Ladenburg

Schriesheim/Hirschberg Sherwin Ramzani Douki sichert sich begehrten Studienplatz an Theaterschule in England

„Luther von Ladenburg“ geht bald nach London

Archivartikel

Der „Luther von Ladenburg“ geht zum Theaterstudium nach London: Sherwin Ramzani Douki gehört zu den 20 Glücklichen unter jährlich 3000 Bewerbern, die einen Studienplatz an der traditionsreichen „Royal Central School of Speech and Drama“ (CSSD) erhalten haben. „Das ist überwältigend, und ich kann es immer noch nicht realisieren, dass ich es geschafft habe“, sagt der 18-Jährige. Im Oktober beginnt das Abenteuer, das für den jungen Künstler möglichst zum Karriere-Sprungbrett werden soll.

Noch sitzt der Hauptdarsteller jenes Musicals von 2017 über den weltbewegenden Kirchenreformer quasi auf gepackten Koffern in Leutershausen, wo er seit 2017 wohnt. Aufgewachsen ist er in Schriesheim: Am Heinrich-Sigmund-Gymnasium hat er gerade Abitur gemacht. „Englisch- und Kunstlehrerin Sibylle Zipperer, die im englischen York studierte, hat mich immer bestärkt, was London betrifft“, erzählt der kreative Kopf, der voller Projektideen steckt.

Statistenrolle entfachte das Feuer

Auch an der Musikschule Schriesheim, wo er verschiedene Instrumente erlernte und zurzeit bei der grandiosen Heidelberger Sängerin Stjerne Giesel Unterricht nimmt, formt er früh Begabungen aus. Bereits 2011 wirkt er als Statist bei „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ am Nationaltheater Mannheim mit. „Das war eine wahnsinnig tolle Erfahrung, denn von da an wusste ich: So was will ich machen“, erinnert sich der angehende Schauspielstudierende.

Beachtliches hat er bereits vorzuweisen: 2015 glänzt der Jugendchorsänger im Musical „Bauchgefühl“ des Gesangvereins Liederkranz. Vergangenes Jahr bewirbt er sich beim Vorsingen erfolgreich für das gelungene Luther-Singspiel der evangelischen Kirchengemeinde Ladenburg. Die entscheidende Idee kommt Sherwin 2016 bei seiner ersten Sprachreise nach England: Bei seiner Gastfamilie sieht er die Neuverfilmung von „Cinderella“ – und ist verzaubert von Darstellerin Lily James. Diese hatte eine andere berühmte Theaterschule in London absolviert, an der sich Sherwin jedoch erfolglos bewirbt. „Aber das Fieber hatte mich gepackt, und ich will einfach erfahren, wie ich ganz woanders bin“, sagt der ebenso ambitionierte Liedermacher, der als Straßenmusikant auftritt und bereits als Kind verkleidet die Familie unterhält. Doch auch die folgenden Bewerbungsgespräche verlaufen ernüchternd: „Die Professionalität der Leute machte mir Angst.“ Glücklicherweise ist sein Englisch hervorragend. „Und reden konnte ich schon immer gut“, sagt Sherwin strahlend.

Es falle ihm auch leicht, in Rollen zu schlüpfen. Dennoch: Nach zwei Vorsprechen folgt erneut eine Absage. Kurz darauf teilt ihm die Schule jedoch mit, dass sich die Bewerbung für zwei weitere Fächer lohnen könnte. Er besteht das Interview und entscheidet sich überglücklich für „Angewandtes Theater“.

Die Zusage erreicht ihn am letzten Tag seines Praktikums an der Kopfklinik in Heidelberg, wo sein Vater Ghodrat arbeitet, während Mutter Maryam bei der Heidelberger Bergbahn sowie als Fußpflegerin tätig ist. „Beim Gespräch mit einem Patienten, dem es endlich wieder besserging, summte die E-Mail auf meinem Handy“, berichtet Sherwin von dem Moment, als sich sein großer Traum erfüllte.

Vorerst bei Gastfamilie zu Hause

„Das bedeutet mir persönlich ganz viel“, sagt er. Zumal es ab März 2019 wegen des „Brexits“, dem geplanten Austritt der Briten aus der Europäischen Union, schwieriger wird, als Ausländer ein Studium in England zu beginnen. Obendrein freut es ihn, dass mit der Schriesheimerin Sarah Schaible seine beste Freundin seit Kindertagen an der renommierten „London School of Economics and Political Science“ studieren wird.

Während sie einen Platz im Wohnheim hat, muss sich Sherwin Zimmer und Job noch suchen. Zum Glück nimmt ihn eine frühere Gastfamilie vorerst auf. „Diese Leute sind wie alle, die ich dort kennengelernt habe, gegen den Brexit.“ Ihre Gastfreundschaft erinnert ihn an das große Herz seiner geliebten Schriesheimer „Oma“ Christa Grüber, die erst seinen Vater nach der Flucht aus Persien bei sich aufnahm und später die dreiköpfige Familie. Sherwin weiß: „Oma Christa verdanke ich nicht nur mein akzentfreies Deutsch, sondern noch viel mehr.“