Ladenburg

Ladenburg „Überschäumende“ Ratskellerfasnacht der Sängereinheit / Leierkastenmann denkt ans Aufhören / „Tusnelda“ wieder dabei

Kinzig: „Der Bunker sieht ja furchtbar aus“

Archivartikel

Viele fänden es schade, wenn Helmut Kinzig wirklich aufhören würde. „Dann würde etwas fehlen bei der Ratskellerfasnacht“, erklärt beispielsweise die Ladenburgerin Sabine Schmitt. Doch hatte sie ja ebenso wie alle gerade gehört, was der 84-jährige Ehrenvorsitzende des Gastgebervereins Sängereinheit zum Abschluss seiner Traditionsbütt als Leierkastenmann mit traurigem Clownsgesicht singend verkündet hatte: „Nach 66 Jahren ist jetzt Schluss, und ich gehe an die Theke, weil ich was trinken muss.“

Darauf angesprochen, bestätigt Kinzig zunächst, dass er aufhören wolle: „Endgültig.“ Nein, zu alt fühle er sich nicht, antwortet er auf Nachfrage. Auch die Ideen gingen ihm nicht aus. Als er hört, dass vielen seine scharfzüngigen Mundartbeiträge fehlen würden, lenkt er ein: „Warten wir es mal ab.“ Zuvor hatte Kinzig zu seinem Dauerbrennerrefrain „Das sagen alle Leute, das ist nun mal passiert“, den Jung und Alt im Saal wie immer kräftig mitsingen, das Geschehen in der Stadt glossiert.

Die Baustelle Martinshöfe? „Eine Katastrophe für Fußgänger!“ Und die entstehenden Rohbauten? „Der Bunker am Friedhof sieht ja furchtbar aus“, singt CDU-Altstadtrat Kinzig unter zustimmendem Beifall im voll besetzten Ratskeller. „Jawoll“, ruft eine Frau dazu lauthals.

Seit mehr als 60 Jahren ist SPD-Altstadtrat Jürgen Müller passives Mitglied der Sängereinheit. „Jedes Jahr gefällt mir die Ratskellerfasnacht besser, und diesmal ist sie besonders gut“, sagt er. Müller ist im Ladenburger Bahnhofsviertel aufgewachsen, ebenso wie Kinzigs verstorbener Duopartner Franz Beckenbach von den in der ganzen närrischen Region legendären „KiBeLas“ (Kinzig-Beckenbach-Ladenburg). Auch solo sorgt „vor allem der Helmut“ für die örtliche Färbung bei dieser närrischen Singstunde. „Er trifft immer den Nagel auf den Kopf“, findet Müller.

Mit Kinzigs Tochter Barbara Volk (Bütt „Bei mir geht alles schief“) als Programmchefin, Mitwirkende und Moderatorin ist der närrische Nachwuchs längst aktiv. Sie schickt ihre sympathischen „Kolping-Mädels“ als hinreißend tanzende „Schweinchen“ sowie die Popstars parodierenden Landfrauen ins Rennen. Und sie fördert Talente wie ihre Freundin Anette Schuschke. Die Erzieherin wohnt auf der Blumenau, ist in Ladenburg aufgewachsen und gibt seit mehreren Jahren die „Tusnelda“. Die Figur entwickelte sich aus einer Kostümierung heraus. „Dabei bin ich eigentlich keine Fasnachterin“, sagt Schuschke, „aber es ist lustig, ich find’s schee und gehe gerne auf in der Rolle der Naiven, die sich selbst nicht so ernst nimmt“.

Ganz aus sich heraus gehen auch Annemarie Fath und Stadträtin Gudrun Ruster: Bei ihrer Hommage an das Ulk-Lied „Du, die Wanne ist voll“ nehmen die beiden sogar ein Schaumvollbad. So viel überschäumende Lebensfreude macht selbst Eindruck auf den Edinger „Kälble“-Elferrat, der seine Prinzessin Sabrina, „No Limits“-Tänzerinnen und Funkenmariechen Alina-Marie Stumpf mitbringt. Zum gelungenen Programm tragen außerdem bei: Ellen Jünschke und Hedwig Jung (Sketch), Dieter Kraus (Bütt), Andrea Bündgens, Marion Stengel, Ursula Knopf, Sabine Schmitt, Marga Klyta, Maria Körner, Anke Tiemann, Bärbel Siebler, Beate Blaess, Heidi Mattutat und Christiane Jäger. Dass die jüngste Ratskellerfasnacht an diesem Abend so erfolgreich sein würde, hätte kurz vor Beginn keiner geglaubt: Hatte doch Alleinunterhalter Günter Wagner krankheitsbedingt absagen müssen. Da springt „Mr. Music“ Bernd Jäger kurzfristig ein, obwohl der Entertainer aus Mörlenbach erst um vier Uhr morgens heimkommt und vor Ladenburg noch in Darmstadt auftreten muss. „Er macht es super“, jubelt Volk und lässt für den rastlosen Schunkel- und Mitsing-Animateur eine der vielen Raketen an diesem Abend steigen.

Info: Fotostrecke: morgenweb.de/ladenburg

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