Ladenburg

Ladenburg Heiko Freund will sich für das Ortsbild einsetzen / Sachliche Arbeit, Begehungen vor Ort

Paten für die Grünflächen in der Stadt

Archivartikel

Die erste Sitzung im neuen Gemeinderat bereitete ihm Unbehagen. „Den Streit darüber, welche Fraktion welche Idee zuerst hatte, fand ich furchtbar“, sagt Heiko Freund und erinnert sich, was er da dachte: „Wenn das jetzt die nächsten fünf Jahre so weitergeht, dann gehe ich heim; sollen die doch bis 22 Uhr sitzen.“ Gleichwohl hat sich der Ladenburger sehr gefreut über ein Wahlergebnis, das ihm auf Anhieb einen Sitz im Gremium bescherte.

Gefragt war der Gärtner schon zuvor bei den Fraktionen, fast alle klopften im Vorfeld der Wahl an und fragten, ob er auf ihrer Liste kandidieren wolle. Die Freien Wähler (FW) sagten ihm deshalb zu, weil er sich als klassischen Wechselwähler sieht und sagt, er habe bei Bundestagswahlen schon viele Parteien gewählt. Auf kommunaler Ebene, findet er, soll die Arbeit am liebsten „sachlich, fachlich“ laufen: „Und ich selbst kann auch zugeben, wenn ich mal keine Ahnung von der Materie habe.“ Nun sitzt er mit Gudrun, Sven und Tim Ruster am Ratstisch, weswegen ihn mancher Ladenburger schon scherzhaft fragte, ob er denn nun auch den Nachnamen Ruster annehmen wolle. „Nein“, antwortet er grinsend, „ich bleibe beim eigenen Familiennamen.“

Großvater ist sein Vorbild

Von Berufs wegen hatte er schon früher mit der Kommunalpolitik zu tun, leitete Begehungen auf dem Friedhof. Seit 2007 betreut er die Flächen, kümmert sich um 300 Pflegegräber und die kreative Anlage der Parkfelder, in denen es Seerosenteiche, Skulpturen und Brunnen gibt.

Die Liebe zum Beruf hat bei Heiko Freund viel mit der Familie zu tun; er ist in der vierten Generation Gärtner, eins seiner Vorbilder war der Großvater: „Ich war Tag und Nacht mit ihm in der Gärtnerei.“ Den Beruf lernte der Gymnasiast von 1997 bis 2000 bei der Mannheimer Stadtgärtnerei und machte nach Stationen in anderen Firmen im Familienunternehmen weiter.

Er heiratete, und vor vier Jahren kam Söhnchen Lenny zur Welt. Der Kleine hat ein Spielparadies direkt vor der Tür: Im Garten gibt es ein Schwimmbecken, Hasen, Blumen und ein großes Klettergerüst. Lieblingsspielzeug ist der Mini-Traktor, eine detailgetreue Abbildung der Modelle, mit denen der Vater und Mama Tanja, die ebenfalls im Betrieb arbeitet, unterwegs sind.

Viel Zeit für Reisen und Urlaube bleibt der Familie nicht; allerdings gönnen sich die Eheleute, beide Rockfans, auch mal kleine Auszeiten. Demnächst etwa ein Konzert ihrer Lieblingsband Metallica.

„Ich hätte gern, dass Ladenburg wieder blühender wird“, sagt Freund, während er den Blick über die eigene bunte Oase schweifen lässt; jedes Jahr schmückt er ehrenamtlich den Brunnen auf dem Marktplatz und wünscht sich auch an Feuerwehr- und Rathaus mehr Blumenschmuck, vielleicht finanziert und organisiert durch Grünflächenpaten. Zwar sei die Stadt größtenteils sauber, doch ärgern ihn die Hinterlassenschaften von Hunden: „Das kann sich keiner vorstellen, wie mein Traktor manchmal aussieht.“ Das Grünprojekt fand er positiv; unschöne Ecken seien aufgeräumt worden: „Es ist aber schade, dass sie jetzt wieder zugemüllt werden.“

Bezahlbare Wohnungen

Sein Ärger über solche Zustände führte letztlich auch zur Gemeinderats-Kandidatur. Nach wie vor liegt ihm das Stadtbild am Herzen, die Harmonie von Alt und Neu. Aber: „Es geht gar nicht, zwei Neubauten vor eine antike Sandsteinmauer zu setzen.“ Solarzellen auf Dächern findet er auch in der Altstadt sinnvoll: „Es gibt Modelle, die aussehen wie Dachziegel.“

Bezahlbarer Wohnraum ist ein anderes Anliegen: Für weniger als 60 Quadratmeter im „Martinshöfe“-Neubau werde eine Viertelmillion Euro verlangt: „Wer kann sich das leisten?“ Am Ende kommt er noch einmal auf die künftige Arbeit im Rat und den Ausschüssen zu sprechen: Da sollte man nicht nur Bilder an die Wand werfen. „Lieber mal eine halbe Stunde vor Ort sein, das bringt mehr.“

Zum Thema