Ladenburg

Ladenburg Geschichtsverein Heimatbund stellt in der Alten Kochschule Jahrbuch 2018 vor / Wertvolle Beiträge von Stadtarchivar Gülck

Kopiert die mittelalterliche Stadt Rom und Jerusalem?

Archivartikel

Wie wertvoll die Stelle des Stadtarchivars in einer historischen Römer- und Mittelalterstadt ist, hat Oliver Gülck erneut unter Beweis gestellt: Nicht nur, dass er gewissenhaft das „Gedächtnis von Ladenburg“ betreut, er engagiert sich neben Ulrich Erhardt und Meinhard Georg unter anderem auch als Redakteur sowie Autor des Jahrbuchs, das der 1926 gegründete Heimatbund seit 2010 in Fortsetzung seiner einstigen Zeitschrift und Zeitungsbeilage „Der Lobdengau“ herausgibt. Den Inhalt des aktuellen Bandes stellte Carola Schuhmann als Chefin des Geschichtsvereins mit Gülck und Erhardt jetzt in der Alten Kochschule vor.

„Es wurde wieder eine sehr schöne Auswahl von spannenden Artikeln getroffen“, lobte Schuhmann das Redaktionstrio. Für die Umschlaggestaltung - diesmal mit einem Erhardt-Foto vom Lobdengau-Museum als einstigem Sitz des früheren Bezirksamtes - dankte sie Karl-Peter Klaus. Zu den Beiträgen: „Hochinteressante Thesen“, so Schuhmann, lege der promovierte Archäologe Thomas Küntzel aus Göttingen zum Ausbau der Stadt im zehnten und elften Jahrhundert vor. Diese Zeit liege im Dunkel der Geschichte, und der hochlesenswerte Aufsatz trage zur Aufhellung bei. „Für mich ist es aber schon sehr verwegen, Rom und Jerusalem als Vorbilder für die Stadtplanung Ladenburgs im Mittelalter anzusehen“, und diese wiederum als Blaupause für Stadtanlagen wie St. Gallen, Naumburg und Eberbach.

Dass Ladenburg nach seiner mittelalterlichen Blütezeit und dem Weggang der Wormser Bischöfe keineswegs in einen „langen Dornröschenschlaf“ versank, wie auch in der Smartphone-Anwendung „Ladenburg-Audioguide“ zu lesen sei, möchte Vorstandsmitglied Erhardt mit einem seiner beiden Aufsätze im Jahrbuch belegen: Als ehemaliges Oberamt ab 1705 und badisches Bezirksamt ab 1803 habe die Stadt eine zentrale Funktion mit staatlichen Aufgaben für 13 Gemeinden der Umgebung gehabt. Dokumentiert werden Vorsteher des Bezirksamtes und überörtliche Aufgaben. In einem weiteren Beitrag stellt Erhardt mit einem Spross des Namensgebers der örtlichen Babo-Gasse einen historischen Sohn Ladenburgs vor: Lambert Heinrich von Babo sei im 19. Jahrhundert ein Pionier der Biochemie gewesen.

„Viele wissen gar nicht, welche bedeutenden Leute hier geboren wurden“, sagte der Autor, der sich für diesen Beitrag „durch viele Archive gewühlt hat“ (Schuhmann), und fügte bei der Präsentation schmunzelnd hinzu: „Was Babo Junior genau gemacht, steht im Artikel.“ Lust aufs Lesen des Jahrbuchs machen auch Gülcks „Danksagungen von der Front“. Dieser Text widmet sich Feldpostkarten von Ladenburger Soldaten des ersten Weltkriegs (1914-1918).

Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs und der Einnahme Ladenburgs Ende März 1945 aus US-militärischer Sicht befasst sich Heimatforscher Hermann Dunda eingehend.