Ladenburg

Ladenburg Evangelisches Kircheninstrument erklingt nach Umbau erstmals wieder öffentlich / Gottesdienst und Gratis-Konzert begeistern

Neue Anlage setzt Orgel in Szene

Archivartikel

Ein großes Gemeinschaftswerk ist hörbar gelungen. Das zeigte sich am Sonntag, als die modernisierte Walcker-Orgel in der evangelischen Stadtkirche nach mehrmonatigem Umbau erstmals mal wieder öffentlich erklang. Mehr als 20 000 Euro waren allein bei einer Spendenaktion seit 2015 zusammengekommen. Jetzt ist das Instrument auf dem modernsten Stand (wir berichteten ausführlich). Am Sonntagmorgen hörten als erstes die Gottesdienstbesucher auch die neue Setzeranlage im Einsatz. Abends gab es ein begeisterndes Gratis-Konzert mit Kirchenmusikdirektor Paul Hönicke aus Dossenheim als Dankeschön an alle Spender.

„Von Bach bis Blues“ spannte der 1953 in Ulm an der Donau geborene Hönicke den Bogen. Tiefen Eindruck hinterließen unter anderem moderne Stücke wie „Suite carmélite“ von Jean Francaix und reizende Werke der zeitgenössischen Komponisten Mons Leidvin Takle und Svere Eftestöl aus Norwegen. In die Küstenstadt Lyngdal folgte Hönicke 1999 einer Berufung als Kirchenmusiker. Doch nicht nur in Skandinavien, sondern unter anderem auch in Graz wirkte der ebenso als Konzertmusiker international gefragte Musiker bereits. Schon als Vierjährigen faszinierte ihn das Orgelspiel und hierbei vor allem der Einsatz der Füße des Organisten auf den Pedalen. Diese Erfahrungen in der Kindheit, als ihn seine Großmutter immer zu Kirchenchorproben mitnahm, prägten Hönicke, wie Bernd Kreissig als geschickter Moderator des Konzerts zu schildern wusste.

„Schade, dass wir keine Bildübertragung nach vorne in den Chorraum haben, sonst könnten Sie sehen, wie seine Füße mit schier unglaublicher Geschwindigkeit über die Pedale flitzen“, beschrieb der Ladenburger rund 60 Zuhörern, was sich auf der Empore abspielte. Denn eine Setzeranlage ersetzt keineswegs Können. Doch wären beispielsweise bei den „Variationen über das Niederländische Lied“ von Samuel Scheidt früher komplizierte Umregistrierungen nötig gewesen.

Auf Knopfdruck

„Nun sind schnelle Klangwechsel auf Knopfdruck möglich“, sagte Kreissig als Aktiver der Initiativgruppe „Setzeranlage“, der auch Organistin Gisela Schäffer sowie die Kirchengemeinderäte Joachim Junghans, Dieter Groche und die inzwischen verstorbene Dorothea Gramlich angehörten. „Ich bin sicher, dass sie irgendwo da oben voller Freude über die neue Orgel teilnimmt“, sagte Kreissig und dankte allen, die die Erneuerung möglich machten.

„Die Musik war einfach himmlisch: eine wunderbare Vorstellung“, fand Kreissig, nachdem sich das Publikum zum ausgiebigen Schlussbeifall von den Plätzen erhoben hatte. „Die Aktion hat sich absolut gelohnt, wenn man diese Klangfülle hört“, bemerkte Groche und zeigte sich begeistert von Hönickes Programm. „Die Setzeranlage sorgt dafür, dass alle Umstellungen blitzschnell und geräuschlos gehen“, erklärte Junghans. Am Morgen begleitete Gemeinde-Organistin Schäffer den „hervorragend besuchten“ Gottesdienst musikalisch erstmals wieder am angestammten Platz. „Es war sehr schön, und die Gemeinde hat kräftig mitgesungen“, sagte sie strahlend nach der Premiere.

Frischer Wind

„Ich fand es super und klanglich sehr gewaltig“, berichtet Pfarrer David Reichert erfreut. Schäffer habe die neuen Möglichkeiten voll ausgekostet. „Der Orgelwind treibt uns an.“ Mit diesen Worten hatte Reichert in der Predigt den Bogen von der Orgelmodernisierung zum Heiligen Geist geschlagen, der in dieser Gemeinde wehe. Dankbar stand Reichert abends am Eingang und verteilte Konzertprogramme.