Ladenburg

Ladenburg SPD unternimmt nach Beschwerden von Bürgern über nicht barrierefreie Passagen eine „Probefahrt“

Rollator-Tour durch die Altstadt

Zum Treffpunkt an der Linde am östlichen Ende der Hauptstraße hatte der SPD-Ortsverein Bürger eingeladen, die mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen in der Ladenburger Altstadt unterwegs sind. Gemeinsam mit ihnen wollte man die Barrierefreiheit dort testen. Zwei Elektro-Rollstühle mit ihren Fahrern, zwei Mütter mit Kinderwagen, eine Seniorin von der AG Senioren mit Rollator und ein sogenanntes Rollfiets, eine Kombination aus Rollstuhl und Fahrrad, sowie eine Reihe interessierter Bürger kamen.

SPD-Stadträtin Angelika Gelle und Barbara Scholz freuen sich über das rege Interesse. Sie erklären, dass die Idee zu diesem außergewöhnlichen Rundgang an einem Rote-Schuh-Stand des SPD-Ortsvereins entstanden war, bei dem die Bürger gefragt wurden, „wo sie der Schuh drückt“.

Trillerpfeife eingesetzt

Hier hatte Altstadtrat Hermann Gärtner, der mittlerweile in ganz Ladenburg mit einem Elektro-Rollstuhl unterwegs ist, und auch schon mal mit einer Trillerpfeife auf sich aufmerksam macht, das zum Teil schlechte Pflaster und fehlende Absenkungen an Gehwegen in der Altstadt moniert. Gärtner leitete den Rundgang ein mit den Worten, er habe damals als Stadtrat das Pflaster in der Altstadt mit geplant und verabschiedet, damals sollte es nur altstadtgerecht sein, heute hätte er es gerne barrierefrei.

Gleich am Eingang der Hauptstraße bietet deren Kreuzung mit dem Gehweg das erste Beispiel. Eine Rinne am Straßenrand, für Fußgänger kaum wahrnehmbar, lässt E-Rollstuhl beim Durchfahren aufsetzen. Die Rundgangs-Teilnehmer dürfen auf Gärtners Rollstuhl und dem zweiten E-Rollstuhl, den SPD-Fraktionsmitglied Steffen Salinger mitgebracht hat, diese schwer zu überwindende Stelle testen. Nächstes Ziel ist der Marktplatz.

Unterwegs dorthin holpern Rollatoren, Kinderwagen und Rollstühle über tiefliegende Gullys am Straßenrand, denen sie nicht immer ausweichen können. Das Marktplatzpflaster ist laut Gärtner eine Katastrophe. Weitere Testrunden werden gefahren. Eine Teilnehmerin berichtet, dass die Fortbewegung mit Gehhilfen auf den Altstadtstraßen sehr schwierig ist, weil viele Fugen breit sind und man mit den Stöcken bei jedem Schritt Halt auf den Steinen suchen muss, ohne auf deren Kanten aufzusetzen.

Auf dem Weg durch Rheingaustraße und Zehntstraße zeigt ein kurzer Blick auf das Natursteinpflaster der Färbergasse, dass dieses topfeben ist und ein Beispiel, wie man rollstuhlfreundlich pflastern kann.

In Höhe der Zwingertgasse finden die Teilnehmer einen Gehweg, der am Ende nicht abgesenkt ist. Fährt der E-Rollstuhl von der Neuen Anlage Richtung Marktplatz, muss er den Gehweg mit viel Holpern verlassen, weil die Absenkung fehlt. Eine Testfahrt bestätigt diese Tatsache, während Hermann Gärtner berichtet, dass auch rund um den Friedhof Absenkungen an den Gehwegen teilweise fehlen.

Katzenaugen als Stolperfallen

Am Handschuhsheimer Hof vorbei geht es wieder in die Rheingaustraße. Dicke Katzenaugen hier und auch in der Wormser Straße, die parkenden Autos ihre Stellplätze zuweisen, stellen sich als Stolperfallen dar, die hier und da schon so manche Seniorin zu Fall gebracht haben. Am Marktplatz gibt es übrigens Beispiele, die fußgängerfreundlich sind.

Die beiden beteiligten Mütter mit den Kinderwagen kommen mit dem Pflaster recht gut zurecht, denn sie haben darauf geachtet, dass die Wagen große Luftreifen haben, mit denen sie sich leicht schieben lassen. Von den Müttern wird angemerkt, dass ihr Problem eher hohe Bordsteinkanten sind. Beim Passieren des Areals der Cronberger Mühle wird auf das Betonpflaster hingewiesen, das zwar räderfreundlich, jedoch nicht altstadtgerecht ist.

Am Ziel, dem neuen Rathaus, angelangt, verabschiedet Steffen Salinger die Teilnehmer. Er dankt allen für die Teilnahme. Der neue Gemeinderat wird über die nächsten Renovierungsmaßnahmen der Altstadtstraßen diskutieren, darüber, was richtig und was falsch ist: „Es gibt viele Aufgaben, wir bleiben dran!“ red