Ladenburg

Ladenburg Konzertlesung mit dem Produzenten und Vollblutmusiker Dieter Falk / Publikum in der evangelischen Stadtkirche begeistert

„Johann Sebastian Bach ist einfach der Größte“

Dieter Falk ist so etwas wie ein heimlicher Star. Nur wenige wissen, dass er als ausschlaggebender Produzent hinter riesigen Deutschpop-Hits von Pur („Abenteuerland“) und Pe Werner („Kribbeln im Bauch“) steht. Am vergangenen Freitagabend gastierte der 59-jährige Vollblutmusiker aus Siegen für eine Konzertlesung in der evangelischen Stadtkirche Ladenburg. Darüber freute sich Thomas Pilz: „Dieter Falk hat die deutsche Musikszene nicht unwesentlich mitgeprägt“, sagte der Diakon, als er rund 60 Zuhörer zur Konzertreihe „Quergedacht“ begrüßte.

Darüber freute sich aber auch Christina Pfeuffer als begeisterte Besucherin: Sie nutzte die Gelegenheit, um Falk in der Pause um einen Gefallen zu bitten. Und natürlich signierte der auch als früherer Juror der Pro7-Fernsehsendung „Popstars“ bekannte Musiker nur allzu gerne ein besonderes Notenheft der Ladenburgerin. Sie sang nämlich 2012 mit rund 2800 Menschen mit beim Pop-Oratorium „Die zehn Gebote“ in der SAP-Arena in Mannheim. Komponist: Dieter Falk. „Es war sagenhaft“, berichtete die damalige Sängerin des Heddesheimer „Rainbow Gospel Chors“. Aufgrund der Masse der Mitwirkenden war sie damals nicht an Falk herangekommen. „Er hat sich jetzt total darüber gefreut“, sagte Pfeuffer strahlend. Und für Falks ausliegendes Buch namens „Backstage: Von Pur, Popstars und den Zehn Geboten“ interessierte sie sich selbstredend auch.

Sympathischer Erzähler

Damit war sie nicht allein, denn Falk erwies sich als ebenso versierter Musiker wie sympathischer Erzähler. Er gab Einblicke in den Musikeralltag und hinter die Kulissen einer Branche, die als Haifischbecken gilt. Wie sehr es besonders dort menschelt, wusste er dezent, aber anschaulich zu schildern. Seine Erinnerungen ließ er im Mai 1986 beginnen. Damals brach ein Veranstalter Falks erstes Konzert ab, weil der Musiker es gewagt hatte, einen Kirchenchoral in einer funky Version darzubieten. Man habe sich in der künstlerischen Aussage Falks geirrt, so der ignorante Impresario.

20 Jahre später saß Falk in der „Popstars“-Jury, als ihn die Deutschpunkdiva und Mitjurorin Nina Hagen um einen Gefallen bat: Er möge doch mit ihr eine Choralbearbeitung einstudieren und auf Pro 7 mit ihr darbieten. So geschah es. Dieses „Nun danket alle Gott“ hörte das begeisterte Publikum am Freitag in Ladenburg als erstes. Am Schlagzeug saß mit Medizinstudent Max einer der beiden Söhne Falks. „Alte Choräle und Johann Sebastian Bach ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, sagte Falk Senior.

Doch immer wieder kreuzten Pop- und Rockmusiker seinen Lebensweg. Das ging bereits 1982 los, als er mit der in Mannheim geborenen Schlagersängerin Inge Brück zusammentraf. Später arbeitete er auch mit Katja Ebstein und Gitte, die als Sängerinnen schätzt. Er nahm im Londoner Tonstudio und in den USA Platten auf, Tür an Tür mit großen Rockgruppen wie The Who. Doch immer wieder komme er zurück auf das Barockgenie: „Bach ist einfach der Größte“, weiß Falk.