Ladenburg

Ladenburg Kurpfälzer Liedermacherin Joana und Odenwälder Saitenvirtuose Adax Dörsam begeistern bei "Kultur im Domhof"

Kluges Programm voller Humor

Frei nach einem herrlichen Lied von Joana über die "freischwingende Freizeit eines schönen Tags" konnte man am Ende nur feststellen: Was für ein schöner Abend. Mit diesem ausverkauften Konzert in der Reihe "Kultur im Domhof" machte die Künstlerin ihrem Ruf als Kurpfälzer Liederpoetin alle Ehre. Strahlend wie eh und je, die blauen Augen blitzten unter dem roten Pony hervor, zeigte sich die Sängerin mit der markanten Stimme von Anfang an in Hochform. Zum Auftakt gab es in Ladenburg den Klassiker "Als Frau in dem Metier", in dem Joana mit den Tücken und dem hohlen Schein der Musikbranche abrechnet.

Schon nach diesem ersten Song mit der Schlussstrophe "Mich verbrät man nicht nochmal" mischten sich begeisterte Jubelrufe in den Beifall. Keine Frage: Das Publikum wusste Joanas tiefsinnige Texte, kluge Reflektionen, milden Spott sowie auch ihre Selbstironie zu schätzen. Und es genoss die wunderbaren Klänge, die der Odenwälder Meistergitarrist Adax Dörsam beisteuerte. "Wie schön, dass es Adax gibt: Er bringt viele Saiten zum Schwingen und Klingen", sagte Joana, nachdem er ihren mundartlichen Pechsträhnen-Song "Am End' vunn de' Nacht werd's widda hell" so gekonnt akzentuiert hatte. Dennoch heilfroh zeigte sich die sympathische Bardin, dass sie nach ihrem schweren Bühnenunfall vor einigen Jahren inzwischen immer wieder auch selbst zur Gitarre greifen kann.

Wie es ihr in der langen Genesungszeit ergangen war, das drückte sie im "Reha-Lied" aus: "Wenn Schwester Angelina klopft und mit ihrer Wanderspritze tropft". Mit solch vergnüglich dargebotenen Erfahrungen und gereimten Worten konnten sich einige Zuhörer identifizieren, was auch Joana schmunzelnd feststellte.

Die Sängerin und der Gitarrist trafen nicht nur den richtigen Ton, sondern auch die Mischung stimmte: Heiteres und Ernstes wechselten sich ab. Auf Gesang folgten Gedichte, darunter auch etwas von der großen Heidelberger Lyrikerin Hilde Domin.

Das Programm unter dem Motto des Liedtitels "Ich staune bloß" war dazu angetan, zu entschleunigen: Man konnte bei Lieder wie "Ganz einfach" über die Rastlosigkeit unseres Alltagslebens zu sich kommen und fühlte sich dabei bestens unterhalten. Auch von kritischen Liedern wie "Kopfstand", das witzig und klug zum Nachdenken über Klimawandel, Eventkultur, Raffsucht und Rechtsruck anregte. Leise Wehmut schwang mit, als Joana zur Erinnerung an ihre kürzlich verstorbene Kollegin Joy Fleming den Abschiedsgruß vorlas, wie er im "Mannheimer Morgen" zu lesen war. Außerdem sang sie, von Dörsam erneut einfühlsam begleitet, das von ihr für Joy komponierte Mundartlied "Butzekrampel", das unnachahmlich poetisch Gedanken einer Mutter ausdrückt.

Freilich kam auch der Zugabe-Hit "De' Hildegard ihr Yuccapalm'" zu Ehren und räumte Joana ebenso ihrem kongenialen Bühnenpartner gebührenden Raum ein: Der auch als Autor versierte Saitenvirtuose, in dessen Odenwälder Studio Joanas Alben entstehen, glänzte bei schalkhaften Soli und einem Stück an der Harfenzither mit dem Titel "Wolkengespräch": Wunderbar.