Ladenburg

Schriesheim/Ladenburg Mit letzter Lese startet Weingut Rosenhof Benefizaktion / Bürgermeister Stefan Schmutz erstmals dabei

Rotwein-Cuvée ab Jahrgang 2016 kommt St. Sebastian zugute

Archivartikel

Seit April 2017 ist Stefan Schmutz erst im Amt. Da gibt es einiges, was der junge Ladenburger Bürgermeister noch nicht kennengelernt hat. Erstmals hat er jetzt – neben rund 30 teils langjährigen Helfern – beim Herbsten mitangepackt. Schmutz fühlt sich der Materie verbunden. Doch dazu später mehr. Denn es gab noch eine weitere Premiere bei der letzten Lese dieser Saison des Ladenburger Weinguts Rosenhof: Fiel mit der Traubenernte am Samstag in Schriesheim doch auch der Startschuss für eine weitere Benefizaktion zugunsten der sanierungsbedürftigen St. Sebastianskapelle.

Die nahe Strahlenburg und die Weinlandschaft des „Kuhbergs“ leuchten in der Morgensonne. In der Ebene scheint auch Ladenburg zum Greifen nah. In dieser Lage bewirtschaftet Matthias Schmidt einen 4,2 Hektar großen Wingert. Zum Weinbau hegt er ebenso eine gereifte Verbundenheit wie zu jenem seit Jahren geschlossenen Kirchlein aus dem elften Jahrhundert, dessen Erneuerung so vielen Ladenburgern am Herzen liegt. „Dort wurde ich getauft“, berichtet der Weinbautechniker, während er Seite an Seite mit Schmutz süße Trauben der Sorte Cabernet-Sauvignon erntet. Sie ergeben zusammen mit ebenso blauen Merlot-Beeren eine Rotwein-Cuvée, für die Schmidt römische Ziffern als Kennzeichen gewählt hat. Der heurige Jahrgang 2018 wird also „MMXVIII“ heißen. Nach der Ernte werden die Trauben „auf der Maische vergoren“, so der Fachmann. Dabei gehen die Farben aus der Schale in den Saft über. Es folgt das zweijährige Reifen in Holzfässern.

Damit es jedoch nicht so lange dauert, bis Spendenwein für die Benefizaktion fließt, will Schmitt jeweils ein bis zwei Euro pro verkaufter Cuvée-Flasche bereits ab dem bald erhältlichen Jahrgang 2016 („MMXVI“) der Sebastianskapelle zugutekommen lassen. So erhält Schmidts Motto – „Ausgebaut in Ladenburg und angebaut mit Blick auf Ladenburg“ – noch eine tiefere Bedeutung. Das hat für Schmidt auch mit Erntedank zu tun: Ein sonnenreicher Ausnahmesommer liegt hinter allen Winzern. „So früh waren wir noch nie fertig“, sagt Schmidt, der nach nur vierwöchiger Lese in seinem achten Herbst eine „sagenhafte Weinqualität“ erwartet, auch bei Riesling, Chardonnay und Grauburgunder, mit dem es Schmidt zuletzt fast in die internationalen Top Ten schaffte.

Auch Ex-Klassenlehrer herbstet

Was den mehrfach ausgezeichneten Winzer ebenso freut: Dieses Jahr taucht er im „Gault & Millau“-Weinführer auf. Schmidt ist mit dem Weinbau seit der Kindheit vertraut: Sein Vater Reinhard hatte als Autodidakt mit dem hobbymäßigen Anbau begonnen. 2010 fühlte sich der Junior als Profi gewappnet und sagte Ja zum Angebot von Baumschuler und Hobbywinzer Andreas Huben, das Weingut Rosenhof zu übernehmen.

„Früher war der Weinkeller bei uns im Kurzgewann“, erzählt Peter Faller aus Schmidts heutiger „Rentnertruppe“, die den hauptberuflich als Kellermeister in Heppenheim tätigen Schmidt ebenso unterstützt wie ein Freundeskreis. Mit Konrektor Michael Schneider schafft sogar ein Ex-Klassenlehrer von Schmidt mit. Dessen „Weinbau-AG“ macht die Schülerschaft der Kurpfalz-Realschule umfassend mit diesem Kulturgut vertraut. „Ich unterstütze das einzige Ladenburger Weingut gerne, und das Lese-Team ist toll“, sagt „Ecki“ Mayer.

„Das ist ebenso harte wie schöne Arbeit, und es ist schön zu sehen, was dabei herauskommt“, findet Hans Kuhn. „Ich halte mich eher an das Endprodukt“, schmunzelt Bürgermeister Schmutz. Dabei habe er durch seine Frau, eine Pfälzerin, und seine Schwester, die in Zürich im Weinhandel tätig war, durchaus Bezug zu Reben und Wein. Umso schöner sei es, dass Schmidt nun noch die Sebastianskapelle ins Spiel bringe. Schmutz: „Wir hoffen deshalb doppelt, dass dieser Wein reißenden Absatz findet.“