Ladenburg

Ladenburg Gerd Nover, ehemaliger Lehrer am Carl-Benz-Gymnasium, debütiert mit dem Abenteuerroman „Aymarah“ als Autor / Schauplätze in der Region

„MM“-Artikel setzt Schreibfluss in Gang

Archivartikel

Für seinen beruflichen Ruhestand hat sich Gerd Nover drei Projekte vorgenommen. Bereits getrost abhaken kann er den früher eher naturnahen Garten hinter seinem liebevoll umgebauten Haus am Rande der Ladenburger Altstadt: Dort grünt und blüht es nämlich nur so, als wir den früheren Lehrer für Englisch und Mathematik am Carl-Benz-Gymnasium der Römerstadt besuchen.

Der ehrenamtliche Einsatz, den er sich nach seiner Pensionierung vor drei Jahren ebenso zum Ziel gesetzt hatte, kommt schon über zwei Jahre Flüchtlingen zugute, die Nover in Deutsch und Mathematik unterrichtet. Das dritte Vorhaben steht erst kurz davor, das Licht der Welt zu erblicken. Nover ist mächtig gespannt, wie es ankommt: Er hat nämlich einen Jugend- und Abenteuerroman geschrieben.

Thema gesellschaftlicher Brisanz

„Aymarah“, so der geheimnisvolle Titel, geht locker auch als Wissenschaftskrimi durch und dürfte sogar Erwachsene fesseln, wie sich beim Lesen des Korrekturexemplars herausstellt. Denn die Handlung enthält überraschende Wendungen und entwickelt einen Sog, dem sich der Leser kaum entziehen kann.

Auch wenn alltägliche Themen des Lebens Jugendlicher eine Rolle spielen: Lebendige Dialoge, plastisch gezeichnete Figuren und eine durch die anglistische Literatur geschulte Sprache bereiten nicht nur dem Zielpublikum ab 13 Jahren Vergnügen. Zumal der Roman auch der Frage nachgeht, wie die Gesellschaft mit modernen Entwicklungen umgeht, die ebenso Positives wie extrem Negatives zeitigen.

„Ich habe schon als Student ein Kinderbuch geschrieben“, erzählt Nover. Seine Vorstellung, einmal im Leben ein Buch zu verfassen, reift also schon länger. Der damals ausgewählte Weinheimer Verlag lehnt den Erstling ab, der unveröffentlicht bleibt.

Doch ist es heute relativ einfach und preisgünstig, sein eigenes Werk bei darauf spezialisierten Verlagen selbst herauszubringen. „Man bekommt Anleitungen und Formatvorlagen“, erklärt Nover, „aber man muss alles selbst machen.“

Zu allererst natürlich das Schreiben. Die ersten Motive zu „Aymarah“ erscheinen Nover 2007 im Traum. Daraus entsteht bis 2015 der eigentliche Stoff. Es geht um lange unvorstellbare Zukunftstechnologien und so dunkle Seiten der Hirnforschung, dass man nicht wissen möchte, wovon man als Schriftsteller eigentlich so träumt.

Zwei Jahre später fühlt sich Nover fast von der Realität eingeholt: Wie elektrisiert liest er 2017 im „MM“ einen Artikel über das neue Heidelberger Zentrum für neuromorphe Computer, denen das menschliche Gehirn als Vorbild dient – und macht sich sofort an die eigentliche Arbeit.

So entsteht im vergangenen Winter die spannende Geschichte des 16-jährigen Romanhelden Silas und seiner Schwester Mia, die mit einer Abiturfeier in Ladenburg beginnt. Für den Einband hat Nover ein Foto aus dem Schriesheimer Steinbruch bearbeitet. Auch zwischen den Buchdeckeln tauchen immer wieder Bezüge zu seiner Heimatregion auf, was den Reiz erhöht.

Vor 67 Jahren geboren, wächst Nover in Mannheim auf. In Heidelberg studiert er Anglistik und Mathematik, promoviert, wird Lehrer am Johanna-Geissmar-Gymnasium im Norden von Mannheim und zieht 1984 mit Ehefrau Sibylle nach Ladenburg. Die Töchter Hannah und Lea kommen zur Welt. Von 2002 bis 2015 unterrichtet Nover am CBG. „Es war die richtige Berufswahl, und es hat bis zum Schluss Spaß gemacht – außer dem Korrigieren von Arbeiten.“

Ironie der Geschichte, dass Nover im Ruhestand seinen Roman ein weiteres Mal komplett Korrektur lesen muss, weil beim elektronischen Übermitteln die Formatierung des Textes verloren gegangen ist. Dennoch: Häkchen hinter dem dritten Projekt im beruflichen Ruhestand.