Ladenburg

Ladenburg Internationaler Aktionstag rund ums Lobdengau-Museum / Heimatbund zu Gunsten der Stiftung aktiv

Modenschau und Countrymusik locken rund 500 Besucher an

„Gar nicht so einfach, das gleichmäßig in Schwung zu halten.“ Bürgermeister Stefan Schmutz staunt, als er für wenige Minuten die Drehorgel von Heinz Wroz bedient. Diese spontane Einlage im Freiluft-Café des Geschichtsvereins Heimatbund vor der Alten Kochschule zählt freilich nicht zum offiziellen Ladenburger Programm eines internationalen Aktionstages. Das bundesweit ausgerufene Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ weiß Dr. Andreas Hensen als Leiter des benachbarten Lobdengau-Museums unter anderem mit Papier-Modenschau, Livemusik und einer prunkvollen Pilgerflasche von 1602 mit Leben zu füllen.

„Damit locke ich Leute an, die sonst eher nicht ins Haus kommen würden: Diese Strategie verfolge ich schon lange“, erklärt Hensen. Hat er doch die folgende Erfahrung gemacht: „Wenn sich hier beispielsweise etwas abspielt, was die Kinder beim Mittagessen erzählen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie mit den Eltern wiederkommen.“

Die Geschichtsinteressierten, die über das attraktive Angebot Bescheid wüssten, erreiche man sowieso. Das Konzept geht auf und trotzt sogar der Aussicht auf Unwetter am Muttertag: „Nach katastrophalen Wetterprognosen haben sich die Besucherzahlen im Laufe des Tages überraschend gut entwickelt“, zeigt sich Hensen am Ende zufrieden: An den Eingängen hätten die Mitarbeiter 474 Besucher des Museumstags gezählt.

Kleider aus Papier

„Zauberhaft“, zeigt sich Ingrid Höhle begeistert von der „unwirklichen Welt des Papiers“. So lautet das Motto der Modenschau mit Kunstwerken von Noémie Reichert, die 13 Laien-Models zum dritten Mal in den Katakomben vorführen. Ihr Umkleideraum: der benachbarte historische Weinkeller der Wormser Bischöfe und einstigen Stadtherren. Als Laufsteg dient den Mädchen und Frauen ein roter Teppich, den Museumsmitarbeiterin Erika Duske besorgt hatte. Inmitten von antiken Säulen und Römerzeit-Dioramen mit Legionärfiguren bewundern die Zuschauer prachtvolle Gewänder und Kopfschmuck aus Papier, die so textil wirken, dass es kaum zu glauben ist. Doch ist bei dieser Kollektion tatsächlich nichts gewebt.

„Eine tolle Geschichte“, kommentierte Romy Schilling, die frühere Chefin den Schriesheimer Kulturkreises, den Einblick ins römische Lopodunum, den Jürgen Kettner Besuchern gewährt: Unter seinem in Ladenburg schon bestens bekannten Pseudonym „Secundus Alba“ führte der Experimentalarchäologe diesmal als römischer Librator (Fachmann für die Wasserwaage) ausgeklügelte antike Messtechniken vor. Viele nehmen auch an einer der Führungen teil. Das nach römischer Art gebackene Gewürzbrötchen zum Lobdengau-Bräu mundet zur Musik der ausgezeichneten Ladenburger Country-Band „Hayride“ um Sängerin Monica Ricklefs-Magurean noch einmal so gut.

400 Jahre alte Pilgerflasche

Im „Café zum Museum“ gilt es indes, „so viel selbst gebackenen Kuchen wie möglich zu verkaufen, um die Stiftung Lobdengaumuseum zu unterstützen“, wie Heimatbundchefin Carola Schuhmann sagt. Sicher haben sich viele vorgenommen, bis zum 2. September noch einmal die Pilgerflasche des Phillipus Beuerlein aus einer Altstadt-Töpferei von 1602 zu bewundern. Dieses Stück aus der Reihe „Der gehobene Schatz“ ist erstmals ausgestellt. Als nächstes gibt es am Samstag, 26. Mai, um 19 Uhr eine „Lesung mit kulinarischen Kostproben aus der römischen Küche“ von Michael Kuhn im Bischöflichen Weinkeller.