Ladenburg

Ladenburg Drei Veranstaltungen zu Geschehnissen vor 80 Jahren / Vortrag, Gedenkgottesdienst und Ausstellung / Zeitzeugin Ruth Steinfeld zu Besuch aus den USA

Pogrome in Ladenburg und anderswo

„Die Stadt Ladenburg gedenkt ihrer jüdischen Mitbürger.“ Was auf der Wandtafel an der ehemaligen Synagoge in der Hauptstraße zu lesen steht, gilt nach wie vor. So erinnern in dieser Woche drei Veranstaltungen an das Novemberpogrom vor 80 Jahren. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und am darauffolgenden Tag verwüsteten örtliche SS-Leute die Synagoge und jüdische Wohnungen. Es kam zu Plünderungen. Zwei Jahre später wurden die letzten Mitbürger jüdischen Glaubens auf dem Marktplatz zusammengetrieben und in Konzentrationslager verschleppt, wo die meisten starben.

Eine Zeitzeugin dieser Geschehnisse ist Ruth Steinfeld, geborene Krell, die heute im texanischen Houston lebt. Die 85-Jährige besucht ihre frühere Heimatstadt ab kommendem Mittwoch. In Begleitung ihrer ältesten Tochter Susi will sie an allen drei Terminen teilnehmen. Mit ihrer Schwester Lea, die vor zehn Jahren starb und den Eltern - Mutter Anna war eine geborene Kapustin - wohnte sie zur Miete in der Weinheimer Straße.

Einblick jenseits bekannter Fakten

Nur die Krell-Schwestern überlebten die Lager. Bei mehreren Besuchen in Ladenburg sendeten beide versöhnliche Signale aus. „Sie ist super aufgeregt“, weiß Ingrid Wagner, die Steinfelds Rede beim ökumenischen Gedenkgottesdienst am 9. November um 19.30 Uhr in der evangelischen Stadtkirche übersetzt. Die pensionierte Lehrerin ist inzwischen die einzige Aktive des früheren Arbeitskreises „Jüdische Ladenburger“ und kennt die Familien der beiden Frauen seit langem.

„Mich bewegt ihre Lebensgeschichte sehr, und ich kenne auch die persönlichen Erinnerungen weiterer Zeitzeugen daran, wie jüdische Wohnungen verwüstet wurden“, sagt Wagner. Mit der „Reichspogromnacht in Ladenburg am 10. November 1938“ beschäftigt sich der Historiker Jürgen Zieher auf Einladung des Geschichtsvereins Heimatbund am 8. November um 19 Uhr im Domhofsaal.

„Was in Ladenburg passierte, unterschied sich kaum von dem, was sich anderswo in Deutschland ereignete“, weiß Andreas Hensen. Der Leiter des Lobdengau-Museums hat sich mit einem interdisziplinären Forscherteam des Themas angenommen. Das Ergebnis ist die Ausstellung „Nachbarn 1938: Wir waren alle Ladenburger“, die am 10. November um 19 Uhr ebenfalls im Domhof eröffnet wird. Konzipiert wurde sie von der Hochschule für Jüdische Studien, der Ruprecht-Karls-Universität und dem Museum der Römerstadt. „80 Jahre nach der Pogromnacht bieten wir Einblicke jenseits bereits bekannter Zahlen und Fakten“, kündigt Hensen Spannendes an. Zieher spricht an diesem Abend über „Erinnern und Verdrängen der jüdischen Geschichte Ladenburgs nach 1945“. Als Ehrengast richtet Steinfeld ein Grußwort an die Zuhörer.