Ladenburg

Ladenburg Atheltik-Sport-Verein fürchtet, nach Absage der Meisterschaften auf Kosten sitzen zu bleiben / Unklare Haftungsfragen wegen Corona

Kommen Ringer mit blauem Auge davon?

Unter den dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise leiden sowohl Breiten- als auch Leistungssport. So befolgen viele Vereine die Empfehlungen ihrer Spitzenverbände, das Training einzustellen. Der Wettkampfbetrieb steht auf allen Ebenen weitgehend still. Davon betroffen sind beispielsweise auch die Deutschen Meisterschaften (DM) der B-Jugendringer, die Ende März beim Athletik-Sport-Verein (ASV) in Ladenburg stattfinden sollten. Die Geschichte zeigt auch, wie groß die Unsicherheit bei Haftungsfragen wegen Corona ist.

„Wichtiger Teil der Finanzierung“

Zwischen Hoffen und Bangen schweben die örtlichen Ausrichter, nachdem der Deutsche Ringer-Bund (DRB) als Veranstalter den Termin für die Titelkämpfe vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben hat. „Nun bleibt abzuwarten, wie sich alles entwickelt: Da die DM ein wichtiger Teil der Finanzierung unseres Sportbetriebs sind, hoffen wir im Interesse unseres Nachwuchses, dass wir nicht in eine Schieflage kommen“, erklärt ASV-Ringerchef Maier. Seine Sorge ist es, „auf hohen Kosten sitzen zu bleiben“, die er aber noch nicht genau beziffern könne.

Gespräche mit Hotelbetreibern, bei denen in großer Zahl Zimmer gebucht worden seien, stünden noch aus. Maiers Hoffnungen begründen jetzt sich zum einen darauf, dass die DM ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben worden sind. Zum anderen stellte Bürgermeister Stefan Schmutz dem „MM“-Reporter gegenüber in Aussicht, dass sich der Gemeinderat zu gegebener Zeit mit der Frage nach einer städtischer Unterstützung auf freiwilliger Basis für Vereine und kleine Gewerbetreibende beschäftigen werde.

„In den nächsten Wochen werden unter Berücksichtigung der dynamischen Entwicklung des Coronavirus Ausweichtermine ab Juni dieses Jahres geprüft“, weiß Maier. Er hofft natürlich, finanziell ungeschoren oder mit einem blauen Auge davon zu kommen. Dass es „sinnvoll wäre, abzusagen oder zu verschieben“, das war Maier spätestens klar, als das Ministerium für Soziales und Integration als oberste Gesundheitsbehörde in Baden-Württemberg Großveranstaltungen untersagte.

Denn aus allen 16 Bundesländern erwarteten die Organisatoren um Maier und den ASV-Nachwuchstrainer sowie Kampfrichter Christoph Heckele insgesamt rund 150 jugendliche Athleten. Dazu wären pro Mannschaft jeweils bis zu siebenköpfige Teams an Trainern, Referees und Funktionären sowie das Publikum gekommen: „Wir rechnen mit einem Zuschaueraufkommen von circa 400 Personen an jedem Ausrichtungstag“, so Maier. Obendrein handele es sich beim Ringen um eine Kontaktsportart. Es ging also auch um den Schutz der Athleten. Doch gestaltete sich das Prozedere schwieriger als gedacht: Keiner wollte absagen, weder Stadt noch Gesundheitsamt, Verband oder Verein. „Es ging um die Kosten, denn wer absagt, muss zahlen“, sagt Maier.

Tatsächlich teilt auch Bürgermeister Stefan Schmutz auf Anfrage der Redaktion per E-Mail aus dem Homeoffice mit: „Falls die Stadt abgesagt hätte, wären wir schadensersatzpflichtig geworden.“ Man habe bewusst die Empfehlung ausgesprochen, die Meisterschaften abzusagen oder zu verschieben, sodass die Verantwortung dem Veranstalter obliege, einschließlich der finanziellen Konsequenzen. Doch hätten sich zwischenzeitlich die Ereignisse ohnehin überschlagen, so Schmutz: „Die rechtliche Lage ist neu zu bewerten, da das Land auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes sämtliche Veranstaltungen untersagt hat.“

Hilfe von der Stadt?

Welche Schadensersatzforderungen durch welche Versicherung abgedeckt seien und wer welche Kosten zu tragen habe, das sei eine Frage, mit der man sich angesichts der Dramatik der Ereignisse derzeit noch nicht beschäftigen könne. „Dies gilt es in den kommenden Wochen aufzuarbeiten“, schreibt Schmutz. Da sei die Ringer-DM jedoch eine Veranstaltung von vielen. „Wir werden uns sicherlich im Gemeinderat mit der Frage beschäftigen, wie wir im Falle finanzieller Schäden durch die aktuelle Krise für Vereine, aber auch für kleine und mittlere Gewerbetreibenden eine angemessene Unterstützung auf freiwilliger Basis bereitstellen können“, führt Schmutz aus.

„Man kann in der aktuellen Situation gerade niemandem verdenken, weder im Sport noch in Wirtschaft, Politik oder auch in den Medien, wenn die ein oder andere Frage nicht sofort abschließend geklärt werden kann“, bestätigte der ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam in einem am 12. März veröffentlichten Interview gegenüber sportschau.de. Das Thema Schadensersatz bei Ausfall einer Sportveranstaltung gelte als Neuland für alle Beteiligten. Es herrsche „große Unsicherheit über Haftungsfragen“.

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