Ladenburg

Ladenburg Bänz Oester & The Rainmakers begeistern mit Jazz im Leicht & Selig

Magische Momente zum Zehnjährigen

Am Ende der letzten Session und der Zugabe im Leicht & Selig Jazzclub in Ladenburg hielt es vor Begeisterung keinen mehr auf seinem Sitz, auch Thomas Glemming nicht mehr. Während alle anderen frenetischen Beifall spendeten, stand der Gast vom Heidelberger Jazzhaus regungslos da, als könne er noch nicht glauben, was er gerade gehört und gesehen hat: „Unglaublich! Ich bin begeistert! So was hab ich noch nicht erlebt!“ Bänz Oester & The Rainmakers waren zu Gast und haben sich mit einem „magischen Moment“ im Leicht & Selig musikalisch verewigt.

Dabei bezeichnete Phil Leicht mit dem „Magic Moment“ eigentlich das Geburtstagslied, das im ersten Teil der Session gespielt wurde: Zehn Jahre ist sein Jazzclub alt geworden, fast auf den Tag genau. Er blickte kurz zurück in die Clubgeschichte, auf die Anfänge in der ersten Location, ein paar Häuser weiter. Seit 2012 sind sie in Hauptstraße 64, am „Platz der Idealisten“, wie die inoffizielle Zweitadresse lautet. Ein Seiteneingang führt hinein, es geht ein paar Stufen hinab in das Wohnzimmer, wie in so manchem Jazzclub in New York oder Chicago.

Zehn Jahre, da ist viel passiert im Leicht & Selig, da traten Größen auf wie das Axel Kuhn Trio, Simon Tander, malstrom, oder Nils Petter Molvar – der Trompeter hatte mal nach einem Konzert im Leicht & Selig eingestanden, dass „ich noch nie vor so wenig Leuten gespielt habe.“ Auch Phil Leicht spricht ehrlicherweise von solchen Konzerten, „in denen wir alleine waren mit den Musikern“. Es gehört viel Idealismus dazu, nach solchen Momenten nicht aufzuhören. Aber es gab eben auch immer wieder diese „magischen Momente“, in denen „wir 60 Leute und mehr hier hatten, als die Musiker fast nicht wussten, wo sie spielen sollen, es gab keinen Platz mehr.“

Schlechte Luft – aber keiner geht

Am Dienstagabend passierte wieder so ein „magischer Moment“. Von dem Geburtstag der Location wusste niemand, und, ganz ehrlich, Bänz Oester & The Rainmakers kannte auch kaum jemand, zumal sie in dieser Formation zum ersten Mal öffentlich auftraten. Und dennoch, der Laden quoll fast über. Die Luft war zum Schneiden, der Jazz ohrenbetäubend und der Wein warm – aber gehen wollte keiner.

„Die Zeiten von kammermusikalischem Jazz mit regionalen Gruppen sind hier vorbei“, sagte ein Besucher in der Pause, das Leicht & Selig ist mittlerweile im Zentrum des Jazzorbits angekommen. Nicht zuletzt auch dank dem genialen Coup, den Phil Leicht mit Bänz Oester & The Rainmakers an Land gezogen hat: „Die bekommst du nie“, habe man ihm prophezeit. Er nahm trotzdem Kontakt auf, und am Ende hatte er die vier in seinem Club: Bänz Oester aus Bern am Bass, aus Johannesburg Schlagzeuger Ayanda Sikade und am Piano Afrika Mkhize sowie als Neuzugang aus Valencia Javier Vercher am Tenorsaxofon.

Die Band kommt nur selten zusammen: „Wir kommen aus Südafrika, proben einen Tag und überlegen, was wir machen, und dann gehen wir auf die Bühne“, erklärte Mkhize im Gespräch mit dem „MM“. Viele Proben brauchen die vier auch nicht, sie spielen sich die Bälle zu, steigern sich in Ekstase bis zum musikalischen Höhepunkt und kommen dann ganz langsam wieder runter. „Sikade kannst Du nicht bremsen, wenn der spielt, ist der nicht mehr zu stoppen.“ Ein schneller Jazz, gefühlvoll und bisweilen auch komisch, wenn Vercher am Tenorsaxofon ein „deutsches Lied anstimmt“, das sich als Smetanas Moldau entwickelt. „Wir haben ihn zum ersten Mal dabei und sind alle ganz begeistert“, lobte Oester. Auch das Publikum ist begeistert: „Hammer, ich bin total geflasht“, kommentierte ein Zuschauer am Ende: „Und ich kann sagen, ich war dabei!“

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