Ladenburg

Ladenburg Peter Hellriegel wurde vor 13 Jahren transplantiert / Bei den „World-Transplant-Games“ in Großbritannien wurde der Ladenburger Lehrer Sieger im Weitsprung

Mit neuer Leber aufs Siegertreppchen

Archivartikel

Rund 12 000 schwerkranke Menschen warten in Deutschland auf eine lebensrettende Organspende. Nur etwa einem Drittel kann jährlich geholfen werden, so die Stiftung Organtransplantation. Grund: Es gibt zu wenig Spenderorgane.

Peter Hellriegel aus Ladenburg hatte Glück: Er erhielt im Januar 2006 in der Heidelberger Uniklinik eine Spenderleber, nachdem die Ärzte zuvor eine seltene, unheilbare Autoimmunerkrankung festgestellt hatten. Der heute 55-Jährige erholte sich gut von dem schweren Eingriff.

Längst arbeitet er wieder als Sonderschullehrer an der Ladenburger Martinsschule, leitet das Sonderpädagogische Beratungszentrum für körperliche und motorische Entwicklung von Kindern und wirbt, so oft er kann, für das Organspenden.

Und dann gibt es noch den Sport: 2015 wurde Hellriegel bei den „World Transplant-Games“ in Argentinien Weltmeister im Brustschwimmen, holte im Weitsprung Silber holte und kam 2017 in Spanien erneut mit Silber aufs Treppchen. Im englischen Newcastle wurde er jetzt in der Altersklasse 50 bis 59 Jahre Weltmeister im Weitsprung.

Über 1500 Teilnehmer aller Altersgruppen kämpften in Norden Englands eine Woche lang um Medaillen. Sie kamen aus 55 Ländern und sind allesamt Herz-, Lungen-, Nieren-, Leber-, Dünndarm oder Knochenmark-transplantiert. Auf der Insel traten sie in den Sportarten Schwimmen, Radfahren, Tennis, Tischtennis, Badminton, Volleyball und Golf sowie Leichtathletik an.

Mit einer Weite von 4,88 Meter verwies der Athlet den Irländer Pat O’Sullivan (4,72 Meter) und den Polen Andrzej Haj (4,67 Meter) auf die Plätze. „Ich bin glücklich, nach zehn Jahren wieder ganz oben auf dem Treppchen zu stehen“, so der Sportler, der zuhause mit großem Jubel empfangen wurde.

Peter Hellriegel, viele Jahre Vorsitzender des Turnvereins Büchenau bei Bruchsal, wurde schon 2009 in Australien Weitsprung-Weltmeister. Damit gehört der leidenschaftliche Sportler inzwischen zu den weltweit erfolgreichsten transplantierten Athleten.

Diesmal trat er nicht nur im Weitsprung, sondern auch noch beim Schwimmwettbewerb an. Im Finale über 50 Meter Brust musste er jedoch hinter Athleten aus Polen, den Niederlanden und Großbritannien mit dem vierten Platz Vorlieb nehmen.

„Mir ist beim Start leider die Schwimmbrille verrutscht. Eigentlich wäre mehr drin gewesen“, berichtet der Ladenburger. Immerhin, beim Wettkampf wurde er von seiner Familie angefeuert: Mit ihm reisten nämlich seine Lebensgefährtin und Töchterchen Ella nach Großbritannien, das am Finaltag gerade mal acht Wochen jung war.

Ihr Vater hat sich bereits neue, ehrgeizige Ziele gesetzt: „Im nächsten Jahr finden wieder die Europameisterschaften statt“. Er will dabei sein als leidenschaftlicher Verfechter der Organspende, der nicht müde wird, für seine Ziele zu kämpfen und die Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit eines Organspender- Ausweises hinzuweisen.

Hellriegels Name ist Kennern vertraut: Thomas Hellriegel ist direkt mit dem Ladenburger verwandt. Er gewann 1997 den härtesten Triathlon der Welt in Hawaii und darf sich seither „Ironman“ nennen. Peter Hellriegel will indes seinen Disziplinen treu bleiben: „So lange es irgendwie geht geht und ich mich gut fühle, werde ich starten.“

Info: Informationen unter www.transdiaev.de

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