Tag des Flüchtlings“ organisierten die Helfer einen Info-Stand in der Stadt und ein „Fest für alle“.

Der Tag wurde 2015 von der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche Deutschland ins Leben gerufen. Im evangelischen Gemeindehaus herrschte also munteres Treiben: Für Kinder gab es Spiel und Spaß, für das Buffet hatten die Gäste Leckereien aus ihrer Heimat mitgebracht. Bei Nudelsalat und Käsekuchen aus der Kurpfalz oder Fleischbällchen und Backlawa aus Syrien – ein schmackhaftes Mandel-Nuss-Gebäck – traf man sich mal ohne Anspannung. Herein schauten auch – ohne offizielle Einladung – Bürgermeister Stefan Schmutz und der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck.

Also alles prima? Mit ein paar Wohlfühlbemerkungen ist es bei Sabine Weil nicht getan. Sie und ihre Mitstreiter suchen wohl auch eine neue Kultur der Anerkennung von Ehrenamtlichkeit, denn sie tragen mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement zum Gemeinwohl bei. „Der Kessel steht unter Druck“, klingt es deshalb verärgert. „Monatelang setzen sich die Helfer für eine Familie ein, die Kinder sprechen längst Deutsch, Erwachsene haben dank uns Arbeit gefunden. Und dann droht plötzlich die Abschiebung.“ Rund 40 aktive Helfer sind an Sabine Weils Seite, die sich in der Kleiderkammer, in Sprachkursen und in der Hausaufgabenhilfe für Kinder und Berufsschüler engagieren. Über allen Hilfsangeboten steht das „Patenmodell“. Heißt: Ladenburger Bürger stehen mit Rat und Tat den Flüchtlingen im Alltag zur Seite. „Dafür suchen wir immer wieder Menschen.“ Als „Hilfe zur Selbsthilfe“ wollten die Flüchtlingshelfer ihre Arbeit verstanden wissen, betont sie dabei.

Derzeit leben laut Weil rund 100 geflüchtete Menschen in der Römerstadt. Zum Jahresende werden weitere erwartet. Im Rathaus gibt es inzwischen zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen für die strategischen Belange von Flüchtlingen in der Stadt. bst