Ladenburg

Ladenburg Die Künstlerin joeKa stellt im Kunstfenster aus

Protest gegen Politik

„Wir haben ihn bewusst tiefer gehängt“, klärte Wiebke Hünermann-Neuert in ihrer Laudatio auf, was so manchen Besucher auf den ersten Blick auch beschäftigte: Ein Bild der Ausstellung hängt tiefer als alle anderen. Damit war schnell klar, was die erste Vorsitzende des Ladenburger Kunstvereines damit meinte: Ein Atompilz schwebt über Trump, atomarer Ruhm und America First, es ist somit nicht nur ein gemalter Protest der Künstlerin gegen den amerikanischen Präsidenten, den Hünermann-Neuert als „Verursacher, Verantwortlicher und Mittäter der dargestellten Szenarien“ beschreibt.

Die gezeigten Szenarien beschäftigen die Künstlerin joeKa, es ist ihr Protest gegen die Gesellschaft, gegen die Politik, gegen Macht, gegen alles, was sich gegen die Menschlichkeit richtet. Sie hat jahrelang in den USA gelebt, daher sind schwerpunktmäßig viele Themen jenseits des Atlantiks verankert: Der Weinstein-Skandal oder die amerikanische Heimatschutzbehörde, die in Flüchtlingsfamilien die Kinder von ihren Eltern trennt. Aber auch Themen vor der eigenen Haustüre sind ihr nahe gegangen, wie der Bildtitel „Idomeni“ schon sagt. Es sind Themen, die ihr die täglichen Nachrichten zuhauf liefern. Es sind aber auch Märchen und Figuren aus Mythen, die sie inspirieren: Undine, Hans im Glück und Gretchen werden in ihren Werken thematisiert.

Popartige Werke

Für die künstlerische Umsetzung geht sie ins Mittelalter und bedient sich dem Bestiarium, dem Buch der Bestien, die tatsächliche oder zugeschriebene Eigenschaften von Tieren und Fabelwesen allegorisch mit der christlichen Heilslehre verbindet. Hier treffen Mythos und Moral, Wirklichkeit und Illusion aufeinander. Und in dem reich bebilderten Bestiarium findet sie auch die Inspiration für die Farben und die Gestaltung ihrer Bilder. Das Figürliche und das Farbige in joeKas Werken ist die konsequente Fortsetzung des Bestiariums.

Sie zeigt nur einen bewegenden Moment oder eine Szene, doch wir kennen alle die ganze Geschichte dahinter, das Märchen mit der moralischen Botschaft oder die Ereignisse aus den Nachrichten. Ihre Bilder erzählen sie nochmals, hinter den intensiv-farbigen und popartigen Werken steckt immer noch die zweite Ebene, die von Krieg, Flucht, Gewalt und falscher Moral handelt. Und doch ist eines immer im Vordergrund: Der Mensch ist zentrales Thema, in ihrer Aussage wie auch in ihren Werken. Wobei hier zu unterscheiden ist zwischen Frauen, die sichtbar mit ihren Kindern als Opfer dargestellt sind, während die Männer in ihren Bildern sich hinter ihren Helmen und Visieren als Gewaltauslöser und Vollstrecker verstecken.

Hinter lebendigen und leuchtenden Farben versteckt sich eine Welt in Aufruhr: „Arche Titanic“ ist der Name eines ihrer Bilder, es könnte aber auch ihr Gesamtthema beschreiben, bei der es nicht nur um die Probleme dieser Welt geht, sondern auch um das Ziel einer gleichberechtigten Gesellschaft. Insofern ist es schon richtig, bei den farbenfrohen Werken dennoch von „empathischen Werken“ zu sprechen, wie Hünermann-Neuert es formulierte. Die Ausstellung ist somit nicht nur als künstlerische Anklage, sondern auch als Aufgabe zu verstehen, als Mahnung an die Menschheit.

Die Künstlerin joeKa zeigt ihr „Bestiarium“, 9. August bis 1. September, Kunstverein Ladenburg, Kunstffenster, Hauptstraße 77, Ladenburg. Geöffnet Freitag und Samstag von 17 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr. dle

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