Ladenburg

Ladenburg Martin Geißler leitet katholischen Kirchenchor St. Gallus / Sänger und Organist plant „Chorsingen für Vielbeschäftigte“

Klangkörper soll durch Projekte wachsen

Archivartikel

Der Cäcilienchor der katholischen St. Gallus-Gemeinde in Ladenburg hat einen neuen musikalischen Leiter. Es ist Martin Geißler. Freunde des Nationaltheaters Mannheim werden sich erinnern: Der heutige Agent für Opernsänger war bis 2007 selbst Gesangssolist an der renommierten Schillerbühne in der Quadratestadt. Bereits seit 19 Jahren wohnt der heute 55-Jährige mit seiner Familie in der Ladenburger Südstadt. Die Arbeit mit dem Kirchenchor sieht der weitgereiste Geißler auch als „Chance, in der Stadt anzukommen“.

Für seinen jüngsten Chor ist der beruflich ebenso als Stimmcoach tätige Geißler ein Glücksfall, der vielfältige Erfahrung mitbringt: So betreibt er unter anderem Stimmbildung mit dem Chor der Jesuitenkirche Mannheim. Als Tenor hat er vor seiner Mannheimer Zeit auch schon an den Wuppertaler Bühnen und am Landestheater Flensburg gesungen. Er gab Gastspiele an der Semper-Oper in Dresden. Obendrein spielt Geißler auch Kirchenorgel: 2008 fing er damit in dieser Region bei der Feudenheimer St. Peter und Paul-Gemeinde an. Seit 2010 ist er auch Organist in der Wallstadter Christkönig-Gemeinde, wo er seit drei Jahren außerdem einen erfolgreichen Projektchor leitet. Dieses Ensemble arbeitet an einer Reihe von Choral-Evensongs, also chorisch vorgetragene Abendlobe, die vor allem in England bekannt sind.

Johannespassion geplant

Mit ähnlichen Projekten in Ladenburg möchte Geißler auch weitere Stimmen für den 21-köpfigen Cäcilienchor gewinnen. Denn mit drei Tenören, drei Bässen, sieben Altstimmen und acht Sopranen kann der Klangkörper bei aller Erfahrung und Sangesfreude ein wenig Verstärkung gebrauchen. So ist beispielsweise geplant, im kommenden Jahr 2020 im Karfreitagsgottesdienst die Johannespassion von Hermann Schroeder für Solosänger und vierstimmigen gemischten Chor a capella aufzuführen. „Daran sollen Sängerinnen und Sänger mitwirken können, ohne regelmäßig zu proben“, erklärt Geißler. Auch eine Evensong-Veranstaltung kann er sich vorstellen. Er fühlt sich für seine neuste Aufgabe von Haus aus gewappnet: „Mein Vater war Kantor, und von daher darf ich sagen: Ich kann Kirchenchor“, erzählt Geißler im Telefongespräch. Das sei für ihn „wie ein Rückerinnung an meine Kindheit“.

Schon als Junge erhielt Geißler musikalischen Unterricht von seinem Vater Edgar. Mit 17 Jahren übernahm er seine erste Stelle als Organist und Chorleiter an St. Maria Hilf Wuppertal. Was er sich für Ladenburg vorgenommen hat? „Ich möchte gerne die Freude der Aktiven am gemeinsamen Singen lebendig halten“, antwortet Geißler. Als ebenso wichtig sehe er es an, die Liturgie zu bedienen, also das Kirchliche so zu betreuen, wie es in St. Gallus Tradition sei. Doch gelte es auch, „Neuerungen einzubringen, damit sich Jüngere und Vielbeschäftigte kirchenmusikalisch engagieren können“.

Vor dem Hintergrund der mit drei großen Neubaugebieten in den kommenden Jahren stark wachsenden Römerstadt hofft Geißler auch auf den Zuzug interessierter Sängerinnen und Sänger. Chorsprecherin Karin Adler zeigt sich begeistert von Geißlers Ansätzen. „Und seine dazugehörige Stimmbildung ist wunderbar“, schwärmt die bereits seit mehr als 50 Jahren aktive Kirchenchorsängerin. Es sei „eine besondere Freude, mit Geißler nahezu nahtlos einen kompetenten Nachfolger für Lukas Thomalla gefunden zu haben.“ Dieser habe nach rund eineinhalb Jahren auf eigenen Wunsch andere musikalische Wege eingeschlagen. „Die gemeinsame Zeit, die sehr harmonisch und für beide Seiten fruchtbar verlief, wird den Chormitgliedern in guter Erinnerung bleiben“, zieht Adler Bilanz.

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