Ladenburg

Ladenburg Dilsberger Kantorei bringt Spanien in den Domhofsaal / Nicht alle Besucher finden Platz

Regen verhindert Freiluftkonzert

Archivartikel

Spätestens als kurz vor Beginn ein weiterer Regenguss niedergeht, ist klar: Aus der beliebten Altstadtserenade der Dilsberger Kantorei unter freiem Himmel in Ladenburg wird diesmal leider nichts. Doch wer denkt, Fans des lauschigen Platzes mit Lindenbaum an der historischen Wehrmauer würden unter diesen Umständen in größerer Zahl zu Hause bleiben, der irrt. Zu gut ist der Ruf, den sich das Ensemble erarbeitet hat, als dass sich seine Anhänger ein Konzert unter dem Motto „Musik und Literatur aus Spanien“ entgehen lassen würden.

So stehen aber etliche enttäuschte Besucher auf der Treppe am Domhof, wo das Konzert – wie für diesen Fall angekündigt – nun stattfindet, und kommen nicht hinein: Die aus Sicherheitsgründen erlaubte Anzahl an Menschen im sogar erweiterten Saal ist längst erreicht. Das muss auch eine Frau einsehen, die eigens Gäste aus Spanien mitgebracht hatte. „Es ist echt bitter: Wir mussten schon mehr als 50 wegschicken“, bedauert der musikalische Leiter Markus Karch.

Ambiente draußen schöner

Er gönne Landwirten und Hobbygärtnern ja den nötigen Regen für ihre Pflanzen, aber dass es ausgerechnet an diesem Nachmittag ständig regnen müsse, bedauerte er sehr. „Draußen wäre es vom Ambiente her natürlich viel besser, aber man muss mit allem zurechtkommen“, legt einer der Chorsänger auf Nachfrage des Reporters eine professionelle Haltung an den Tag.

Um es vorweg zu nehmen: Es gelingt dem Ensemble trotz aller Widrigkeiten, das Publikum nach Spanien zu entführen. Das Konzerterlebnis erschließt sich sogar denen, die weiter hinten mit mangelhafter Akustik vorlieb nehmen müssen. Doch dafür genießen sie betörende Düfte: Chormitglieder hatten für die Pause spanische Spezialitäten zubereitet. Auch das Konzert ist ein Genuss: Mit Renaissance-Klängen sowie andalusischen und katalanischen Volksliedern, die in den bewusst zurückhaltenden Arrangements von Karch besonders bezaubern, fangen Chor und Instrumentalisten vieles ein, was das Publikum mit der iberischen Halbinsel verbindet: ansteckende Lebenslust, feurige Leidenschaft, aber oft auch tiefe Melancholie. Was das Klischeehafte an solchen Einordnungen betrifft, sind die Texte von Sprecherin Dorothee Grieshammer hilfreich: Die Schauspielerin rezitiert nicht nur Gedichte wie „Verzweifeltes Lied“ von Pablo Neruda, der sich als Chilene auch gegen den Faschismus in Spanien eingesetzt hatte.

Sie vermittelt auch humorvoll typisch spanische Lebensgewohnheiten. So knüpft dieser Abend nahtlos an den Erfolg des vorherigen Programms „Faszination Finnland“ an. Dazu tragen die Musiker Mathis Wolfer (Blockflöten), Maria Karch (Violine), Heike Hollborn (Klarinette), Evi Barsch (Cello), Arthur Adler (Percussion), Christian DellAndrea (Kontrabass) und Chorleiter Karch (Piano) erneut ebenso bei. Großer Beifall. Die Spendenbox am Ausgang dürfte sich wieder reichlich gefüllt haben.

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