Ladenburg

Ladenburg Fans wie Marion Zantz bringen Heavy Metal-Band Against Evil nach Europa / Auftritt beim Altstadtfest

Projekt „Curry“: Für Inder wird Tournee-Traum wahr

Archivartikel

Römerstadt, Rock-City: Jetzt kommt sogar eine Heavy Metal-Band aus Indien nach Ladenburg. Das Quartett Against Evil (Gegen Böses) aus der Millionenstadt Visakhapatnam tritt am Altstadtfest-Sonntag, 15. September, beim 28. Freiluftfestival „Rock at Church“ im evangelischen Pfarrgarten auf. „Wahnsinn, was da läuft: eine echte Metal-Community-Geschichte“, freut sich Marion Zantz von Herzen über den tollen Coup, der ihr zusammen mit vielen weiteren Fans gelungen ist. Die Weinheimerin ist Teil des erfolgreichen Projekts „Curry“.

Diese Versteigerungsaktion zugunsten einer Europatournee für „Against Evil“ ist freilich nach dem berühmten indischen Gewürz benannt. Über soziale Netzwerke haben Anhänger der Band aus einer Hafenstadt im Bundesstaat Andhra Pradesh inzwischen 17 Auftritte in 16 Städten in der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland klargemacht. Vor ihrem dritten Gig im Antwerpener „Rocking Bull“-Club übernachten Siri Sri, Shasank, Sravan und Noble John bei Marion Zantz zu Hause in Weinheim. Sie ist die Freundin von Andreas Mehl aus Ladenburg. Zwar kein ausgesprochener Metal-Fan, denkt er jedoch sofort an das Festival „Rock at Church“, als es um Auftrittsorte geht. Die Ladenburger Organisatoren sind sofort Feuer und Flamme.

„Unglaublich, wie kreativ die Unterstützergruppe war, um das benötigte Geld für Flugtickets und einen kleinen Tour-Bus zusammenzukratzen“, erzählt Metal-Frau Marion. Bei jener „Curry“-Auktion sei alles versteigert worden, was irgendwie mit Metal zu tun habe. Nun ist sie selbst stolze Besitzerin eines Against Evil-Badetuchs. Gesamterlös: rund 6000 Euro. „Mit einem solchen Erfolg hätten wir nicht gerechnet“, sagt Marion strahlend. Für Heavy Metal gibt es kein Alter: Über ihren Bruder kommt die Mutter mittlerweile erwachsener Kinder 2018 erstmals zum inzwischen weltweit bekannten Festival im norddeutschen Wacken. Dort tritt bereits vor sechs Jahren die indische Metal-Formation Kryptos auf. Diesmal (1. bis 3. August) sind die aus kambodschanischen Waisenkindern bestehende Metal-Band Doch Chkae (Hundeleben) zu Gast. Und Marion erneut als Zuschauerin.

Denn die Faszination, die auch in Asien um sich zu greifen beginnt, hat Marion gepackt: „Diese Musik ist so vielseitig wie in keinem anderen Genre“, findet Marion, die Powermetal á la Mob Rules und Industrial-Metal von Rammstein mag. In der Facebook-Gruppe Heavy Metal Fans (HMF) stößt sie auf Against Evil. Marion: „Ich mochte sie sofort.“ Als das zweite Album „All Hail The King“ (Der König sei gegrüßt) beim Onlinedienst Bandcamp erscheint, häufen sich Aufrufe der Seite aus Europa.

Spendenaufruf gestartet

Das Schweizer Plattenlabel „Doc Gator“ von HMF-Gründer Oliver Rix entscheidet sich aufgrund der starken Nachfrage für eine limitierte Europaausgabe der CD und Vinylplatte, die in Fachmedien hochgelobt wird. Dadurch wächst wiederum der Wunsch, die Jungs live zu erleben. Metal-Fans lieben das unmittelbare Konzerterlebnis. Doch für eine Tournee reicht das Budget nicht aus. „Ein Flugticket ist unbezahlbar für die Jungs und uns eigentlich auch“, sagt Marion. Einen Spendenaufruf findet die HMF-Gruppe um Rix wenig originell. So entsteht das „Curry“-Projekt.

„Wir werden uns das Herz für unsere Fans herausspielen“, schreibt Sänger Sravan auf Anfrage dieser Zeitung per E-Mail aus Indien. „Durch die Curry-Auktion wird ein Traum wahr”, erklärt der Frontmann. Mit Ausnahme des Bassisten Siri sei noch keiner aus der Band je in Europa gewesen. Auf die Frage nach der Situation des indischen Metals antwortet Sravan, dass es wirklich nicht leicht sei, die Szene aber ganz allmählich wachse. Es gebe eine Menge talentierte Bands im Land. Sravans Hoffnung: „Wenn mehr internationale Bands durch Indien touren würden, könnte sich die Situation für uns verbessern.“ Doch jetzt kommt seine Band erst mal nach Europa. Am 15. September führt ihre „Sentenced To Death“-Tour nach Ladenburg und macht die Römerstadt zur „Curry“-Rockcity.

Zum Thema