Ladenburg

Ladenburg/Ilvesheim Auch 2019 soll „vielerorts“ möglichst wieder stattfinden / Besucher spenden 2400 Euro

Mitveranstalter Thomas Nestler: „Tage voller Inspiration“

Archivartikel

Die 2. Ladenburger Literaturtage unter dem Motto „vielerorts“ waren erneut ein voller Erfolg. Dies teilte die Lyrikerin Carolin Callies im Namen der ehrenamtlichen Veranstalter erfreut mit. Erneut habe das Literaturfestival viele Menschen in doppelter Hinsicht bewegt. Bei strahlendem Sonnenschein zogen nämlich, so die Organisatoren, insgesamt über 1400 Lesefreunde aus der gesamten Region durch die Altstadtgassen und lauschten bei insgesamt 16 Lesungen in privaten Höfen, Gärten, Galerien und im Museum literarischen Größen und Talenten.

„Insgesamt kam während der vier Tage die enorme Summe von 2400 Euro an Besucherspenden zusammen, sodass die Literaturtage wahrscheinlich im kommenden Jahr fortgeführt werden können“, sagt Callies. Mit diesen Literaturtagen sei „ein weiteres Highlight in die kulturell stark aufgestellte Metropolregion eingezogen“. Nicht allein der Charme der Vorlesenden, sondern auch der Zauber der Örtlichkeiten habe fasziniert.

Besucher lachen herzhaft

Ein Höhepunkt reihte sich tatsächlich an den anderen: Die 1986 geborene Stefanie Sargnagel provozierte hinreißend mit Wiener Zungenschlag und äußerte sich in der voll besetzten Zehntscheuer schonungslos über verblüffend ähnliche patriarchalische Kulturen im Morgen- und im Abendland. Die im Iran geborene und ebenfalls in Österreich lebende Nava Ebrahimi erwies sich in der Nagelschmiedgasse als verdiente Debütpreisgewinnerin, die im März schon zu Gast beim Festival für Neue Literatur in New York City war.

Ebenso ein Hit: Bei Ijoma Mangold drängten sich über 150 Personen in den Privatgarten in der Luisenstraße, wo der „Zeit“-Literaturkritiker aus seiner Kindheit in Dossenheim erzählte. Der erfolgreiche Lyriker Jan Wagner brachte den Neugasse-Innenhof zum herzhaften Lachen. Der großartige Schweizer Erzähler Michael Fehr beeindruckte in der Galerie „Leicht & Selig“ mit unbändigem Spaß an Sprache und einer völlig freien Performance von Geschichten aus seinem Buch „Glanz und Schatten“, die am Schluss in einen Whisky-Bluessong übergingen.

Krawatten zur Erinnerung

Originell: Bei der Lesung in der Galerie Linde Hollinger am Ort einer ehemaligen Manufaktur in der Rheingaustraße gab es Krawatten von einst zur Erinnerung mit auf den Heimweg. Zum sonntäglichen Abschluss radelten rund 40 Literaturfans von Ladenburg zur Heinrich-Vetter-Stiftung nach Ilvesheim. Unter einem Nussbaum las der Autor und Radsportler Joachim Zelter auch vor einigen Inselbewohnern ebenso unterhaltsam wie bedenkenswert aus „Im Feld“. Für Mitveranstalter Thomas Nestler waren es „Tage voller Inspiration“.

Antje Kietzmann (Stadtbibliothek) freute sich, dass es gelang, auch „unbekannteren Autoren ein Forum zu geben“. Die Stärke dieses Festivals sei sein Abwechslungsreichtum, sagt Callies und fasst zusammen: „Wir wollen zeigen, was heute mit Sprache und in der Literatur alles möglich ist.“ Das Programm organisierten ein Arbeitskreis um die Stadtbibliothek, deren Förderverein, Buchhandlung am Rathaus, die beiden Lyrikerinnen Carolin Callies und Kristin Wolz sowie Alexander Spangenberg und Rainer Ziegler.