Ladenburg

Ladenburg 1. Filmfestival WaLa widmet sich dem Thema Flucht und Menschenwürde / Beitrag von Angelina Jolies Produktionsfirma angefragt

Mini-Teppiche mit Logo als Preise

Archivartikel

Das südfranzösische Cannes hat das weltweit wohl bekannteste Festival. Auch Städte wie Berlin, Locarno, Venedig und Montreal verleihen Preise. In diese Runde reiht sich jetzt die Römerstadt ein: Das 1. Internationale Filmfestival Ladenburg feiert am Freitag, 20. Juli, Premiere. Es heißt „WaLa“. Schirmherr ist Bürgermeister Stefan Schmutz. Im Pressegespräch erläutert Festivalleiter Hassan Nazeri (46), worauf es ihm ankommt. Und warum er hofft, dass sich seine Idee, handgeknüpfte Mini-Teppiche mit dem Festivallogo als Jurypreise vergeben zu können, noch umsetzen lässt.

Kontakte zu Jolie-Firma

Bereits beachtlich: Mit der Produktionsfirma des US-Filmstars Angelina Jolie („Lara Croft“) steht der in der Branche vernetzte afghanische Filmemacher Nazeri bereits in engem Kontakt. Doch ist es nach seinen Angaben „noch nicht ganz sicher“, ob die auch als Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks tätige Jolie ihren Film „Bread Winner“ (Brötchenverdiener) tatsächlich in Ladenburg einreicht, da es weitere Anfragen gebe.

Allerdings lasse Jolies Büro Sympathien für Nazeris Projekt erkennen. Da mag dann mancher darauf spekulieren wollen, ob die Jolie, die unter anderem deutsche Vorfahren hat, das Festival womöglich sogar mit einem Besuch beehrt. Dies gilt bislang aber eher als unwahrscheinlich.

Sicher ist: Der 2012 für den Filmpreis „Oscar“ nominierte Stefan Gieren zeigt das Doku-Drama „Kunduz“. Mit Mirco Günther wird der Chef des afghanischen Büros der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die den Film „Return“ über abgeschobene Afghanistan-Rückkehrer zeigt, zur Eröffnung im Domhof erwartet. „Sicherheit in Afghanistan“ ist das Thema des ersten Festivaljahres, das eine Reihe begründen soll. Wer ist Nazeri? Der hierzulande anerkannte politische Flüchtling musste in Afghanistan aufgrund kritischer Dokumentarfilme um sein Leben fürchten. „Mir wurde sehr deutlich gemacht, besser auszureisen“, sagt der frühere Filmregie-Dozent an der Universität Kabul, der inzwischen Deutsch spricht. Wir treffen ihn in der früheren Stadtinformation nahe des Wasserturms. Dort hat Nazeri ein Büro bezogen, das ihm Schmutz zur Verfügung stellte.

„Ich finde diese Initiative einzigartig, auf Basis ehrenamtlicher Strukturen die Idee eines internationalen Filmfestivals, das die Vielfalt der kulturellen Angebote in unserer Stadt sicher bereichert, in die Tat umzusetzen“, sagt Schmutz. Eine finanzielle Förderung seitens der Stadt sei jedoch nicht geplant. Nazeri kam 2013 nach Deutschland und ist in Ladenburg bekannt, seit er sich als Übersetzer und Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Rathaus engagierte. Heute wohnt er in Mannheim und arbeitet in Landau. „Ladenburg ist und bleibt das Paradies und meine zweite Heimat nach Waras in Afghanistan“, sagt Nazeri. Die beiden Anfangssilben jener Städte bilden den Festivalnamen „WaLa“, was im Persischen Menschenwürde bedeutet.

„Auf die Suche nach der verlorenen Würde des Menschen“ (Motto) sollen sich auch die Festivalbeiträge begeben. Denn es gebe auf der Welt eine neue Nationalität mit 60 Millionen Menschen: Flüchtlinge. „Diese Leute brauchen Hilfe“, sagt Nazeri. Das Festival soll darauf aufmerksam machen sowie Offenheit wecken. Zudem will Nazeri Ladenburg „etwas zurückgeben und es mit kulturellen Aktivitäten berühmt machen“.

Filme und Seminar

Das Festivalplakat zeigt den Umriss einer der vom Taliban-Regime zerstörten Buddha-Statuen des Weltkulturerbes von Bamiyan. Gestaltet hat es die junge Ladenburger Grafikdesignerin Myriam Kühn. Neben Vorführungen von 20 bis 30 Filmen aller Genres findet ein Seminar über afghanisches Kino statt, das der Golden Globe-Gewinner Siddiq Barmak leitet. Es gibt eine Karikaturenausstellung von Nader Jalali.

Als Preise will Nazeri handliche Teppiche überreichen. Dies käme nämlich einer wichtigen afghanischen Hilfsorganisation für Straßenkinder als Herstellerin zugute, die Fluchtursachen lindert. Noch gibt es offene logistische Fragen. Schirmherr Schmutz bemüht sich jedoch um Hilfe.