Ladenburg

Ladenburg Anneliese Weiss erblickte vor 100 Jahren das Licht der Welt / Aus dem sächsischen Oschatz in die Kurpfalz

Mit „Ratze“ und Rätseln munter geblieben

Archivartikel

Vor 100 Jahren: Das Ende des Ersten Weltkriegs lag erst ein Jahr zurück. Der spätere Hai-Filmer Hans Hass und „Old Shatterhand“-Darsteller Lex Barker kamen 1919 ebenso auf die Welt wie Argentiniens „Evita“ Peron und Loki Schmidt, die Frau des früheren deutschen SPD-Bundeskanzlers. Doch keine dieser prominenten Persönlichkeiten, die alle nicht mehr leben, wurde am 6. September im sächsischen Oschatz geboren wie Anneliese Weiss.

Ihr 100. Geburtstag fällt auf den heutigen Freitag. „Ich habe es mir immer gewünscht, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffe, 100 zu werden“, sagt sie noch vor wenigen Tagen beim Gespräch in ihrer Ladenburger Wohnung. Sie fühle sich geschwächt, hoffe aber, in der Lage zu sein, Bürgermeister Stefan Schmutz empfangen zu können. „Ich würde mich freuen“, erklärt die Friseurmeisterin. Per Zufall habe sie Schmutz an seinem ersten Tag in Ladenburg kennengelernt und festgestellt, dass er „sehr nett“ sei. Ihr sächsischer Zungenschlag ist immer noch hörbar. Darauf angesprochen, lächelt sie verschmitzt. Ihren Humor hat sich die lebensfrohe und bis vor zwei Jahren noch bei närrischen Feiern Aktive des Karnevalsvereins „Ladeberger Ratze“ immer bewahrt. Unvergessen: ihre fröhlichen Auftritte als längst hochbetagte „Hexen-Rätin“ bei früheren Rathaus-Stürmen und Fastnachtsprogrammen. „Familie und Freunde haben mir am meisten Freude bereitet“, erzählt die gesellige Mutter und fünffache Großmutter. Ihr Sohn wohnt in Karlsruhe, aber ihre Tochter gleich um die Ecke. „Das ist ein großes Glück“, findet die leidenschaftliche Rätselfreundin, da sie gesundheitlich eingeschränkt ist. „So lange ich noch in meiner Wohnung sein kann, ist die Welt in Ordnung“, sagt sie tapfer. Sie weiß auch: „Im Haus wohnen nette Leute.“ Mit solchen habe sie sich stets gerne umgeben: „Als ich mir vor kurzem wieder Fotoalben von früher angeschaut habe, waren da nur lachende Gesichter zu sehen.“ Bedauerlich sei nur, dass es fast alle anderen inzwischen nicht mehr gebe. Ihr erster Mann fiel als Soldat kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit dem Töchterchen machte sich die Kriegerwitwe auf nach Mannheim, wo sie Arbeit fand. Dort lernte sie auch ihren zweiten Mann Ernst Weiss kennen. „Er war Ladenburger“, erzählt Anneliese Weiss. So kam die bald vierköpfige Familie in die Römerstadt. 

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