Ladenburg

Ladenburg Schauplatz nostalgischer Treffen / Schulfreunde von Annelie Schmid aus Wettenberg zu Gast / 03er-Kicker feiern 50. Jubiläum der legendären Meistersaison

Keine Sonne trotz der "Strahlemänner"

Die Kerwe in Ladenburg hat viele Gesichter. Dieses Jahr zeigte sich das Jahrhunderte alte Kirchweihfest überwiegend von seiner tristen Seite: Vor allem der verregnete Samstagabend machte den Vereinen und Wirten als Kerwe-Regisseuren einen dicken Strich durch die Rechnung. Zumindest, was Freiluftaktivitäten betraf: Im schwach besuchten Benz-Park rockten "Die Strahlemänner" vergebens - und nur kurz. Es lag da schon eine Stimmung über der Stadt, bei der kaum jemand zum Feiern aufgelegt wirkte. Und von Besuchern von außerhalb profitierte diese familiäre Kerwe noch selten. Ausnahme diesmal: der Samstagnachmittag. Da herrschte aus mehreren Gründen reges Leben auf dem Marktplatz.

Und mit der bald dreijährigen Ida Marie sowie ihrer Mutter waren sogar Gäste aus Wiesbaden da. "Wir sind zu Besuch bei Freunden in Edingen-Neckarhausen und Heddesheim", erklärte Antje Günzel, während ihre Tochter das Kinderkarussell sichtlich genoss. "Solches Kinderlachen ist für mich das Schönste", sagt der Mitarbeiter der Bruchsaler Schaustellerfirma Nagel, die seit 1989 zur Kerwe kommt.

Besondere "Neckarkreuzfahrt"

Für eine Gruppe aus Wettenberg bei Gießen war der Ausflug nach Ladenburg aber auch eine Reise in die Jugendzeit: Die früheren Schulkameraden von Annelie Schmid, die es vor 42 Jahren zu ihrem Gerhard hierher zog, erlebten nicht nur die Kerwe, sondern zuvor auch eine besondere "Neckarkreuzfahrt": "Es sollte nicht zu lange und zu teuer sein, da habe ich sie auf die Neckarhäuser Fähre eingeladen", erzählt Gastgeberin Schmid zum Vergnügen der fröhlichen Gruppe.

"Wir waren eine Supertruppe", findet auch Heinz Hellfeld nur wenige Tische weiter: Der Ur-Ladenburger war nämlich Spielführer der legendären Meistermannschaft des Fußball-Vereins (FV) 03 in der 2. Amateurliga. Das 50. Jubiläum der siegreichen Saison 1967 feierte Hellfelds Team natürlich am traditionellen Kerwe-Stand ihres Vereins. "Ich war und bin mit Leib und Seele Nulldreier", sagt Hellfeld, der mit seinen 74 Lenzen schier unglaubliche 56 Jahre fußballerisch lang aktiv war. Den ganzen Ablauf des Entscheidungsspiels gegen die Ilvesheimer hat er noch genau vor dem inneren Auge. "Dieses Treffen bedeutet uns allen sehr viel, und mir persönlich geht dabei das Herz auf", erklärt Hellfeld, der mit Dieter Müller, Manfred Mintner, Karl Dengler, Wolfgang Stobbe, Peter Roesch, Wolfgang Wittenmaier, Fritz Koch, Klaus Heinrich und Jochen Miedtke ausgiebig Erinnerungen austauschte.

So lebhaft würde sich Michael Schellenberger die Kerwe immer wünschen. Der Chef des Gastro- und Tourismusvereins eröffnete das Fest erneut zusammen mit Politikprominenz aus der Stadt und aus dem Bundestag. Bürgermeister-Stellvertreterin Gudrun Ruster stellte vor dem Anschnitt des Zwetschgenkuchens, der dann gratis verteilt wurde, alle Kerwe-Stationen vor und lud dazu ein, die "kleine Weinmeile" dreier nahe gelegener Lokale zu besuchen. Dieses Angebot wurde auch reiflich in Anspruch genommen, wie der Blick in volle Gaststuben zeigte. Beim abendlichen Regen und frischen Temperaturen ließ es sich drinnen gemütlich speisen. Nur die Außensitzplätze, die aufgrund der wankelmütigen Wetterprognosen bereitstanden, blieben weitgehend ungenutzt.

Wegen des regnerischen Wetters verlegten auch die Kerwe-Gewichtheber des Athletik-Sport-Vereins (ASV) ihr 7. "Walter-Engel-Turnier" von draußen ins Innere der Lobdengau-Halle (wir werden noch berichten). "Sechs Jahre lang ist es gut gegangen", sagte Sportwart Thomas Roß achselzuckend: Gegen das Wetter ist man eben machtlos.

Heute: Haxen-Essen

Das mussten auch die Kicker der Ladenburger Sport-Vereinigung akzeptieren: Ihre Benzpark-Kerwe fiel am Samstag buchstäblich ins Wasser. "Die Strahlemänner" um Klaus Schenk aus Schriesheim gaben eine Stunde lang mit zündendem Rock und Pop ihr Bestes. Doch mit zunehmendem Regen wurde es immer weniger Besucher. Iris und Andreas Lange wagten noch ein Tänzchen mit Regenschirm, doch war letztlich alles vergebliche Liebesmüh'. So blieb nur die Hoffnung auf besseres Wetter, auch für den heutigen Montagmittag mit Kerwe-Haxen im Benz-Park und auf dem Marktplatz.